23 Juni 2010 02:00
Ein Ironman ist kein Ponyhof – diese Erfahrung machte auch Achilles-Leser Sven, der sich in Frankfurt 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren und 42,2 km Laufen antat. Sein Rennbericht ist beeindruckend.
Es könnte alles so schön sein – ein paar Schwimmrunden im See, eine kleine Radausfahrt und abschließend ein kleiner Lauf. Aber es sollte ja wieder ein Ironman sein! Nach der erfolgreichen Anmeldung im Juli 2008 (!!!) war es nun wieder soweit. Der vierte Ironman stand auf dem Programm. Im Vorfeld konnte ich eigentlich optimal trainieren und die nötigen Rad- und Laufkilometer sammeln. Auch das Gewicht reduzierte sich von Monat zu Monat um lockere 12 Kilo ...
Nach den Vorbereitungswettkämpfen in Ferropolis und im Spreewald war ich eigentlich guter Dinge und hatte im Hinterkopf die folgenden Zeiten anvisiert: Schwimmen in 1:05 h, danach den Radpart mit einem 31er Schnitt unter 6 Stunden und den Marathon möglichst unter 5 Stunden. Macht eine realistische Endzeit von unter 13 Stunden. Soweit die Theorie ...
Als Hotelwunsch hat Vereinskamerad Steffen D. ein Hotel möglichst dicht am Römer vorgegeben von Freitag bis Montag. Da ich im letzten Jahr mit NH Hoteles in Hamburg gute Erfahrungen gemacht hatte buchte ich dann im Vorfeld via HRS drei Doppelzimmer zu einem wirklich günstigen Preis mit der Anmerkung Nichtraucher (MUSS), Ironmanteilnehmer und Radmitnahme aufs Zimmer.
Bereits im Vorfeld verschwand eine Buchung im Internet-Nirvana, was von mir nur durch meinen obligatorischen Check-Up-Anruf im Hotel aufgedeckt wurde.
Merke: Lasse Dir Deine Internetbuchung IMMER im Vorfeld nochmals telefonisch bestätigen.
Vor Ort hatte NH dann noch zwei Überraschungen parat: Der angekündigte Wellnessbereich stand wegen Bauarbeiten nicht zur Verfügung und leider konnten uns für die erste Nacht nur zwei Raucher-Zimmer angeboten werden. Der Umzug erfolgte dann am nächsten Tag, was kurzfristig zu Folge hatte, dass das gesamte Gepäck Richtung Fahrrad Check-In verschwunden war..., dann aber doch rechtzeitig wieder auftauchte.
Danke NH Hoteles für diese stressfreie Vorbereitung ;-)
Am Samstag war der Hauptpunkt dann die Fahrradabgabe am Langener Waldsee und ein lockeres Testen der Wasserqualität und –temperatur. Schon auf dem Hinweg konnte man sich den Stau für Sonntag vorstellen. Immerhin hatte Steffen aber nach seinem Spreewald-Erlebnis neue Mäntel (Conti GrandPrix 4000S) aufgezogen und auch der Speichenbruch soll wohl behoben worden sein. Trotzdem knackte sein Hinterrad unter Volllast verdächtig auf dem Weg zur Wechselzone...
Vor Ort wurde mir wieder mal bewusst, dass Ironman kein Breitensport ist bzw. auch nicht werden kann, da alleine die Investitionen in Material, Vorbereitung, Auto etc. das „normale“ Budget einer deutschen Durchschnittsfamilie deutlich übersteigen dürfte. Beim Anblick der meisten Boliden wurde mir klar, dass mein neues, gebrauchtes Canyon Speedmax 7.0 mit seinen 900 EUR nicht mal soviel gekostet hat wie ein einzelnes Laufrad (ZIPP, Citec Carbonscheibe etc.) der meisten Räder. Aber egal – live ist auf der Straße, oder so ähnlich. Nach erfolgtem Check-In bei 30 Grad im Schatten noch ein kleiner Sprung in den See zur Abkühlung. Offiziell gemessen: 24,5 Grad. Beim Eintauchen gefühlt: 26,5 Grad. Was sollte das mit Neo werden? Vielleicht sollte das Wasser aus dem Neo dann aus Energiespargründen gleich zum Aufgießen einer Fertigsuppe gebraucht werden? Aber egal. Gleiches Leid für alle und noch ein paar Stunden bis zum Start.
