Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
22 Juni 2010 02:00
Achim-Achilles-Läufer Hanno lief in Kambodscha einen Halbmarathon. Er hat sich gequält, er hat gebissen – und es hat sich gelohnt: Nach dem Lauf gönnte er sich im Pool ein paar Biere. Vor dem Lauf allerdings auch.
Am 7. Dezember 2008 startete der Angkor Wat-Marathon (Kambodscha) zum 13. Mal und ich war zum dritten Mal dabei. Obwohl die Startgelder einem guten Zweck zukommen, zum Beispiel Opfern von Landminen, bin ich auch aus anderen Gründen dabei: Ich hatte vor drei Jahren mit dem Rauchen aufgehört und wurde rapide fett. Dies bewog mich nach Jahren der Abstinenz wieder mit dem Laufen anzufangen; genau dann sprach mich ein Freund an, ob ich denn nicht in Angkor mitlaufen wolle. Gesagt, getan. Sechs Wochen später war ich am Start. Die Vorbereitungszeit war natürlich viel zu kurz, aber irgendwie habe ich es dann doch geschafft, mich nach ziemlich genau zwei Stunden ins Ziel zu quälen.
Seitdem hat sich viel getan: Ich habe Achilles' Verse entdeckt und bin bei JKRunning eingestiegen. Ich ging also davon aus, dass ich dieses Mal wesentlich unter zwei Stunden bleibe und hoffte insgeheim, dass ich den Halbmarathon sogar in weniger als 1:50 Stunde schaffe.
Hoch motiviert nahmen meine Freunde Stefan und David sowie meine Frau Ha das Flugzeug von Saigon nach Siem Reap. Leider habe ich fürchterliche Flugangst und obwohl ich wusste dass es mir am nächsten Tag wehtun würde, trank ich so einige Biere. Entsprechend angeschlagen kam ich in Siem Reap an. Das gute daran war, dass ich nicht über Lampenfieber klagen konnte. Ich fiel ins Bett wie ein Stein und merkte nichts bis der Wecker um 5 Uhr am nächsten Morgen klingelte.
Das Hotel, in dem wir wohnten, hatte trotz der frühen Stunde etwas zum Essen bereit gestellt. Aber ich war doch mehr als nur ein bisschen verkatert und bekam nichts runter; meinen Kumpels ging es auch nicht besser. Nur Ha war gut drauf, allerdings musste sie ja auch nicht mitlaufen.
Nach einer kurzen Fahrt waren wir in Angkor Wat. Start und Ziel sind an einem prächtigen Tempel, der den Eingang zur gesamten Anlage bildet. Wir reihten uns unter die fast 500 Halbmarathonteilnehmer. Langsam wurde ich nervös, ich hatte allen gesagt dass ich eine persönliche Bestzeit laufen wolle, fühlte mich aber wirklich nicht danach. Glücklicherweise kam der Startschuss und es war Zeit loszulaufen.
David und Stefan liefen langsam los – viel zu langsam. Ich hatte mir vorgenommen, auch eher langsam zu starten, aber Adrenalin übernahm und ich lies die beiden schnell hinter mir. Der Anfang war etwas nervig, da es galt diverse Läufer in Kostümen zu überholen, auch waren wohl ein paar verkappte Läufer dabei. Anders ist nicht zu erklären dass es Gruppen gab, die die ganze Breite der Straße im Schleichschritt blockierten.
Egal, die verkleideten Horden waren bis zur ersten Wasserstation nach 2,5 Kilometern überholt, und dann fing das Laufen an Spaß zu machen. Jens Karraß hatte mir empfohlen, auf den ersten paar Kilometern den Rhythmus zu finden. Das klappte auch wunderbar, selbst die leichte Steigung nach vier Kilometern nahm ich kaum zur Kenntnis.
Angkor Wat muss eine der schönsten Halbmarathonstrecken der Welt sein. Wo sonst läuft man an solchen wunderschönen Tempeln vorbei? Sicher, es schauen vielleicht nur ein paar hundert Leute zu, aber dafür feuern diese einen um so lauter an. Und Unterstützung wurde für mich ab dem 14. Kilometer bitter nötig.
Kurz nachdem ich Ta Prohm passiert hatte, wurden die Beine sehr schwer. Ich hatte extra bis dahin nicht auf meine Uhr geschaut, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, sehr langsam zu sein, doch ich riskierte einen Blick: 5:10 Minuten Durchschnitt! Das war wesentlich besser als ich gehofft hatte. Gerade noch erwog ich ein bisschen zu gehen, aber jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt. Das hältst du durch!
An jeder Wasserstation nahm ich eine Flasche, um sie mir über die Beine zu gießen (ich schaffe es immer noch nicht, im laufen zu trinken ohne mich zu verschlucken). War vielleicht nur Psychologie, aber es schien zu helfen. Allerdings traute ich mich jetzt nicht mehr, auf die Kilometertafeln zu schauen – der Blick starr nach vorne gerichtet. An Angkor Thom vorbei, für mich der schönste Tempel, und dann kam auch schon Bayon. Hier wird es hart: Die letzten zwei Kilometer steigen leicht an und sind auch noch schnurgerade – mörderisch. Wie üblich zu diesem Zeitpunkt fragte ich mich, warum ich mir das antue. Bis ich Ha mit ihrem Fotoapparat sah. Geschafft! Und das Warum interessierte nicht mehr. Nur noch, dass ich meine Bestmarke geknackt hatte: 1:43:51 Stunden.
Kaputt, aber glücklich wurde dieser persönliche Erfolg mit einem Angkor-Bier gefeiert; selten hat ein Bier so gut geschmeckt. Auch David und Stefan kamen gut ins Ziel und wir hatten uns den Nachmittag am Swimmingpool, mit vielen weiteren Bierchen, redlich verdient.
P.S.: Blöderweise fragte mich am Nachmittag jemand, ob ich beim Phuket Marathon im Juni mitmachen wolle. Noch voll happy mit meinem Halbmarathon, habe ich spontan zugesagt. Jens und JKRunning sind gefordert.
Hanno

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