22 Juni 2010 02:00
Leser Uwe hat nicht viel mit New York am Hut, bis er im Fernsehen Bilder vom Marathon dort sieht. Ein Jahr später geht der Hobbyläufer im Big Apple selbst an den Start – und ist begeistert.
Jedes Jahr, wenn wir bei Udo Jürgens Konzerten in der Messehalle waren und er sang "Ich war noch niemals in New York", lief mir ein Schauer über den Rücken. Ich und New York? Nee, nicht denkbar. Das Lied von Udo ist schon schön – aber was sollte ich dort drüben? Nee, nee, es gibt so viele schöne Orte hier und in Europa, wo man Urlaub machen kann ... oder auch laufen.
Dann der 6. November 2005, 16:10 Uhr, Live-Übertragung des New-York-City-Marathons auf Eurosport. Es gewann Paul Tergat, mit dem ich schon in Berlin meinen ersten Marathon gelaufen bin (Marathon ist ja die einzige Sportart, bei der Topathleten und Hobbyläufer gemeinsam starten). Ich dachte mir: Naja, da könnte man auch mal laufen, das wär toll. Einmal im Leben im Central Park die Finish-Line passieren. Nach der TV-Übertragung machte ich die Voranmeldung.
6. Dezember 2005, Nikolaustag, ich habe eine E-Mail im Postfach (fast wie im Stiefel): "Sie können dabei sein..." Meine Frau zeigt mir den Vogel. Dann heißt es: Budget planen, trainieren, trainieren, trainieren. Vor allem in den letzten zwölf Wochen vor dem Start. Zum Glück hatte ich Online-Coach Jens Karraß.
2. November 2006, Abflug in Frankfurt. Nach neun Stunden Flug Eintauchen in "The city, that never sleeps": Manhatten, Central Park, Down Town, Times Square, Broadway, Empire State Building, Battery Park, Rockefeller Center, Trump Tower, Fifth Avenue mit Tiffany und allen anderen teuren Marken-Shops, Subway, Metropolitan Opera und immer wieder Yellow Cabs.
Am Samstag vor dem Marathon dann ein erster Vorgeschmack: Ich starte beim Friendship Run, dem gemeinsamen Lauf der ausländischen Teilnehmer, gestartet von Paula Radcliff der Weltrekordlerin, vom UN-Gbäude quer durch Manhattan bis zum Central Park zum Frühstück. Meine "Mona" läuft mit mir – und hinterher wäre sie am liebsten auch beim Marathon dabei gewesen.
Der Höhepunkt am Sonntagvormittag: Um 5:30 Uhr in der Früh geht's los nach Staten Island. Der Lauf der Läufe startet mit der Musik von Frank Sinatra, "New York, New York"; gleich danach läuft "Born to run", da kriegste feuchte Guckerln bei. Gigantisch: In jedem Stadtteil jubeln uns vom Straßenrand die New Yorker zu, sogar meine "Mona" treffe ich zweimal an der Strecke (bei halb soviel Zuschauern in Berlin haben wir uns verfehlt).
Aber alles wurde auf den letzten 1000 Yards im Central Park noch getoppt: Die New Yorker waren total aus dem Häuschen und feierten jeden Läufer, als wär er der erste. Für eine persönliche Bestzeit hat es trotz des "giftigen" Höhenprofils auch noch gereicht: 4:09:07 Stunden. Und dann gab es die begehrteste Finisher-Medaille der Welt.
Am Montag hatte ich zwar einem klein wenig Muskelkater (die Vorbereitung mit JK Running hatte sich echt bezahlt gemacht), doch wir stürzten uns wieder in das Getümmel dieser Stadt mit ihrer ganzen Hektik, den verrückten Bauwerken, den riesigen Kaufhäusern, aber auch ganz ruhigen Orten wie dem Central Park in Midtown oder dem Battery Park im Süden. Zum Abschluß gönnten wir uns inmitten der Schönen und Reichen New Yorks in der Metropolitan Opera noch einen richtigen Kunstgenuß mit "Rigoletto". Dann ging es zurück nach Frankfurt, wo alles wieder etwas kleiner und etwas leiser ist.
Es waren sechs aufregende Tage, die ich nicht missen möchte in meinem Leben. Und das Schönste daran war, dass auch "Mona" mit dabei war – und zwar mindestens genauso begeistert wie ich. Wenn es einen Himmel für Läufer gibt, dann war ich dort!
New-York-City-Marathon
New York, Stadt der Läuferträume

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