Welcher normale Mensch steht am Sonntag um 4.20 Uhr auf, um sich selbst zu quälen? Tipp zum heutigen Tag im Radio: Vermeiden sie körperliche Anstrengungen im Freien und trinken sie ausreichend, aha!? Es ist das Eingetreten, was ich am meisten befürchtet hatte: hochsommerliche Temperaturen, auf die man sich aufgrund der Witterungslage nicht vorbereiten konnte. Und ein Mensch mit 198 cm und über 100 Kilo braucht nun mal mehr Kühlung als jemand mit 172 cm und 68 Kilo...
Taxiabfahrt um 5 Uhr mit Steffen und noch schnell den Rest der Weltraumjogger-Crew mit Golo und Petra eingesammelt. Danach fluchte der Taxifahrer auf dem Weg häufiger und wir stellten uns brav im Stau Richtung Waldsee an. Lagen aber immer noch gut in der Zeit. Auch die Vorstartnervosität konnte so im Zaum gehalten werden und so ging es gegen 6.40 Uhr ab Richtung See, nicht ohne hier schon das erste Wasser zu sich zu nehmen.
Dann das Erlebnis See mit Neo: So muss sich ein Hühnchen fühlen das langsam gegart wird. Allerdings ist es dann meist allein im Topf und nicht zusammen mit 2.300 weiteren aufgeregten Hühnern. Immerhin stimmten die roten Badekappen, die meist als fließender Übergang der Gesichtsfarbe zu sehen waren. Auf meine Frage nach anwesenden Brustschwimmern weiter vorne wurde herzhaft gelacht. Nur zwei Aktive direkt hinter mir outeten sich leise als Brustschwimmer.
Zum besseren Vergleich für alle, die es noch nicht erlebt haben: Stellen Sie sich eine 2,5 m breite Schwimmbahn vor mit 20 mehr oder weniger gleichstarken Schwimmern, die alle auf ein Zeichen (hier Startschuss) den Kopf ausschalten und gnadenlos im Kraulstil losschwimmen. Eine Massenprügelei ist dagegen ein Kindergeburtstag!!! Alles was ich im Training habe üben lassen ist dagegen harmlos.
Punkt 7.00 Uhr – Startschuss!!! The Race is on. Jetzt versuchen unbeschadet die ersten Kilometer zu überleben und den eigenen Rhythmus zu finden. Hm, das Feld zieht sich erstaunlich schnell auseinander und auch die Richtung stimmt auf Runde 1. Langsam geht die Sonne auf und erwärmt den Neo zusätzlich. Es wird noch wärmer... Die erste Runde ist absolviert und es geht weiter nach einem kurzen Landgang auf den nächsten Kurs, der etwas kürzer sein soll. Die Orientierung klappt immer noch erstaunlich gut. Dann geht es auf die letzte Bahn Richtung Schwimmausstieg. Ich orientiere mich an meinen Nebenleuten und an der großen Boje die etwas weiter hinten zu erkennen ist. Dank Schwarmintelligenz steuern wir scheinbar alle auf diese Boje zu und erkennen leider erst zu spät, das es sich um eine Werbeboje an Land handelt... Kurz geflucht und den richtigen Weg aus der warmen Brühe gesucht. Langsam müsste ich eigentlich auch gar sein. Nach 1:03:32 h erreiche ich das Ufer und habe leichte Kopfschmerzen. Eigentlich hätte man heute auf den Neo verzichten müssen!!! Aber egal, die erste Disziplin ist absolviert und weiter geht es Richtung Rad. Im Wechselzelt nochmals eincremen lassen und dann ab auf die Radrunde.
