23 Juni 2010 02:00
Frank Busemann gewann 1996 olympisches Silber im Zehnkampf. Heute geht es ihm nicht mehr um Platzierungen, sondern um den Spaß an der Sache – deshalb läuft er. Dabei fragt er sich schon mal: "Warum machst Du das eigentlich?"
Wie läuft's, Frank Busemann?
Hervorragend, allerdings nur beim Windelwechseln und nicht in Laufschuhen. Durch die Geburt meines Sohnes haben sich die Prioritäten zurzeit verschoben.
Warum laufen Sie?
Weil es Spaß macht, wenn man trainiert ist. Aber auch, um gesund zu bleiben und zum Ausgleich.
Nach Ihrem ersten Marathon haben Sie eine neue Leidenschaft für sich entdeckt. Ist es für einen Zehnkämpfer nicht langweilig, auf das Laufen umzusteigen?
Dachte ich zuerst auch, aber wenn man sich auf das Laufen an sich und nicht mehr nur auf die Anstrengung konzentriert, ist es sehr facettenreich.
Sie sagen, beim Laufen ginge es Ihnen um persönliche Grenzerfahrungen. Welche Grenzerfahrungen haben Sie denn bisher gemacht?
Immer wenn ich den Mann mit dem Hammer sehe, frage ich mich nach dem Sinn. Beim Laufen lernt man sich ganz neu kennen – man staunt über sich, man verflucht sich, man stellt sich in Frage, man wird kreativ und entwickelt sich mit den Erfahrungen, die man nur macht, wenn man läuft. Ich dachte immer, eigentlich kann ein schnell zuckender, übergewichtiger Ex-Zehnkämpfer gar keine Freude am Laufen empfinden, aber es geht.
Vergangenes Jahr haben Sie an einem Extremlauf im Nord-Westen Kanadas teilgenommen. Was hat Sie daran gereizt?
Ich wollte wissen, wie sich die Luft bei minus 30 Grad anfühlt, ob ich es überhaupt schaffe und ob meine Augen beim Laufen zufrieren. Ich habe viele grenzwertige Superlative dort erlebt.
Wie viele Kilometer laufen Sie pro Woche?
In der Spitze 70 Kilometer, momentan aber nur 20. Ich bin junger Vater und werde von meinem Sohn stark in Anspruch genommen.
Wo tut's nach dem Laufen am meisten weh?
Wenn ich zu schnell war, in den Oberschenkeln. Wenn ich zu langsam war, im Ego. Und wenn ich richtig gelaufen bin, nirgendwo.
Wie ist ihr Verhältnis zum inneren Schweinehund? Haben Sie ihn im Griff?
Wenn mir eine Sache wichtig ist, hat er keine Chance gegen mich. Wenn mir eine Sache unwichtig ist, gewinnt er manchmal.
Gibt es eine Leistung, auf die Sie besonders stolz sind?
Dass ich den Marathon geschafft habe, auch wenn's mal schwer fiehl. Aber ich hatte immer Spaß dabei.
Wem würden Sie empfehlen, mit dem Laufen anzufangen?
Jedem, dem der Arzt das Laufen nicht verbietet.
Ihr skurrilstes Läufer-Erlebnis?
Bei Kilometer 30 überholt mich ein Läufer, tänzelt leichten Schrittes an mir vorbei, mustert mich von oben bis unten und sagt: "Ey, deine 3:30 schaffste nicht mehr, dafür siehst du zu beschissen aus!"
Wovor haben Sie am meisten Angst beim Laufen?
Vor der Überanstrengung – aber ich liebe sie auch. Das macht den Sport so schön. Und ein wenig Lampenfieber gehört auch dazu.
Ihr bevorzugtes Dopingmittel?
Das gibt es nicht.
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