Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
01 September 2010 02:00
Achilles-Blogger und Hobby-Triathlet Lars Terörde alias Peter Patella hat in seinem Buch Barfuß auf dem Dixi-Klo - Triathlon-Geschichten vom Kaiserswerther Kenianer seine witzigsten Anekdoten zusammengefasst. In unserem Vorab-Auszug geht es um das Wettrüsten mit dem Schwager.
Still und heimlich verfluchte der Kenianer sich. Sich und seine lose Zunge. Manchmal war er aber auch nicht zu bremsen. So wie beim letzten Adventskaffee. Warum musste er dem Schwager damals unbedingt von den Vorteilen leichter Wettkampfschuhe vorschwärmen?
Hätte er nicht stattdessen über die immense Verbesserung des Lauftempos dozieren können, die durch die stabilisierende Wirkung von Bundeswehrstiefeln auf die Sprunggelenke entsteht? Hätte er nicht davon berichten können, wie neue Trainingsstudien belegen, dass das Warmlaufen mindestens genauso lang dauern sollte wie der Wettkampf selbst? Oder von den Versuchen, Athleten auf dem Rad noch aerodynamischer zu machen, wenn man durch Hinauslassen der Luft im Vorderreifen den Kopf noch mal einen Zentimeter tiefer unter den Wind bekommt?
Nichts von dem hat er berichtet. Stattdessen musste er dem Schwager auf dessen wissbegierige Nase binden, dass leichte Wettkampfschuhe ein völlig neues Laufgefühl bringen und auch das Tempo automatisch steigt, wenn man sich nicht mehr die Stabilklötze für Überpronierer ans Bein bindet. »Was bist du bloß für ein Idiot?«, haderte der Kenianer nun während des Großfamilienkurzurlaubs auf Ameland mit sich. Wäre Schumi so oft Weltmeister geworden, wenn er all seinen Konkurrenten verraten hätte, was seinen Ferrari so schnell machte? Ist Jens Lehmann mit dem Elfmeterzettel zum Gegner gegangen und hat gesagt: »Der Spieler XY braucht gar nicht anzutreten, ich weiß eh, wo er hinschießt!«?
Natürlich nicht! Aber der Kenianer hatte es getan. Er hatte Entwicklungsarbeit beim ärgsten Feind geleistet und ungeniert erzählt, dass er selbst direkt einige Sekunden pro Kilometer schneller geworden war, seitdem er seine Füße mit einem Hauch von nichts bestückte. Und was hatte er jetzt davon? Nun hatte der Schwager ebenfalls aufgerüstet. Hatte sich Schuhe gekauft, die man nicht draußen stehen lassen durfte, weil sie sonst vom Winde verweht würden. Untergewichtige Laufsandalen. Löcher sogar in der Sohle, um noch ein bisschen mehr Gewicht zu sparen. Ein Design, das es unverhohlen auf neidisch-eingeschüchterte Blicke abgesehen hatte. Auffällige Farbe und zusätzlich ein grober Ethikverstoß. Das waren keine einfachen Trainingsgeräte, sondern eine einzige, neongelbe, laufschuhgewordene Provokation! »Kiss this« stand von unten auf der Ferse. Gerichtet an den, der die Sohlen des Trägers von hinten sehen musste. Gemeint und gemein für jeden, der nicht in der Lage sein würde, diesen Schuhen zu folgen.
Derart aufgerüstet stand der Schwager bereit für den ersten gemeinsamen Auslauf auf der schönen Nordseeinsel. Es wartete das erste sportliche Aufeinandertreffen auf die beiden seit einem Marathon durchs Siebengebirge mehrere Monate zuvor. Keiner ließ sich was anmerken, aber die Luft knisterte. Rivalen der Laufbahn kurz vor dem ersten Start. Eine Stimmung wie im Western. Die beiden Kontrahenten beäugten sich im Saloon, kurz bevor es auf die Straße ging und einer von beiden Staub fressen musste.
»Ich will wirklich nur langsam laufen, ich fühle mich nicht ganz fit, und außerdem soll es ein mittellanger Lauf in angenehmem Tempo werden«, baute der Kenianer vor. Der Schwager beteuerte mal wieder, monatelang nicht mehr gelaufen zu sein und mit diesen Schuhen eh noch nie. »Rede du nur! Immer die alte Leier: Keine Zeit, keine Zeit und außerdem krank gewesen…«, dachte der Kenianer. »Ich glaube dir sowieso kein Wort.«
Der Beginn war denn auch geruhsam. Der Kenianer bremste, sie schwatzten fröhlich und redeten über die Vergangenheit, die Zukunft und die gemeinsamen Heldentaten. Achtzehn Kilometer sollten es heute werden. Wieder galt es, einen Aussichtspunkt zu erreichen. Und wie es so ist bei gemeinsamen Männerläufen: Unmerklich wurde nach und nach das Tempo gesteigert. Erst vom Kenianer, der nur kurz seine Überlegenheit testen wollte. Dann vom Schwager. Die Aussichtsplattform im Blick ließ der Kenianer ihn ziehen. »Soll er doch sehen, wie lang wir heute noch laufen werden!« Er blieb gelassen, auch wenn der Schwager Meter für Meter gewann, sodass der Kenianer die Schrift unter dessen Schuhen schon nicht mehr lesen konnte. »Warte nur ab, es geht auch noch zurück…« Auf der Aussichtsplattform pausierten sie, sonnten sich in der tief stehenden Nachmittagssonne und verzichteten wie immer aufs Dehnen.
