07 Juni 2010 02:00
Von null Laufkilometern zum Halbmarathon in vier Monaten – das war Charlotte aus dem Achilles-Team nicht bekloppt genug. Deshalb setzt das Moppelchen nun noch einen drauf: Berlin-Marathon. Jede Woche schreibt sie, wie sie das schaffen will.
Wer immer nur rennt, wird zur hässlich-dürren Renngräte, sagt Achim. Krafttraining und Gymnastik als Ausgleichssport öden mich aber total an. Daher probiere ich es einmal mit Schwimmen. Auf dem steinigen Weg zum Berlin-Marathon ist nach hunderten Laufkilometern ohnehin mal Abwechslung willkommen.
Ich nutze also die Chance, eine kostenlose Schwimmstunde bei Heike zu bekommen, Big Achims Schwimmtrainerin. Am Telefon stellt sie mir Fragen zu meinem Marathon-Training und zu meiner Schwimmerfahrung. "Ach, das wird bestimmt ganz toll für Sie", sage ich. "Ich kann nur Brustschwimmen, mit Kopf über Wasser, total langsam. Ich gehe zwar nicht unter, sehe aber total bescheuert aus." Heike lacht, hoffentlich denkt sie nicht, dass ich übertreibe. Es ist nämlich alles wahr.
Dass ich überhaupt schwimmen kann, grenzt schon an ein mittelschweres Wunder. In meiner Kindheit war ich bei zwei Schwimmkursen. Ein knurriger Bademeister trainierte 30 planschende Kinder. Wer sein Seepferdchen nicht innerhalb weniger Schwimmstunden schaffte, bekam sein Geld trotzdem nicht zurück. Nach zwei Misserfolgen hatte ich keine Lust mehr. Schwimmen gelernt habe ich dann erst mitten in der Pubertät, mehr so aus Versehen, im Meer.
Trainerin Heike guckt mir bei unserer ersten Stunde nur ein paar Minuten zu. Dann gibt sie mir ein Brett als Hilfe. Also wirklich! Oben bleibe ich ja wohl aus eigener Kraft, ganz so schlimm ist es nicht! Fehlt nur noch, dass sie mir Schwimmflügel oder einen Rettungsring zuwirft.
Dann bringt mir Heike Atmen bei, Ausatmen, Einatmen. Eine Sache, von der ich dachte, dass ich sie bereits perfekt beherrsche. Es stellt sich heraus, dass es die Kombination ist, an der ich scheitere: Schwimmen und Atmen, das geht für mich nicht zusammen. Entweder halte ich den Kopf gerade so über Wasser oder ich gehe gleich ganz tauchen. Deshalb erklärt mir Heike sechzig Minuten lang einen vernünftigen Atem-Rhythmus beim Schwimmen: Einatmen oben, Ausatmen unter Wasser – und dabei das Kinn nie aus dem Wasser heben.
Am Ende der Stunde gelingen mir tatsächlich ein paar geschmeidige Schwimmzüge, bei denen ich garantiert nicht bescheuert aussehe. Doch bis zur Meerjungfrau ist es noch ein weiter Weg. Über die korrekten Arm- oder gar Beinbewegungen haben wir schließlich noch gar nicht gesprochen. Um wirklich gut schwimmen zu lernen, muss ich noch viel mehr Zeit investieren. Sagt die Trainerin. Doch das war ja beim Laufen auch so. Sagt Mama.
Marathon 700 Meter unter der Erde

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