23 Juni 2010 02:00
Eigentlich wollte Carla nur noch mal ihre neue Trainingssoftware testen. Dann spielte die Technik ihr einen Streich. Wie aus einem lockeren Trainingslauf fast ein neuer Halbmarathon-Weltrekord wurde.
Samstagmorgen, ich habe ausgeschlafen, rechtzeitig gefrühstückt, die Sonne scheint. Beste Voraussetzungen für ein nettes, flottes Trainingsläufchen. Heute nehme ich mir den Teil des Trainingsplans vor, der für mich am unangenehmsten ist: Dauerlauf mit kleinen, schnellen Abschnitten (Betonung auf kleinen).
Ich schnalle das iPhone im Armgurt fest. Neulich habe ich ein kleines, hoffentlich nützliches Programm für mein Statussymbol heruntergeladen: Der "Runkeeper" soll mein Training analysieren. Mit GPS und allem Pipapo. Mir ist zwar ganz schön unangenehm, in meinem Schneckentempo mit Hightech-Ausrüstung unterwegs zu sein. Aber vielleicht lenkt das Ding wenigstens von meinem Outfit ab, das farblich so gar nicht aufeinander abgestimmt ist: Überpronierer-Schuhe in meiner Größe gibt es anscheinend nur in unzumutbar grellen Farbkombinationen.
Vorm Haus zeigt mir das Handy an, dass der GPS-Empfang schwach ist. Aber "schwach", denke ich, heißt ja: zumindest vorhanden. Ich drück "Start" und los geht’s auf der bewährten Strecke Richtung Lietzensee. Idylle mit Schwänen, rosenüberrankten Wegen, die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser. Die Mini-Schnellabschnitte, die mein Trainingsplan vorsieht, renne ich fast gerne, so sehr euphorisiert mich die Schönheit der Natur. Nun, es sind nur viermal 50 bis 100 Meter, aber besser als nichts.
Heute tue ich alles fürs Tempo, ich ignoriere jede rote Ampel, stürze mich todesmutig über die Straßen und spurte auch an den größten unangeleinten Hunden vorbei, ohne langsamer zu werden. Mehr geht aber auch nicht, "schnell" war noch nie mein Ding. Kürzlich, bei meinem ersten Samstagslauf mit Klemmbrett-Karraß, hieß es nach einem sehr angenehmen Walddauerlauf plötzlich: "Staffellauf". Da fühlte ich mich schlagartig in finsterste Schulzeiten zurückversetzt. Wie hab ich es gehasst: Trainieren für die Bundesjugendspiele. Stets bin ich als eine der letzten ins Team gewählt worden, weil ich einfach jede Mannschaft reingerissen habe. Dann lieber lang und langsam.
Heute komme ich jedenfalls guter Dinge wieder zuhause an. Und was lese ich, als ich per Stopp-Taste das Trainingsprogramm beende? 17,92 km bin ich gelaufen, in 52,14 Minuten! So steht es auf dem Handy-Display. Da fehlt nicht mehr viel zum Halbmarathon-Weltrekord. Nennt mich Haile! Nun ja, Messfehler haben schon öfter Sportgeschichte geschrieben.
Denn was da mit der Wunder-GPS-Technik schiefgelaufen ist, merke ich später. Mit Geodreieck und Stadtplan setze ich mich an den Küchentisch und messe ganz altmodisch mein Laufpensum nach. Selbst großzügig gerechnet komme ich auf höchstens acht km Strecke. Ich fahre den Computer hoch, mal sehen, welches Ergebnis die Software ausspuckt.
Siehe da, es wird noch beeindruckender: Laut "Runkeeper" und "Google Maps" habe ich die ersten 10 km quasi in Lichtgeschwindigkeit zurückgelegt. Meinen Startpunkt haben die Bits&Bytes nämlich irgendwo zwischen Mariendorf und Britz berechnet. Ganz am anderen Ende der Stadt.
Locker Laufen im wilden Westen

|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.