22 Juni 2010 02:00
Der Strongmanrun ist nichts für Weicheier. Wer sich der Herausforderung stellt, sollte Biss haben. Längst nicht alle schaffen es ins Ziel. Ein Frontbericht von Achilles-Leser Phillip Linke.
Der 3. Fisherman's-Friend-Strongmanrun: 6000 Verrückte am Start – und ich mitten drin. Für diesen Wettkampf ist es nicht notwendig, nicht ganz richtig im Kopf zu sein. Eine große Hilfe ist es trotzdem. Spätestens nach Schlager-Schnulzen mit Stroboskoplicht und Nebel aus der Maschine, war jedem der Teilnehmer klar, worauf er sich eingelassen hat.
Von den 5925 gestarteten Läufern erreichten nach offiziellen Angaben 4624 das Ziel, 1301 Läufer blieben auf der Strecke. Ich mache niemandem Vorschriften, was man tun und lassen sollte, aber wer sich zu diesem Event anmeldet, sollte zwei Dinge bedenken:
1. Man muss einige Male aus 1,5 bis 2 Meter Höhe auf harten Untergrund springen. Bei einigen führte das zu Knochenbrüchen.
2. Die Strecke ist 18 Kilometer lang, und weite Teile führen durch Schlamm und Sand. Jeder, der mit dem Gedanken spielt im nächsten Jahr mitzulaufen, sollte vorher wenigstens einen Halbmarathon gefinisht haben.
Erster Kilometer: Wald, schlammiger Untergrund, das Teilnehmerfeld staut sich ständig, es ist schwierig, seinen Rhythmus zu finden. Nach dem ersten Hindernis lichtet sich das Feld. Wieder Wald, die Musik dröhnt durch das Geäst. Es geht zurück Richtung Start-Ziel. Noch zwei Hindernisse, dann ab durch den Zuschauerpulk. Der Applaus tut gut.
Hindernis Spinnennetz: Konzentration ist gefordert. Danach Kriechen, über Altreifen steigen und weiter. Durch eine schiefe Bahn und ab in die Kiesgrube. Fünf Kilometer sind geschafft. Nun geht es durch Matsch und Sand. Wasser staut sich in meinen Schuhen, die Füße frieren. Ich spüre jedes einzelne Sandkorn. Ich erinnere mich, wie sehr ich das Laufen auf Sand hasse.
Es geht raus aus der Sandgrube und zurück auf Waldboden. Als ich mich an den neuen Untergrund gewöhnt habe, wartet schon das nächste Baggerloch. Ich stürze mich in die Fluten und fange an zu schwimmen – es ist eiskalt. Zwei Züge, mehr halte ich nicht aus. Ich beschließe, lieber wie all die Anderen am Ufer entlang zu waten. Ich denke: "Stark sein: ja, lebensmüde: nein."
Die Füße schmerzen bei jedem Schritt, die Oberschenkel fühle ich nicht mehr. Zählt alles nicht, rauf auf den Schlammhügel. Ich komme kaum hoch. Abwärts geht es nur auf dem Hintern. Über meine Klamotten mache ich mir keine Sorgen, denn nach dem nächsten Wasserakt sind sie wieder sauber. Diesmal reicht das Wasser bis zur Hüfte. Das genügt, um sauber und leicht unterkühlt weiterzulaufen. Und noch einmal: rein und wieder raus aus der Kiesgrube.
Das letzte Hindernis steht an: Es geht über Strohballen Richtung Start. Die zweite Runde beginnt. Diesmal warten andere Hindernisse. Langsam wird das anstrengend. Leider gibt es vor der Runde keine Verpflegung mehr, und die Wege werden immer schlammiger und schlechter. Immerhin macht sich jetzt meine Kondition bemerkbar und ich überhole viele Läufer. Noch einmal raus aus der Kiesgrube, rauf auf den Flugplatz und ab durchs Ziel. Geschafft!
Erstmal was essen und trinken und dann raus aus den nassen Sachen. Leider habe ich vergessen, eine warme Jacke einzupacken. Zum Glück habe ich in der Sonne geparkt, und das Auto ist warm. Wärme! Endlich!
Das war ein toller Lauf und eine klasse Erfahrung. Wie es nächstes Jahr aussieht, weiß ich noch nicht.
Phillip Linke
Locker Laufen im wilden Westen

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