22 Juni 2010 02:00
Als Leser Joachim den Berlin-Marathon läuft, geht ihm einer der berühmtesten Sätze der Weltgeschichte durch den Kopf. Und: Schlappe 45:34 Minuten trennen ihn nur noch von Haile Gebrselassie.
Auf Berlin kann man sich verlassen! Noch wenige Tage vorher war es bitterkalt, stürmisch und nass. Doch rechtzeitig zum Wochenende wurde es sonnig und wärmer, optimale Bedingungen für den Lauf, mit dem ich meine kleine, ambitionierte Läuferkarriere krönen wollte. Eigentlich hatte ich den ganzen Sommer mit Andrés Hilfe gut trainiert, doch dann kam die Maschine noch mal ins Stottern. Eine Infektion Anfang September zwang mich zu zwei Wochen Trainingspause und weckte Zweifel an neuen Rekorden. Doch ich wollte versuchen, nochmal meine Bestleistung von 2:51:37h zu unterbieten, denn ich wollte das letzte Mal einen Marathon gegen die Uhr laufen.
Mein Freund Jérome war aus Wien angereist, auch er mit dem Ziel, seinen Rekord zu verbessern. Es war unser 10. gemeinsamer Marathon und ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen seiner Familie gegenüber, dass ich ihn zum Laufen gebracht habe.
Und Haile aus Äthopien war natürlich auch da. Auch er wollte seinen Rekord verbessern, mit dem Unterschied, dass er dafür Geld bekommt. Letztes Jahr ist er in Berlin ein grandioses Rennen mit neuem Weltrekord gelaufen und dieses Jahr sollte er das noch toppen:
Antje brachte mich zum Startbereich und dort traf ich mich mit Jérôme im Startblock B. So gingen wir pünktlich um 9 Uhr auf die Strecke, vor uns Haile und hinter uns knapp 40.000 Verfolger. Wir liefen mit 3:55 bis 3:57 min/km an, ein klein bisschen schneller als geplant. Bei km 7 stand Antje das erste Mal als Unterstützung. Kilometer 10 und die Halbmarathonmarke passierten wir wie geplant.
Kurz danach stand André mit dem zweiten Gel und Anfeuerungen und freute sich mit mir, dass alles so gut lief. Das Tempo lag immer noch bei 3:57 min/km, leider verlor ich bei km 29 Jérôme und lief von da an allein weiter. Bei km 31 stand Carsten (danke für das Gel) und bei km 37 nochmal André und Kathrin. Das Tempo war inzwischen etwas langsamer geworden – 4:02 min/km – und ich wusste, dass ich jetzt nur noch durchhalten muss.
Die Schritte wurden schwerer und jeder Blick auf die Uhr nährte die Zweifel an einem neuen Rekord. Am Potsdamer Platz bei km 39 stand wieder Antje und jetzt wusste ich, da musst du durch. Seit 6 Jahren steht sie an der Strecke und feuert mich an, also beiß die Zähne zusammen und lauf! Es folgten die schwersten Kilometer, die Leipziger Straße entlang und über den Gendarmenmarkt. Nur der Wille half mir hier. Und dann ging es auf die Straße Unter den Linden, links und rechts das Publikum, das einen anfeuerte.
Ich war etwas irritiert, denn ich sah nicht die Kilometerangabe 41 und wusste daher nicht genau, wie ich in der Zeit lag. Es ging Richtung Westen und als ich über den Pariser Platz und durch das Brandenburger Tor lief, schossen mir die Tränen in die Augen. Hier stand ich 1987 sehnsüchtig nach Westen blickend und hörte die Worte Reagans: "Come here to this gate! Mr. Gorbachev, open this gate! Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ Auch damals hatte ich Tränen in den Augen. Und heute, 21 Jahre später, laufe ich mit 40.000 anderen Menschen aus der ganzen Welt durch dieses Tor und außer einem Pflastersteinstreifen erinnert nichts mehr an die Mauer. Gern hätte ich diesen Augenblick länger genossen, doch ich sah jetzt das Ziel und auf der Uhr erkannte ich eine 2 und eine 49 und ich mobilisierte die letzten Kräfte und lief durchs Ziel bei ... 2 : 49 : 33 h!
Meine neue persönliche Bestzeit und das noch unter 2:50h! Ich war so zufrieden! Haile, wir sehen uns in Dubai!
Drei Mal bin ich in Berlin gelaufen. Dabei wurde drei Mal der Weltrekord gebrochen. Ich war jedes Mal dabei und lief drei Mal meine persönliche Bestzeit. Einen besseren Abschluss kann ich mir nicht wünschen. Ich bedanke mich bei allen, die mich in den letzten Jahren beim Laufen unterstützt haben, ganz besonders bei Antje, meinen ehemaligen Trainern Jens und Piet und bei André! Vielen Dank! Keep on running!
Berlin-Marathon: Warnung vor dem Wadenkrampf
Bockspringen am Checkpoint Charlie

|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.