22 Juni 2010 02:00
Das kommt davon: Leser Michael musste unbedingt Angeberwein trinken – und brach sich betrunken die Knochen. Wie er kurze Zeit später trotzdem einen Marathon schaffte, erzählt er auf Achim-Achilles.de.
Lieber Herr Achilles,
nachdem ich vor zwei Jahren erstmals einen Marathon gelaufen bin und dabei im Wesentlichen dieselben Erfahrungen machte wie Sie (allerdings abgemildert durch angeborene Faulheit), hatte ich im vorigen Jahr beim zweiten Marathon ziemlich viel Spaß.
Meine Frau und ich hatten uns rechtzeitig (Frühbucher-Rabatt) zum Düsseldorf-Marathon angemeldet und im Januar brav mit dem Training begonnen. Anfang Februar, kurz bevor es an die langen Läufe gehen sollte, lud allerdings ein Freund zur Weinverkostung im kleinen Kreis: drei Flaschen Rotwein, verteilt auf drei Mann. Jedesmal wenn der Durst kam, schoben wir schnell ein Glas Pils dazwischen.
Jedenfalls konnte ich am Morgen nach jener denkwürdigen Weinprobe nicht über Nachdurst klagen. Vielmehr hatte der 1991er Chateau Lafite Rothschild einen Trümmerbruch der linken Clavicula (vulgo Schlüsselbein) zur Folge. Der Chateau Petrus führte zu einer Fraktur der neunten und zehnten Rippe links. Denn an jenem Abend musste ich ja unbedingt mit dem Fahrrad nach Hause fahren!
Damit schien der Marathon erst mal gelaufen. Erst nach ungefähr vier Wochen traute ich mich – eng geschnürt in einen so genannten Schulter-Halfterverband – auf die übliche 10-km-Runde am Sonntag. Längere Läufe wurden nicht absolviert.
Dennoch stach mich der Hafer, als ich beobachtete, wie auf der Marathonstrecke Kilometermarken und Ideallinie aufgemalt wurden. Außerdem waren wir ja ohnedies angemeldet und so konnten wir doch immerhin unseren Spaß haben: Nachdem meine Frau acht Tage vor dem Lauf (heimlich) die Halbmarathonstrecke gelaufen war und ich vier Tage vor dem Lauf in der Mittagspause ausprobiert hatte, ob ich noch 14 Kilometer schaffte, stand unser Plan fest: Wir würden uns am Start aufstellen (in Düsseldorf wird dabei stets der erste Satz von Schumanns Sinfonie Nr. 3, Es-Dur, op. 97 die „Rheinische“ gespielt), loslaufen und irgendwann bei Kilometer 21 aufgeben. Den richtigen Marathon könnten wir dann ja einige Wochen später in Duisburg absolvieren.
Allerdings kam es anders: Weder nach 21 Kilometern noch nach 29 war uns nach Aufhören zumute, wir liefen einfach weiter. Bis etwa Kilometer 34 liefen wir gemeinsam, unterhielten uns locker (und zogen dabei wahrscheinlich den ewigen Hass etlicher Mitläufer auf uns). Anschließend ließ ich es etwas ruhiger angehen, meine Frau nahm mir etwa zehn Minuten ab, und ich erreichte das Ziel nach 5:08:11 Stunden – zehn Minuten später als im Vorjahr.
Vielleicht sind diese ganzen Trainingspläne nur ein Ausdruck einer geheimen, uneingestandenen Sehnsucht, andere Menschen zu demütigen und zu quälen.
Mit besten Grüßen, Michael
Training zwischen Bierbrüsten und Schlabberschenkeln

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