14 April 2011 00:00
Sportuhr, Brustgurt, Sensor - für den ambitionierten Läufer geht auf der Strecke nichts ohne Batteriebetrieb. Schwierig wird das Ganze nur, wenn den Gerätschaften auf der Strecke der Saft ausgeht, stellt Achilles-Leser Michael Klein fest.
Wer regelmäßig läuft und auch noch ambitioniert ist, dass er an Volksläufen oder gar Wettkämpfen teilnimmt, der braucht eine Sportuhr. Am besten so eine mit Brustgurt, die auch die Herzfrequenz misst. Wer es noch genauer wissen möchte, läuft zusätzlich mit einem Sensor, der die Laufgeschwindigkeit und die Kilometer anzeigt, die zurückgelegt wurden. Soweit, so gut.
So laufe ich denn meine Einheiten herunter. Eines Tages zeigt die Anzeige im Display der Sportuhr an, dass ich mich gerade mit "Puls 220" warmlaufe. Auch meine gewohnte Trainingsstrecke hat sich auf einmal auf ein Zehntel verkürzt. Es ist also soweit. Eine Batterie muss ersetzt werden.
Aber welche von den dreien "hat fertig"? Eine Anzeige über den Batteriestand ist bei soviel Hightech nicht vorgesehen. Also muss Nachdenken helfen. Den monatlichen Batteriewechsel für den Sensor habe ich erst vorgestern durchgeführt. Die kann es also nicht sein. Jetzt wird es spannend, denn es sind noch zwei deutlich leistungsstärkere Batterien im Spiel: eine im Brustgurt und eine weitere in der Uhr. Welche von den beiden hat Schwächen? Die 50:50 Situation ist da, und Günther Jauch würde mir sagen: "Sie können ja noch das Publikum fragen". Die Uhr muss mehr arbeiten und viel speichern, denke ich als technischer Laie, und entscheide mich für den Batteriewechsel in der Uhr.
Gesagt, getan - verloren. Dem freundlichen "Hallo", mit dem mich das Display noch eben begrüßte, folgt die ernüchternde Feststellung, dass alle bisher mit viel Schweiß erarbeiteten Daten verschwunden sind. Super, als hätte man einen Datengeist, der in der Uhr alles mitschreibt, plötzlich mit all seinen Akten rausgeschmissen.
Mein Ärger legt sich aber, weil ich mir sicher bin, dass für die nächsten Jahre nichts mehr passieren kann. Dann beginnt eben genau jetzt ein neues Leben. Doch schon beim Anlegen der gesamten batteriebetriebenen Brust-Sensor-Uhr-Kombination für den nächsten Lauf, geht nichts mehr. Nicht einmal mehr "Puls 220". Es ist also der verdammte Brustgurt. Also wird der Gurt für die anstehende Operation auf den Bauch gelegt. Die Verschlusskappe für die Batterie zeigt einen Schlitz. Ganz easy, da muss man nur mit einer Münze eine leichte Drehbewegung ausführen, und schon hat man die Batterie.
Aber der Schweiß der vielen Stunden anstrengenden Laufens hat den Drehverschluss und das Gewinde untrennbar zusammengeführt und eins werden lassen. Jeder Versuch, den Deckel zu bewegen, scheitert. Schließlich werden als Drehwerkzeug Münzen verschiedener Größen und Währungen, kleine und große Schraubenzieher, metallene Kanten und alles, was schlitztauglich ist, eingesetzt. Doch nichts von alldem besteht den handwerklichen Tauglichkeitstest. Der Deckel bleibt zu.
Wir haben das Schnittbrot erfunden, klonen Schweine und können auf den Mars fliegen, aber so einen Schlitz können wir nicht drehen. Also alles noch einmal – diesmal aber mit Gewalt. Am Ende ist der Schlitz kreisrund und die Batterie schimmert ein wenig durch. Na, klasse.
Der Verkäufer im Fachgeschäft kann mir zwar eine neue Kappe mit Dichtungsring verkaufen, aber die alte vermag er nicht zu öffnen. Er unternimmt nicht einmal einen Versuch. "Das ist Ihr Problem", sagt er mir für meine Begriffe ein bisschen zu oft. Früher gab es dafür eins auf den Deckel. So ändern sich die Zeiten.Weitere Nachforschungen im Kreise leidgeprüfter Läufer ergeben, dass Silikonöl der letzte Rettungsanker sei. Gesagt, getan. Nach eintägiger Einwirkungszeit des Öls soll die inzwischen halb gedrehte Kappe noch einmal geschlossen werden, um sie dann mit einem kurzen Ruck aus der Position "close" nach "open" zu drehen. Es stimmt - nur nicht der zweite Teil. Jetzt war sie endgültig zu.
Am Ende war es der bestens ausgestattete Werkzeugkeller eines Freundes, der das Problem mit Hilfe einer Sägeringzange löste. Seitdem laufe ich mit Silikonöl im Gewinde des Brustgurtes und mache regelmäßig Drehbewegungen an der Kappe. Wenigstens weiß ich jetzt, wie es zum dem Spruch kam: "Der hat 'ne Kappe am Kreisen."

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