So, jetzt wird es langsam ernst. Auf geht es auf breiten Bundesstraße Richtung Frankfurt. Es läuft leicht bergab und erstaunlich locker Richtung Mainkai. Die ersten 13 KM lege ich mit einem lockeren 33,5er Schnitt zurück ohne dabei den Puls zu hoch zu treiben. Jetzt geht es auf die eigentlich Radrunde und es läuft erstaunlich rund. Also weiter trinken, PowerGels nachschütten, zwischendurch einen Powerbar Cola hinterher und immer weiter trinken, trinken, trinken. Langsam wird es richtig heiß auf der Radstrecke. An den Anstiegen merkt man die Hitze dank des fehlenden Fahrtwindes besonders schön. Für mich als leichten Kletterspezialisten natürlich eine einfache Übung..., sprich – am Berg werde ich massiv von anderen Leichtgewichten überholten. Aber Gott sei Dank folgen auf der anderen Seite meist auch Abfahrten und Masse läuft!!! Also auf bis zu 75 Km/h beschleunigen und wieder Boden gut machen. Bei KM 68 dann die erste Verwunderung. Der SIGMA-Tacho funktioniert nicht mehr??? Später stelle ich fest, dass der Magnet aus der Halterung an der Speiche herauskatapultiert worden ist. Ohne Magnet, keine Tachoanzeige. Aber der zweite Tacho am Pulsmesser läuft ja noch weiter.
Auch der Heartbreak Hill in Bad Vilbel wird locker genommen und danach geht es die nächsten 12 KM Richtung Frankfurt locker mit Tempo 50 weiter. In Frankfurt ist die erste Runde absolviert. Der Schnitt liegt bei 32,3. Puls bei 141. Alles im grünen Bereich. Auf geht´s in Runde 2.
Beeindruckend auf dieser ersten Runde sind für mich als Ausrichter auch die Absperrmaßnahmen. An jedem noch so kleinen Feldweg steht eine Absperrbarke inklusive Helfer. Sehr skurril sind auch teilweise die Ortsdurchfahrten mit Sektfrühstück und Schnittchen direkt an der Radstrecke. Darauf eine Kapsel SaltStick und ein Powergel ;-)
Bei KM 105 überholt mich mein Brandenburger Präsidentenkollege Jörg Piazena, den ich viel weiter vorne erwartet habe, nach einem kurzen Plausch zieht er dann auch davon und wir wünschen uns alles Gute für die nächsten Kilometer. An den Bergen pushen einen die Zuschauer weiter. Allerdings gibt es hier auch teilweise schlimme Stürze, weil z.B. eine Trinkflasche übersehen wird oder einige doch etwas zu dicht auffahren und das Hinterrad des Vordermannes touchieren.
Weiter treten, sauber fahren! Dann auf ein einmal wie aus heiterem Himmel geht nach 130 KM nichts mehr... Flasche leer, Übelkeit, kein Druck. Was ist denn jetzt los??? Ich komme auf einmal den kleinsten Berg nicht mehr hoch. Kurz darauf: absteigen, hinlegen, übergeben. Sch... das war´s dann wohl. Erst mal zwei Flasche Wasser über den Kopf kippen und weiter bis zur nächsten Verpflegungsstation kämpfen. Jede Oma mit Einkaufskörbchen beim Samstagsshopping ist jetzt schneller als ich. Tempo 20 bis max. 25 im Oberlenkergriff. Nichts geht mehr. An der nächsten Verpflegungsstelle noch mal zwei Flaschen Wasser über den Kopf kippen und Cola pur in den Magen. Der Helfer fragt mich besorgt, ob er mich anschieben soll. Ich lehne dankend ab. Bei KM 150 melde sich mein Magen erneut. Wieder anhalten, Wasser über den Kopf, leise fluchen und Cola hinterher... Unterwegs fallen mir jetzt etliche Sanitätseinsätze auf, wo die Beine von Athleten hochgelagert werden. Die Hitze fordert von allen ihren Tribut.
