28 Juni 2010 02:00
Doping auf legale Art und Weise: Achilles-Läufer Luftbumb, ist ausgewiesener Rockmusik-Jogger. Led Zeppelin, AC/DC und Co. haben einen positiven Einfluss auf seine Trainingsleistungen bei Dauerläufen – mit Jerry Lee Lewis bringt er den Stadtpark zum Beben.
Sport und Kultur haben auf den ersten Blick wenig Schnittpunkte. Das zeigt sich beispielsweise in einer Zeitungsredaktion: Wer den gemeinhin eher feingliedrigen Feuilletonredakteur dem knorrigen Sportreporter gegenüberstellt, weiß, was ich meine. In Zeiten Epochaler Debatten über Doping bekommt das Thema aber einen neuen Dreh: Die positive Beeinflussung der Trainingsleistung von Dauerläufern mittels brachialer Rockmusik.
Als ausgewiesener Rockmusik-Jogger (sozusagen als "Mick Jogger"), der auch die popeligste Fünf-Kilometer-Runde nicht ohne MP3-Player absolviert, kann ich all denen ein paar Tipps geben, denen bei der Zugabe von Eigenblut schwarz vor Augen wird. Und wenn am Start beim Volkslauf die ausgemergelten Sportpuristen angesichts der Ohrstöpsel pikiert die Nase rümpfen, muss man nur mit bierernster Miene versichern: Nein, das ist keine Musik, sondern die Stimme der Angetrauten, die fein im Laufrhythmus vorsagt "rechts, links, rechts, links". Der Gesichtsausdruck des Gegenübers ist denkwürdig.
Also: Epo und andere ominöse Mittelchen müssen nicht sein, knallige Rock-Kracher aus der guten alten Zeit tun's auch. "Rock'n'Roll" von Led Zeppelin beispielsweise macht aus dem Unterkörper des Hobbyläufers eine nimmermüde Dampfmaschine. Ideal fürs Tempotraining. Einziger Nachteil: Wenn man beim "Uuh-Yeah" im Schlussteil gerade so richtig schön am Abfliegen ist, hört der Song relativ humorlos auf, und man läuft sofort ein bisschen bedröppelt durch die Gegend. Da hilft nur die "Repeat"-Taste. Oder "Roll over Beethoven" in der Version vom Electric Light Orchestra. Nach dem Motto Elo statt Epo.
"See see Rider" in der Version von den Animals hat ähnliche Qualitäten und AC/DCs "Whole Lotta Rosie" bringt, zweimal hintereinander gehört, auf zehn Kilometer glatte zwei Minuten. Risikolose Tempomacher sind auch alle alten Rock'n'Roll-Titel, à la "Whole lotta shakin' going on" von Jerry Lee Lewis. Da bebt im Stadtpark die Eiche.
Für längere, etwas gemütlichere Dauerläufe sind die Dire Straits gut geeignet: "Twisting by the pool" und "Walk of life" beispielsweise. Da swingt das Hüftgelenk! Wer in der Marathonvorbereitung bei den langen 30-Kilometer-Läufen zu dem Schluss kommt, inzwischen sei jeder Gedanke schon gedacht, ist dankbar für solch lebensbejahende Lyrik. Und sogar für die obligatorischen Steigerungen gibt's etwas: das legendäre "Child in time" von Deep Purple. Die ersten Minuten langsam angehen und dann einfach auf Ritchie Blackmores Gitarre mitlaufen - der Gute macht ganz schön Beine!
Ach ja und für Nordic Walker hätte ich auch etwas: Wie wär's mit der "Unchained Melody" von den Righteous Brothers? Den Schmachtfetzen kriegen sie eventuell noch gebacken, ohne sich im Stöckchen zu verheddern.
Dies ist so ein Tag, an dem es nur einmal regnet. Und zwar von morgens bis abends. Die Brühe läuft in kleinen Bächen die Straße hinunter. Alles grau in grau. Und der Trainingsplan verkündet ungerührt zwölf Kilometer in ruhigen 70 Minuten. Der darf ja auch im schönen trockenen Zimmer bleiben. Der innere Schweinehund lacht schon triumphierend sein allerdreckigstes Lachen, siegesgewiss. Aber nicht mit mir, mein Freund!
Also Brustgurt um, rein in die Klamotten, zwei Shirts übereinander, dann die Laufjacke. Jene orangefarbene aus dem Versandhandel, der nebenbei noch Kaffee verkauft. Hat mir auch bei zehn Grad minus noch keinen Anlass zur Klage gegeben. Aber jetzt: Ich bin fertig, ziehe den Reissverschluss rauf. Klingt etwas komisch. Wieder runter - denkste. Der Reissverschluss geht nur noch in eine Richtung, nach oben. Der übliche Kniff, leicht nach oben ziehen und dann wieder runter, funktioniert nicht. Schließlich ist die Jacke zu bis oben hin und nichts geht mehr. Und das passiert ausgerechnet mir, der immer Frischluft um den Adamsapfel braucht.
Die verständnisvollste Ehefrau der Welt bleibt gelassen: "Jetzt geh erstmal laufen, das kriegen wir nachher schon wieder hin." Also denn, zwölf Kilometer durch unbeirrbar vor sich hin rieselnden Bindfadenregen. Am Ende bin ich pitschnass, aber glücklich. Ein Gefühl, das meine Laufjacke erfolgreich sabotiert. Mit aller Kraft zerren wir am Reissverschluss, die hilfsbereiteste Ehefrau der Welt und ich. Wieder nichts, keinen Millimeter bewegt sich das Ding. Aber was wäre ein Mann ohne seine Werkzeugkiste? "Wir brauchen mehr Kraft, mit den Fingerspitzen klappt das nicht, wir brauchen eine Zange."
Stimmt, mit der Zange hatte ich entschieden mehr Kraft - doch mit dem Ergebnis, dass die Zuglasche des Reissverschlusses sich sofort vom Rest des Reissverschlusses verabschiedete. Und ich war immer noch dicht bis zur Halskrause. Jacke über den Kopf ausziehen? Keine Chance. Ich fange an zu frieren und will unter die Dusche. Ich sehe mich schon mit Jacke und Laufklamotten unter der Brause stehen. Und dann? Mit dem ganzen Zeug heute Abend ins Bett? Jetzt muss nur noch einer die Ärmel hinten zusammenbinden und schon ist sie fertig, die Zwangsjacke.
Aber die beste Ehefrau der Welt hat noch ein Trumpf in petto: die Schere. Gefährlich nahe an der Halsschlagader. Den Gedanken an die Lebensversicherung verdränge ich. Und siehe da: Ein kurzer Schnitt von oben nach unten, ein kurzer Schnitt quer, ein energisches Auseinander reißen der beiden Jackenhälften - das hat meine Frau zum letzten mal vor 15 Jahren gemacht, aber in einem anderen Zusammenhang - und schon bin ich befreit.
Wo gibt es günstige, winddichte Laufjacken, am besten mit Klettverschluss?

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