Dann der Rückweg. Der Schwager machte erneut Tempo. Gelassen ließ der Kenianer ihm den Vortritt. Klemmte sich in den Windschatten und ließ die Schuhe auf sich wirken. »Kiss this, kiss this, kiss this…« Rechts und links. Bei jedem Schritt des Schwagers hämmerte sich diese Provokation in des Kenianers Läuferhirn, und er schwor sich, den Rivalen nicht ziehen zu lassen. Komme, was wolle. Wie eine Klette klebte er sich an den Schwager.
Alle Vorsätze für einen geruhsamen, mittellangen Lauf in den Nordseewind schießend, wurde das Tempo nach und nach höher. In komfortabler Position ließ er den Rivalen mal zehn Meter vor und genoss die hektischen Seitenblicke des Schwagers. Danach hatte er einen besonderen Spaß daran, besonders laut aufzustampfen, wenn er den Abstand wieder verkürzte. Wusste er doch aus Erfahrung, wie unangenehm ein lauter Läufer im Nacken sein konnte.
Als sie noch drei Kilometer zu laufen hatten, schloss der Kenianer auf. Aus dem Augenwinkel checkte er die Konstitution des Schwagers. Lautes Stöhnen, der Schritt schwerfällig, das Gesicht ungesund gerötet. Er hatte sich übernommen. Ein stiller Triumph für den Kenianer, dessen Beine noch locker waren und dessen Atem noch ruhig. Also griff er ganz tief in die Hinterhältigkeitstrickkiste: »Lass uns noch einen kleinen Umweg machen, ist eine besonders schöne Strecke durchs Naturschutzgebiet!«
Da auch der Schwager einen beträchtlichen Läuferstolz sein Eigen nennt, verbot sich für ihn jedweder Widerspruch. Und so ging es in besonders unwegsames Gelände. Trampelpfade mit tiefen Kaninchenlöchern und immer wieder sandige Dünen, die dem Schwager in seinen Wettkampfschläppchen zusetzten. Er jammerte ein wenig über die Unebenheiten und beschwerte sich über den Sand in seinen Schuhen. Doch der Kenianer kannte keine Gnade und gab ihm lieber den Rest: An einem Tümpel wurde der Weg morastig und nass. Genau das Richtige für Schuhe mit Löchern in der Sohle, dachte sich der Kenianer und steuerte das Wasserloch an. Und so kam es, wie es nicht anders kommen konnte: Schwagers Schuhe wurden nass, und der Kenianer entschuldigte sich mit gespielter Überraschung: »Ich wusste gar nicht, dass die Schuhe da Löcher haben…«
Auf dem Heimweg forcierte der Kenianer noch mal das Tempo. Der Schwager ließ ihn ziehen und lief sich Blasen. Zufrieden kam der Kenianer im Ferienhaus an. Er versorgte den Schwager mit Blasenpflaster und schimpfte über dessen neue Schuhe – nur um sich noch am selben Abend im weltweiten Netz ein identisches Paar zu bestellen.
Diesmal hatte der Schwager den Staub geschluckt. Trotzdem war dessen Form für diese Jahreszeit beängstigend gut. Auch die Amerikareise wurde schon unter anderen Gesichtspunkten geplant. Nicht mehr Sehenswürdigkeiten, sondern Triathlon- und Lauftermine sowie die Möglichkeiten, Rennräder zu leihen, bestimmten die Routenplanung, wie der Kenianer nun jeden Abend besorgt mitverfolgen konnte. Schwesterherz und Schwager bereiteten ihren Sommer-Urlaub vor und durchsurften die Weiten amerikanischer Sportveranstaltungsseiten im Internet. Der Schwager würde fit sein beim Saisonhöhepunkt…

Achim-Achilles.de verlost fünf Exemplare von Barfuß auf dem Dixi-Klo - Triathlon-Geschichten vom Kaiserswerther Kenianer
(Covadonga-Verlag, 12,80 Euro). Ihr müsst nur folgende Frage beantworten:
Auf welcher Fußballposition ist Achilles-Blogger Peter Patella (angeblich...) Deutscher Meister geworden?
Schreibt die Lösung bitte in eine Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Betreff: Dixi-Klo
Einsendeschluss ist: Montag, 6. September

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