OK, jetzt locker weiter und die Radrunde irgendwie beenden, danach ist dann Ende. Dieser Ironman ist dann wohl für mich gelaufen und hinter meinem Namen erscheint in der Ergebnisliste ein DNF (Did Not Finish). Dafür kann ich mich dann hinlegen und meinen Magen zur Ruhe kommen lassen. Zum Abschluss noch sauber ein zweites Mal über den Heartbreak Hill und dann ausrollen Richtung Ziel. Oben angekommen zeigen Cola und Wasser dann langsam Wirkung. Der Magen beruhigt sich und auch der Raddruck kommt langsam wieder zurück. Na mal schauen wie´s weitergeht. .. Die letzten Meter Richtung Frankfurt rollen jetzt wieder erstaunlich locker. Autofahrer möchte ich heute bei der Hitze auch nicht sein. Wie beim Berlin-Marathon nutzen scheinbar auch hier viele Menschen keine Medien. Wie sonst würden sich die kilometerlangen Staus Richtung Innenstadt erklären lassen? Jetzt rollt es auch für mich wieder etwas besser. Also gut, erst mal das Radfahren beenden und ab in´s Wechselzelt. Ich beende die zweite Radrunde mit einem sauberen Sonntags-Radtour-Einkaufsschnitt von 24,4, was insgesamt eine Zeit von 6:23 h und einen Gesamtschnitt von 28,2 ergibt. Die Gesamtwettkampfzeit liegt jetzt bei 7:30 h. Bleibt also noch etwas Zeit zum Finishen ...
Race Day – Run
Runter vom Rad und rein ins Wechselzelt. Dort erst mal die Radklamotten ausziehen und die Laufsachen rausholen mit Unterstützung von einem der vielen superfreundlichen und engagierten, freiwilligen Helfer. (An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an alle ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer!) OK, dann mal die Laufhose und Kompressionsstrümpfe (nicht sexy, aber doch sehr wirkungsvoll!!!) angezogen. Soll ich mich wirklich auf den Weg machen? „Hey, Du hast noch knapp 9 Stunden Zeit bis zum Zielschluss! Das sollte doch machbar sein!? Und so schlecht siehst Du noch gar nicht aus!“ An der Stelle wurde mir wieder bewusst, das nirgends so viel gelogen wird wie bei einem Ironman...;-) OK, also raus auf das viel zu warme Mainufer und den abschließenden kleinen Marathon in Angriff genommen. Lockere vier Runden á 10,5 KM und ein kleiner Zielspurt.
Die ersten Kilometer laufen erstaunlich gut. Von meinem eigentlich Ziel Sub 5 habe ich mich aber jetzt schon verabschiedet. Neue Zielsetzung: Finishen bei Tageslicht! Runde 1 verläuft noch entspannt, alle 1,5 KM Eiswürfel und das Basecap und alles was an Flüssigkeit reingeht hinterherkippen inklusive Powergel bei jedem vierten Verpflegungsstand. Am Ende jeder Runde gibt es das ersehnte Rundenband. Erst orange, dann grün und gelb und abschließend das ersehnt weiße Band, das zum Zieleinlauf berechtigt. In Runde 2 verfluche ich langsam alle, die schon mit gelbem Band an mir vorbeilaufen. Irgendwie wird es aber auch nicht kühler auf der Laufstrecke. Dafür werde ich langsamer. Wo ist eigentlich unser Fanclub abgeblieben? Da, in der zweiten Runde sehe ich sie. Kurzes Zwischendoping mit einem Kuss von meiner Freundin. Das muss Liebe sein, einen verschwitzten Athleten nach knapp 200 Wettkampfkilometern zu küssen. Dafür läuft es danach wieder besser. Steffen soll kurz vor mir sein!? Aber mit einer Runde weniger. Auf geht´s vielleicht können wir ja ein Stück zusammen laufen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. In Runde 3 sehe ich ihn dann endlich. Allerdings mit ca. 2 KM Vorsprung. Den kann ich zwar noch etwas verkürzen, aber erreiche ihn nicht mehr. Dafür wird es auf der Laufstrecke etwas leerer, dafür gibt es jetzt mehr Fußgänger die in bester Nordic-Walker-Manier zu dritt nebeneinander auf der Laufstrecke spazieren. Auch ein Läufer wird von drei Personen spazierend begleitet und man darf drum herum laufen. Hier wäre eine Gelbe Karte durchaus gerechtfertigt. Egal, jetzt wird nur noch um jeden Meter gekämpft. Noch eine Runde und dann ist es geschafft. Soll ich hier heute wirklich noch ins Ziel laufen!?
