17. Juni 2010
4219,5 Marathon-Kilometer in 36 Jahren: Hardy Schmidt läuft am Sonntag in Berlin zum 100. Mal die klassische Distanz. Im Interview sagt er, was ihm die Zahl bedeutet und welcher Marathon der schönste der Welt ist.
Achim-Achilles.de: Herr Schmidt, Sie starten am Sonntag zum 14. Mal beim Berlin-Marathon und zu Ihrem 100. Marathon überhaupt. Was bedeutet das für Sie?
Hardy Schmidt: Die 100 ist über die Jahre hinweg für mich zur magischen Zahl geworden. Alles begann vor langer Zeit mit kleinen Volksläufen, später Halbmarathons. Nach sieben Jahren reichten die mir aber nicht mehr und ich wagte mich an den Hermannslauf heran, gut 30 Kilometer von Detmold nach Bielefeld. Als ich das geschafft hatte, sagte ich mir: Einmal im Leben will auch ich einen Marathon laufen.
Achim-Achilles.de: Aus dem einen Mal werden nun 100 Marathon-Rennen. Wie konnte es soweit kommen?
Schmidt: Meinen ersten Marathon bin ich im Frühjahr 1983 gelaufen, in 3:08 Stunden. Dadurch war der Ehrgeiz geweckt, unter drei Stunden bleiben zu finishen. Also startete ich ein paar Monate später in Berlin – und schaffte den Marathon in 2:57 Minuten. Und 1984, zu meinem 40. Geburtstag, habe ich mich dann mit dem New York Marathon beschenkt.
Achim-Achilles.de: Okay, das waren drei – und die übrigen 97 Marathons?
Schmidt: Mit meiner Frau habe ich vor vielen Jahren angefangen, Marathon-Reisen zu organisieren. Erst im Inland, später auch nach New York oder Hawaii. Irgendwann habe ich mir gesagt: Wenn Du schon überall hinfährst, kannst Du auch mitlaufen. Eines Tages lag ich bei 75 gelaufenen Marathons und beschloss, die 100 voll zu machen.
Achim-Achilles.de: Bei den vielen Wettkämpfen: Welcher Marathon ist der schönste?
Schmidt: Ich bin 18 Mal in New York gelaufen – und dort ist es noch beim 18 Mal genauso schön wie beim ersten. Die ganze Stadt ist am Wettkampfwochenende im Marathon-Fieber, die Amerikaner sind ein begeisterndes Publikum. In Deutschland ist, von der Streckenführung und den Zuschauern her, Hamburg die schönste Veranstaltung.
Achim-Achilles.de: Was ist das Besondere an den 42,195 Kilometern?
Schmidt: Jeder Marathon ist eine neue Herausforderung, die mir nach wie vor Respekt einflößt. Und trotz aller Quälerei denke ich jedes Mal im Ziel: Das möchte ich noch mal erleben.
Achim-Achilles.de: Wie viele Rennen haben Sie sich denn noch vorgenommen?
Schmidt: Ich mache mir keinen Stress, Zahlen interessieren mich nicht mehr. Nach sechs Marathons unter drei Stunden muss ich mir nichts mehr beweisen und setze mir keine Zielvorgaben. Meine Frau und ich organisieren weiterhin Marathon-Reisen, für uns privat. Die will ich dazu nutzen, an Orten zu laufen, an denen ich noch nicht gestartet bin. Zum Beispiel in London oder beim Jungfrau-Marathon.
Achim-Achilles.de: Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die am Wochenende zum ersten Mal die klassische Distanz laufen?
Schmidt: Eines ist ganz wichtig: Lasst Euch bloß nicht vom Publikum oder schnelleren Läufern zu hohem Tempo verführen. Lauft Euer Rennen, haltet Euch ans eigene Tempo – dann klappt es auch ganz bestimmt mit dem Ankommen.
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