José Mourinho ist einer der größten Stars im Weltfußball. Beim Probetraining mit Journalisten stellte sich der Trainer von Real Madrid den vielen Fragen. Mourinho über Fitness, Motivation, mentale Stärke und Cristiano Ronaldo.
Herr Mourinho, Sie haben in den größten Ligen Europas gecoacht – in England, Italien, Spanien. In Bezug auf Fitness: Welche Hauptmerkmale muss jeder Fußballer mitbringen?
José Mourinho: Die Ligen sind sehr unterschiedlich: sehr viel Kontakt und Zweikämpfe in England. In Italien hat man sehr wenig Zeit, den Ball anzunehmen. Die spanische Liga ist bei weitem die schnellste. Nicht, weil man so direkt spielt, sondern wegen der hohen Qualität der Spieler. Wichtig sind die Basics.
Das Spiel ist sehr schnell geworden.
Genau, und wenn du nicht schnell in den Beinen und im Kopf bist, bekommst du Probleme. Früher hat man gesagt, Fußball ist ein neunzigminütiger Marathon, dann sagte man: Es sind es mehrere 5000-Meter-Läufe hintereinander. Jetzt sieht es so aus, als würden die Spieler 90 Minuten durchsprinten. Deswegen muss die Kondition der Spieler heute natürlich viel besser sein als früher.
Stellen Sie individuelle Trainingsziele für jeden einzelnen Spieler auf?
Das Training ist zuallererst auf die Mannschaft zugeschnitten, aber jeder Spieler ist ein Individuum mit verschiedenen Qualitäten und Bedürfnissen. Jeder Spieler bekommt vor und nach jedem Training einen Plan, an welchen Schwächen er noch arbeiten muss. Und wie er die Fähigkeiten entwickelt, die wir von ihm verlangen.
An welchen Schwächen muss Ihr Starspieler Cristiano Ronaldo noch arbeiten?
Wissen Sie, Cristiano ist besonders. Er passt sehr genau auf sich auf. Er kennt seinen Körper besser als jeder andere und arbeitet wirklich jeden Tag – selbst wenn er im Urlaub ist oder das Team nicht trainiert. Er ist einer von diesen Spielern, die ihren Körper immer top in Schuss halten und er weiß genau, wie man sich fit hält. Er hat einen tollen Charakter und einen tollen Körper, ein Ausnahmeprofi.
Von allen Spielern, die Sie bislang trainiert haben: Wer war der Fitteste?
Bei Chelsea habe ich etwa mit Frank Lampard gearbeitet. In dreieinhalb Jahren hat er nur ein einziges Spiel gefehlt. Und das in England, in der Premier League, wo der Wettbewerb sehr hart ist. Er hat nur ein Spiel gefehlt – weil er krank war und Fieber hatte. War er der Schnellste? Nein, aber er war sehr widerstandsfähig und mental stark. Ein absoluter Superathlet. Bei Inter Mailand hatte ich Javier Zanetti. Der ist 37 und hat auch immer jedes Spiel gespielt. Wenn kein Training war, ist er trotzdem Laufen gegangen. Es sind diese Persönlichkeiten – die Zanettis, Lampards, Christiano Ronaldos –, die eine große Portion Selbstmotivation mitbringen – und so physisch robust werden.
Welchen Stellenwert haben Zahlen und Statistiken für das Training?
Wir analysieren das ganze Spiel, wir messen alle möglichen statistischen Werte. Wir haben Daten über alles. Aber ich betrachte das Spiel aus einer anderen Sicht. Ich nutze diese Zahlen eher dafür, die Spieler neugierig zu machen und zu motivieren. Ich kann ihnen positives Feedback geben oder negatives. Mit Zahlen und Statistiken kannst du so motivieren, wie du willst.
Was macht einen guten Anführer aus?
Ich glaube daran, dass ein guter Anführer weiß, wie man die Individuen einer Gruppe richtig einschätzt, ohne zu vergessen, dass er ein Team führt. Er schafft es, die Spieler zu motivieren und ihnen Selbstvertrauen zu geben. Und das alles auf hohem Niveau und über einen langen Zeitraum. Die Mannschaft muss an dich und an sich glauben. Du musst alle respektieren, unabhängig von Status und Funktion.
Wie schaffen Sie es, das Beste aus einem Spieler rauszuholen?
Ich glaube, dass ich ein guter Anführer bin (lacht). Ich glaube, dass ich es schaffe, ein bestimmtes Gemeinschaftsgefühl herzustellen. Eine Fußballmannschaft ist wie eine zweite Familie, und das muss man auch vermitteln: Wir halten zusammen und machen alles gemeinsam durch: gute Zeiten, schlechte Zeiten, Woche für Woche, Monat für Monat. Wir sind stark, wir sind eine Einheit.
Wie schaffen Sie es, einerseits ein enges Verhältnis zu ihren Spielern zu haben, und andererseits schwierige Entscheidungen gegen sie zu treffen?
Man muss ehrlich sein und ihnen zeigen, wie schwer es ist, Trainer zu sein. Die meisten Spieler konzentrieren sich auf sich und vergessen manchmal, was andere machen und wie schwer es auch andere haben. Also musst du es ihnen beibringen, sie in deine Position versetzen, es ihnen erklären. Wichtig ist, dass man ihnen danach trotzdem zeigt, dass sie weiter Teil der Gemeinschaft sind.
Wie gehen Sie mit Starspielern um? Bekommen die eine Sonderbehandlung?
Ich achte mehr auf individuelle charakterliche Unterschiede als auf Status oder Qualität der Spieler. Du musst verstehen, wie sie ticken: Ist negatives Feedback gut oder brauchen sie ständig Unterstützung? Daher ist es wichtig, jeden Einzelnen gut zu analysieren, dann weiß man auch, was sie brauchen.
Wie gehen Sie mit dem immensen Druck um?
Ich verspüre keinen Druck. Ich habe Spaß an meinem Job und lasse den Druck von außen nicht an mich ran. Damit lebe ich ganz gut. Wichtig ist mir, dass ich intern die Strukturen aufbaue, dass mein Team mich unterstützt.
Sie haben schon viele Pokale und Trophäen gewonnen. Was treibt Sie an?
Es geht nur darum, glücklich zu sein. Ich brauche zwei Dinge im Leben, um glücklich zu sein: Fußball und Familie – das ist mir wichtig. Ganz einfach. Es geht nicht darum, noch mehr Pokale zu gewinnen, die meisten Titel zu haben oder noch mehr Geld zu machen. Ich brauche das nicht unbedingt, aber ich möchte glücklich sein. Und das bin ich mit Fußball und Familie.

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