Wettkampzeit ist jetzt bei 12 Stunden. OK, eine Runde noch. Jetzt verabschieden sich die Helfer an den Verpflegungsstellen und gratulieren schon mal zum Finish. Noch 9 KM... Jetzt kommt mir die Relativitätstheorie wieder in den Kopf. Man hat unterwegs viel Zeit zum Nachdenken... Nicht nur Zeit ist relativ, auch Distanzen!!! So entsprechen die finalen Kilometer bei einem Ironman ungefähr 1,7 KM bei einem Marathon und 900 Meter bei einem normalen Trainingslauf, was die letzten 9 KM zu gefühlten 15,3 KM werden lässt. Ich nenne das Mal die Alex´sche Relativitätstheorie. Diese lässt sich noch durch weitere Faktoren erweitern, wie z.B. eigene Leistungsfähigkeit zur Leistungsfähigkeit des direkten Gegners auf den letzten Metern. Alles klar!? Ab hier wird der Verstand langsam etwas wirr, aber es hilft über die letzen Meter! Da endlich, das letzte weiße Band. Nur noch 2,5 KM und eine Brücke trennen mich vom Zieleinlauf jetzt macht langsam mein linker Oberschenkel dicht... Bitte keinen Krampf mehr. Brücke runter noch 1,5 KM, da ist das ersehnte Schild: Rechts Richtung Ziel! Jetzt nur noch genießen, ich setze die Sonnenbrille ab, um alles genau zu sehen und biege auf den roten Teppich Richtung Ziel ein. Die letzten 13:30 Stunden sind vergessen. Ich genieße die letzten Meter wie im Rausch.
Heutzutage kann man sich mit Geld fast alles kaufen, aber kein Finish bei einem Ironman!!!
Das hat sich jeder der über die Ziellinie läuft selbst erarbeitet! Egal ob nach 7:59 h oder 17 h. Nach 13:33:31,3 h bleibt für mich die Uhr stehen. Das muss man so auch erst Mal hinbekommen. Golo, Petra und Steffen kämpfen noch auf der Strecke, werden aber auch Finishen. Jetzt erst Mal ab in den Athletes Garden und die überschüssigen Endorphine genießen!
Geschafft! Willkommen im Athletes Garden!
Im Ziel greift einen dann erst Mal ein „Catcher“ und es gibt anschließend der entsprechende Medaille. Noch schnell ein kurzes Finisher-Foto und dann weiter... Nach meinen Schilderungen geht es erst Mal Richtung Sanitätszelt. Bereitwillig lasse ich mir eine NaCl-Infusion verpassen. Danach geht es einem meist deutlich besser und auch der Muskelkater am nächsten Tag ist nicht so schlimm... Im Sanitätsbereich sieht es eher aus wie in einem Großkamfgebiet. Hunderte von Athleten liegen sauber aufgereiht auf Sanitätsliegen am Tropf unter ärztlicher Überwachung. Schwerstarbeit für die Sanitäter und Ärzte. Insgesamt müssen über 600 Athleten medizinisch betreut werden ...
Neben mir liegt ein Athlet der schon eine Infusion intus hat und jetzt langsam Richtung Massage möchte. Mit wackligen Beinen wird er von einem Catcher Richtung Massage geführt. Eine Minute später wird er von zwei Männern gestützt wieder zur Liege zurückgebracht und bekommt seine zweite Infusion... Nebenan wird ein Finisher gerade für den Transport Richtung Krankenhaus zur Überwachung fertiggemacht. „Ein Ironman ist kein Ponyhof“, würde jetzt mein Hamburger Kollege Helge sagen.
Nach einer Infusionsflasche geht es mir schon deutlich besser und ich hole meine Sachen. Golo kommt mir entgegen, der es auch geschafft hat und geht wie ein Eisenmann (frei nach nach „Gehen wie ein Ägypter!“) im besten Robotergang... Kurz dahinter taucht Petra auf, die nur zwei Minuten hinter Golo finisht. Und auch Steffen erkämpft sich sein Finish trotz Hinterrad-Defekt...
Jetzt Duschen, Massage, eine Kleinigkeit essen und dann gegen 23 Uhr endlich meine Freundin in die Arme schließen. Für Zuschauer ist so ein Tag meist genauso anstrengend wie für die Athleten. Abschließend noch Rad und Klamotten abholen und dann ab Richtung Hotel in das viel zu weiche Hotelbett. Aber auch das ist nach so einem Tag völlig egal.
Rennsteiglauf: Wiedersehen macht Freude
Charlottes Weg zum Halbmarathon

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