10 Juni 2011 00:00
Moderator, Komiker, Musiker, Extremsportler: Wigald Boning ist eine der originellsten Figuren im deutschen Show-Geschäft. Jetzt plant er den Start bei einem 100-Kilometer-Ultrarennen. Im Interview erzählt er, wie er trainiert, was ihm das Laufen bedeutet und warum in seiner Garage Stöckelschuhe liegen.
Herr Boning, als Ihr sportliches Ziel haben Sie einmal genannt: "In Stöckelschuhen auf die Zugspitze laufen". Was macht die Vorbereitung?
Wigald Boning: Das ist schon eine Weile her. Immerhin habe ich mir damals ein paar rote Pumps gekauft, die seitdem in der Garage auf ihren Einsatz warten. Je steiler der Berg, desto geeigneter sind Stöckelschuhe: Die Spitze gelangt auch in schmale Felsritzen, die Ferse hängt frei in der Luft. Bei Gletscherüberquerungen zieht man die Schuhe aus und verwendet die Stöckel als Eisbeile. Irgendwann ist es soweit, versprochen.
Am 17. Juni starten Sie jetzt erst mal bei einem 100-Kilometer-Rennen in Biel. Wie schaffen Sie es überhaupt, für so eine gewaltige Distanz zu trainieren?
Der Entertainer Wigald Boning, Jahrgang 1967, ist vor allem bekannt durch die TV-Sendung "Clever – Die Show, die Wissen schafft", die er bis 2008 moderierte. Boning macht außerdem Jazz-Musik und ist ein leidenschaftlicher Sportler. Er absolvierte den Arctic Challenge in Kanada, fährt 24-Stunden-Mountainbikerennen und läuft Ultramarathons. Über sein Leben als Läufer schrieb er in dem Buch "Bekenntnisse eines Nachtsportlers" (rororo 2007, 8,95€)Für Biel trainiere ich weniger als zum Beispiel für ein 24-Stunden-Mountainbike-Rennen. Mehr als 15 Stunden Laufen wöchentlich ist auf die Dauer sowieso nix für meinen Bewegungsapparat. Und in den Alltag ist der Sport leicht einzugliedern.
Weil Sie immer noch am liebsten nachts laufen?
Nicht mehr so exzessiv wie früher. Morgens um sieben, das ist momentan meine Sportstunde. Vor halb 10 Uhr morgens ruft bei mir niemand an, da kann ich prima trainieren.
Was haben Sie sich für Biel vorgenommen?
Ich bin noch nie 100 Kilometer gelaufen und lasse mich überraschen. Ich war in den vergangenen zehn Jahren hauptsächlich auf dem Rad und auf Langlaufskiern unterwegs. Daher würde mich eine Zielzeit unter zwölf Stunden überraschen. Ankommen ist das Hauptziel. Womöglich werde ich gar nicht erst eine Armbanduhr mitführen.
Warum nicht?
Ich möchte verantwortungslos vor mich hin drömeln. Es handelt sich immerhin um meinen Pfingsturlaub.
Warum tun Sie sich überhaupt so ein Ultra-Rennen an? Reicht nicht auch ein Marathon?
Schnelles Laufen behagt mir nicht. Wenn ich an Marathon-Läufen teilnehme, dann nur trainingshalber. Auf den ganz langen Strecken kann ich mich hingegen völlig stressfrei verausgaben. Je länger die Strecke, desto größer die Chance, in gewisse meditative Stimmungslagen zu geraten. Das Großhirn hat dann Pause, juchhu.
Ist es das, was für Sie den Reiz des Laufens ausmacht?
Es geht um seelische Reinigung, ja. Mannometer, das klingt hochtrabend – wobei das Wort „hochtrabend“ ja durchaus mit dem Thema zu tun zu haben scheint. Und das Essen schmeckt besser, wenn man viel sportelt.
Bestzeiten sind Ihnen egal?
Früher waren mir Zeiten durchaus wichtig, heute nicht mehr. Wobei ich mich weiterhin darüber freue, wenn es mir gelingt, ein Vorhaben zu verwirklichen. Anfang März zum Beispiel war das ein 100-Kilometer-Skilanglauf, gemeinsam mit 20 Sportsfreunden in Hohenschwangau. Das war eine bonfortionöse Veranstaltung. Vielleicht wagen wir uns nächstes Jahr an 24-Stunden-Skilanglauf.
Stimmt es, dass Sie früher mal Weltmeister im Diskuswerfen werden wollten?
Naja, Weltmeister nicht unbedingt. Aber dass ich als A-Schüler bei den Niedersächsischen Landesmeisterschaften 1982 Letzter wurde, hat mich denn doch geärgert. Daraufhin habe ich sogar dem Sport gänzlich Adieu gesagt, bis ich 2000 den Ausdauersport für mich wiederentdeckte.
Als Komiker wirken Sie so, als wäre Ihnen egal, was andere über Sie denken. Ist das beim Sport treiben auch so?
Weitgehend, ja. Wenigstens versuche ich lebenslang, mir diese Unabhängigkeit anzutrainieren. Klappt nicht immer, aber meistens.
Was fällt Ihnen selbst auf an der Spezies Läufer?
Läufer sind auch nur Menschen. Ich habe bei Volksläufen schon viele interessante Gespräche geführt, etwa mit einem pensionierten Bundeswehroffizier, zuständig für das Fahrschulwesen. Der hat mir alles erklärt, auf 72 Kilometern. Für derlei Ausführlichkeit hat man ja sonst kaum Zeit.
Was machen Sie nach einem Rennen wie in Biel zur Erholung?
Ich freue mich bereits auf ein paar entspannte Radtouren. Und die eine oder andere Bergbegehung bei mir daheim im Allgäu.
Waren Sie schon mal schlimm verletzt?
Ich Glückskind hatte noch nie irgendetwas Ernstes, wobei ich auch peinlich genau darauf achte, mich nicht zu überlasten.
Was sind Ihre Schutzmaßnahmen?
Vielseitiges Training und viel Schlaf, aber auch mindestens ein Mal im Jahr freiwilliger Sportverzicht – mit Bier, Knödeln, Schweinebraten bis kurz vor die Plauzenplatzgrenze.
Sind Sie süchtig nach Sport?
Ja! Ich bilde mir ein, Sport sei immer noch besser als Heroin.
Interview: Wendelin Hübner

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