23 November 2010 15:12
Andere Länder, andere Läufe. Achilles-Leser Hans war am vergangenen Sonntag beim Halbmarathon in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi am Start. Dort erlebte er Chaos vor dem Start und Tumulte nach Zieleinlauf. Dazwischen genoss er Delhis schönste Gassen.
„The world richest Half Marathon“ lautete die Werbung für diesen (eigentlich) wunderbaren Stadt-Halb-Marathon. Insgesamt machten sich am Morgen des 21. Novembers wohl so um die 30.000 Männer und Frauen auf den Weg, um am Halbmarathon oder an einem von drei weiteren Spaß-Läufen teilzunehmen.
Um sicherzustellen, dass die Läufer nicht mit Pistolen, Maschinengewehren oder Messern bewaffnet den Lauf antreten, wurde jeder der 30.000 Läufer genau untersucht. Übersehen wurden dabei aber leider die Handys, die nahezu jeder Läufer dabei hatte. Auf jeden Fall nahm die peinlich genaue Kontrolle so viel Zeit in Anspruch, dass die große Masse der Läufer die Startlinie erst lange nach dem Startschuss um 7:30 Uhr überquerte. Ich selbst kam mit etwa 15 Minuten Verspätung ins Rennen.
Doch das war erst der Beginn des Chaos: Kurz nach der Startlinie hatten die Veranstalter eine Tribüne für die Ehrengäste aus Politik, Film und Sport aufgebaut. Grund genug für Hunderte, dort erst einmal ein wenig zu verweilen, um den Stars aus Bollywood zuzujubeln. Schlecht für die seriösen Läufer, die sich durch diesen Pulk stehender Menschen kämpfen mussten. Doch damit nicht genug: Nach weiteren und wenigen Metern rächte es sich dramatisch, dass bei den Eingangskontrollen die Handys nicht einkassiert wurden. Denn nun mussten ja erst einmal Freunde und Verwandte (und davon hat ein Inder sehr viele) über die Stars der Filmbranche informiert werden. Nein, dazu geht man nicht an den Rand der Laufstrecke, sondern erledigt das Telefonat mitten auf dem Weg stehend und wild gestikulierend.
Was bleibt dem armen Läufer (dem, der wirklich laufen möchte)? Entweder um all die stehenden Halb-Marathonis herumzulaufen oder sie gelegentlich auch beiseite zu schubsen (nicht nett, aber unabdingbar). Mit dieser Doppelstrategie brauchte ich für die ersten 7,5 km immerhin ca. 42 Minuten und hatte tatsächlich GPS-genaue 7,7 km gelaufen (wegen der viel Haken, die geschlagen werden mussten). Erst ab Km 8 wurde der Lauf tatsächlich zu einem ordentlich Halb-Marathon. Von den ca. 10.000 angetretenen Läufern gaben etwa 5.000 auf den ersten fünf bis sieben Kilometern erschöpft auf. Kein Wunder, da sicherlich ganz viele der gemeldeten „Athleten“ nie weiter als 250 Meter am Stück in ihrem Leben gerannt waren.
Ab jetzt war der Lauf die pure Lust. Eine flache Strecke, die durch die schönsten Ecken der indischen Hauptstadt führte. Angenehme Temperaturen und eine gute Stimmung der Zuschauer am Straßenrand sorgten dafür, dass der Zeitverlust auf den ersten acht Kilometern noch halbwegs eingeholt werden konnte. So kam es dann zu einer Chip-Zeit, die 31 Sekunden unter der Zwei-Stunden-Marke lag. Für einen wie mich, der in der Kategorie der „Senior Veterans“ lief, ein ordentliches Ergebnis.
Glücklich im Ziel angekommen gab es dann noch einmal einen richtigen Beweis für ausgeprägte „Friedfertigkeit“. Offensichtlich hatten die Veranstalter nicht genügend Medaillen produziert, auf die aber die Finisher bestanden. Es kam zu Tumulten, Schlägereien und Einsätzen der Polizei, um die aufgebrachten Läufer wieder zu beruhigen. Kein schöner Abschluss eines eigentlich tollen Stadtlaufes.

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