23 Juni 2010 02:00
Viele Läufer wechseln im Sommer zum Triathlon. Nach dem Motto: Wer beim Laufen nicht schneller wird, steigt eben ins Wasser und aufs Rad. Achim-Achilles-Leser Knut Knorpel ist so ein Fall.
Der Sommer naht, die Temperaturen steigen – Grund genug, zum Schwimmen in warme Kleidung zu schlüpfen. Jedenfalls dann, wenn man als ambitionierter Läufer sportliche Abwechslung sucht, das erste Mal für einen Triathlon trainiert und sich aufs Freiwasserschwimmen konzentriert. Denn erstens wird bei vielen Triathlons nicht im Freibad, sondern draußen (See, Meer, Teich, Tümpel) geschwommen. Und zweitens ist das dortige Nass auch im Hochsommer ganz schön frisch. Ohne eine geeignete Schwimm-Pelle geht da gar nix.
Neulinge kennen die schwarzen Pellen nur aus Surfer-Filmen oder Dokumentationen über Tiefseetaucher in der Arktis. Und nun soll man selbst so ein Ding öffentlich spazieren tragen, am hellichten Tag, ohne Surfbrett und ohne Sauerstoffflasche? Aber: Es funktioniert, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann.
Vor dem Sprung ins Wasser stand der Kauf der Renn-Pelle. Da es mir äußerst peinlich war, mich im einzigen Schwimmsportgeschäft meiner Heimatstadt probeweise durch diverse Neoprenhüllen zu quälen, verlegte ich meinen Kauf ins Internet. Nach ausgiebigem Vergleichen und dem intensiven Studium mehrerer Neopren-Foren erstand ich schließlich einen „Shorty“– also einen Neo mit kurzen Armen und kurzen Beinen (was indes keine Rückschlüsse auf den Träger solcher Teile erlaubt). Der Neo kam pünktlich per Post, bis zum ersten Triathlon blieb noch eine Woche.
Noch peinlicher als die Anprobe im Geschäft war mir allerdings das Probeschwimmen im neuen Sportgewand. Der Sommer hatte inzwischen seinen Zenit erreicht, und die Temperaturen lagen bereits am späten Vormittag bei knapp 30 Grad im Schatten. Angesichts dieser Wetteraussichten konnte und wollte ich beim besten Willen nicht im Freibad neopreniert von der Liegewiese zum Schwimmerbecken schreiten und dort im Blickfeld leicht bekleideter Bikini-Schönheiten meine Neopren-vermummten Runden drehen. Leider hatte das einzige Strandbad am einzigen Baggersee diesen Sommer wegen Renovierung geschlossen. Dort hätte ich zumindest nachts probeschwimmen können.
So blieb mir nichts anderes übrig, als mich zu Hause in die Pelle zu zwängen, in die Dusche zu steigen und unter laufendem Warmwasserstrahl mit den ersten Kraulübungen zu beginnen. Dass ich dabei diverse Duschbadflaschen, die Seifenschale und schließlich auch die Wandhalterung für den Duschkopf aus der Verankerung riss, war gerade noch zu ertragen. Viel schlimmer war der Blick meiner holden Gattin, die ihren Mann im ganzen Haus suchte und wild rudernd im Gummianzug unter der Brause fand. Ich brauchte viele, viele erklärende Worte, um den häuslichen Frieden wiederherzustellen.
Dann nahte der Tag des Wettkampfs. Ich fühlte mich trotz meiner damals noch unzureichenden Fahrrad-Ausrüstung prächtig. Motto: Besser angezogen im schlecht sitzenden Neoprenanzug als fast nackt in der peinlichen Badehose. Unter mehreren hundert anderen Triathlon-Begeisterten stand ich mitten im Ruhrgebiet in meiner Neo-Pelle am Startplatz neben dem Dortmund-Ems-Kanal.
Die Aufregung stieg, mein Blick irrte durch die Neo-Schar. Durchweg in Lang-Modelle gekleidete Modell-Athleten mit siegessicherem Blick vermittelten mir spontan den Eindruck, dass ich in meinem läppischen Kurzarm-/Kurzhosenteil niemals zu dieser elitären Sport-Oberschicht gehören würde. Glücklicherweise stand neben mir ein etwa gleichaltriger Mann namens Klaus. Der hatte nicht nur dasselbe Modell an wie ich. Er hatte es ebenfalls im Netz erstanden und es war für ihn sein erster Triathlon. Wir wurden uns rasch einig, gemeinsam Letzter zu werden und so die Bürde des anderen mitzutragen.
Training zwischen Bierbrüsten und Schlabberschenkeln

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