23 Juni 2010 02:00
Tolle Aussicht: Achilles-Leserin Christa schwärmt vom Landschaftserlebnis Monschau-Marathon. Außerdem musste sie in der Eifel an zwei weltbekannte Comic-Helden denken.
Das Projekt begann vor mehr als zwei Jahren beim Karstadt-Marathon 2007. Auf der Marathonmesse gab es einen kleinen Stand mit Info-Material zum Monschau-Marathon. Beim Bier im Kreis der Familie einige Wochen später war die Idee geboren: Wir (meine Schwester, mein Sohn, mein Neffe und ich) laufen beim Monschau-Staffelmarathon im August 2007 mit.
Die Athmosphäre war so schön, dass ich mir damals fest vornahm, diesen Marathon zwei Jahre später ganz zu laufen. Gesagt, getan. Anfang diesen Jahres begann das Training. Das Übliche, lange Läufe und Intervalltraining, waren nicht das Problem. Wer schon einmal das Höhenprofil des Monschau-Marathon gesehen hat (750 HM), weiss, dass es sinnvoll ist, auch hin und wieder Bergläufe durchzuführen. Im Ruhrgebiet nicht so einfach. Aber zu irgendwas muß der Bergbau ja Nutze sein. Es gibt Halden in Hülle und Fülle, in der Nähe von Gladbeck, wo ich wohne, gleich zwei. Und die wurden erklommen, jede Woche. Zum Glück hatte ich sehr liebe Laufkolleginnen, die mir zur Seite standen.
Der krönende Abschluß des Trainings war dann der Monschau-Marathon am 9. August. Mein Laufpartner und ich fuhren am Samstag in Richtung Eifel. In Konzen, dem Start- und Zielort des Marathons, holten wir die Startunterlagen ab und schlenderten über den Dorfplatz. Von da aus gings nach Monschau, Kaffeetrinken (Apfelkuchen und Printensahne-Torte) und Bummeln durch den Ort. Die Nervosität stieg bei mir langsam an. Die Übernachtung konnte ich zumindest nicht als solche bezeichnen, weil ich sehr schlecht geschlafen hatte.
Morgens um 5:30 Uhr schellte der Wecker, wir wollten natürlich pünktlich zum Start um 8:00 Uhr erscheinen. Anziehen, Frühstück, Toilette – was man halt so tut an einem Marathon-Morgen. Auf der Fahrt von der Unterkunft nach Konzen stieg der Adrenalinpegel doch schon bedenklich an.
So ein "kleiner" Marathon hat doch etliche Vorteile. Der Parkplatz war circa 30 m von der Startlinie entfernt, alles ging sehr ruhig und familiär zu (die Walker waren schon zwei Stunden unterwegs), am Start waren circa 1100 Menschen und einige Hunde. Es gab noch einen kurzen Bericht über den Zustand der Strecke: "Ausgezeichnet, nur bei km 2 ist es etwas rutschig". Aha! Und dann gings los!
Die etwas rutschige Stelle bei km 2 entpuppte sich als sehr abschüssiger, schmaler Waldweg mit einigen herausragenden Steinplatten. Dort gab es auch den ersten und (zumindest für uns) einzigen Stau, weil Hinuntergehen sicherer war als Hinunterlaufen. Danach gings dann erstmal bergab, heißt Richtung Monschau. Wir liefen durch den schönen Ort, es gab sogar einige Zuschauer. Nach dem Ort ging es zunächst einige km durch den Wald, teils auf Waldwegen, teils auf asphaltierten Wirtschaftswegen. Bei km 10 war die erste Wechselstation für die Staffelteilnehmer und unser erstes persönliches Highlight: der private Fanclub. Zwei meiner Laufkolleginnen hatten sich früh morgens vom Ruhrgebiet auf den Weg gemacht, um uns anzufeuern. Eine tolle Überraschung, zumal das lautstarke Bejubeln wohl nicht zum Standardrepertoire der Eifeler Zuschauer gehört.
Zwischen km 12 und 14 kam wohl das schwierigste Stück der Strecke, ein steiler Anstieg. Nachdem dieser bewältigt war, gings (leider) weiter bergauf, das kostete Kraft. Kurz vor der Halbmarathon-Marke führte der Weg über die Eifelhöhen mit einer irrsinnigen Aussicht auf die umliegenden Berge. Allein diese Aussicht entschädigte für die ganzen Anstrengungen. An der Halbmarathon-Marke wartete wieder unser Jubel-Team und feuerte uns kräftig an. Die nächsten 10 km gingen wieder durch Felder und Wälder bis nach Kalterherberg, wo dann auch einige Zuschauer standen und natürlich unser "Fanclub".
Die letzten zwölf km führten dann abwechselnd über Wirtschaftswege und ein Stück über die Bundesstrasse, hier meldete sich dann mein Schweinehund: Nach 36 km noch Serpentinen auf der Bundesstrasse hochlaufen, das fand er nicht so toll! Doch nach eindringlichen Worten (und einer Gehpause) war auch das überstanden und es ging nun mit "Riesenschritten" Richtung Ziel. Bei km 41 war dann parallel zum Abstieg bei km 2 ein entsprechend steiler Anstieg, der noch überwunden werden musste – und dann war schon kurz danach der Kirchturm von Konzen zu sehen. Noch um die Kirche herum und das Ziel war erreicht. Hurra!
Ich bekam, wie jede Frau, beim Zieleinlauf eine Rose vom Vereinsvorsitzenden des TV Konzen, Herrn Schmitz überreicht, eine nette Geste. Rundum betrachtet, war es ein sehr schöner Lauf, die Verpflegung war hervorragend, ein Lob an die Initiative von vielen Privatleuten, auch außerhalb der offiziellen Stände eigene aufzubauen und zu betreuen. Es ist sicherlich kein Marathon, um Bestzeiten zu laufen, aber einer zum Genießen. Und das anschließende Fest auf dem Dorfplatz erinnerte doch ein wenig an die Schlußszenen bei Asterix und Obelix. Für mich sicherlich nicht das letzte Mal, das ich dort gelaufen bin.
Das schönste Ziel der Welt: Schmiedefeld

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