22 Juni 2010 02:00
Wer träumt nicht davon, mal ein Rennen zu gewinnen? Achim-Achilles-Leserin Heike hat es geschafft, beim Winterstraßenlauf in Bruchhausen. Nun ja, zumindest, wenn die Geschichte nicht einen klitzekleinen Haken hätte.
Am Nikolaustag einen Halbmarathon zu laufen, ist doch eine erfreuliche Herausforderung. Wenn ich bedenke, welche Strecke der Nikolaus an diesem Tag zurück legen muss. Das Wetter war zwar nicht gerade sehr einladend. Jedoch hat sich im Laufe meiner Läuferinnenkarriere die Einstellung zum Wetter sehr gewandelt. Regen, was soll's! Trübes, kühles Wetter? Kann mich doch nicht schrecken! Also fährt mich mein Mann nach Bruchhausen.
Es tröpfelt, das Tröpfeln wird zum Schauer, na ja, vorsichtshalber habe ich Laufsachen für Regenwetter eingepackt. Anmeldeformalitäten erledigt. Eine Tasse Tee getrunken. Regen. In der Umkleide ziehe ich also die Regensachen an. Und stelle fest, dass ich keinen Startnummerngurt dabei habe. Sicherheitsnadeln durch Regenmembran stechen, das geht nicht. Also doch wieder rein in die anderen Klamotten. Ich setze mir den Vorsatz, dass ich den Lauf nach 10 km abbreche, sollte es so regnen, dass mir kalt wird.
Ich reihe mich in den Startblock ein. Prima, der Regen hat aufgehört. Es geht los. Ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie schnell manche loslaufen können. Kaum ist das Nachhallen des Startschusses verklungen, sind sie schon an der ersten Kurve. Ich laufe, was meinen Puls betrifft, zu schnell los. Also drossele ich das Tempo, bin ja eh viel älter als die meisten und gönne ihnen großzügig das Gefühl, mich zu überholen.
Der Winterstraßenlauf ist ein schöner Lauf. Erst mal führt er durch die verschlafenen Straßen des Ortes. Die wenigen Autofahrer verhalten sich sehr rücksichtsvoll. Na gut, vielleicht bedauern sie uns ja. Der Asphalt ist ohne Schlaglöcher, Feuerwehrleute stehen an markanten Punkten, damit sich niemand verläuft. Dann eine Kurve, das Dröhnen der Autobahn nimmt zu, noch am Hühnerhof vorbei, am Eingang hängt Adventsschmuck. Dann eine Steigung, eine Brücke führt uns über die Autobahn.
Am Horizont ein heller Streifen. Der Regen hat aufgehört. Die Luft ist kühl und frisch. Ich laufe in konstantem Tempo eine Steigung hinauf, eine Brücke führt über die Autobahn, dann geht es hinab und zwischen den Koppeln des Pferdehofs hindurch. Schwere Bauernpferde mit dickem Fell stehen auf der Wiese und atmen dampfend, ein wunderbares Bild.
Am Waldrand steht ein Paar. Zwei Menschen die sich über uns Läufer freuen und unermüdlich Beifall spenden. Im Wald ist von dem kühlen Wind nichts mehr zu spüren. Ich streife Handschuhe und Schal ab. Meine Kappe hätte ich auch daheim lassen können. Große Pfützen an den Wegrändern. Einmal nicht aufgepasst, platsch, da versinkt einer meiner Schuhe in der Pfütze und der andere Fuß bekommt auch noch eine Dusche ab.
Die Wendemarke. Puh, schon ein Viertel der Strecke geschafft, und igitt, welch süßer Tee. Ich laufe ein gutes, gleichmäßiges Tempo. Meine Beine halten den Rhythmus, meine Atmung ist leicht und mein Kopf ist so frei und voll Freude. Raus aus dem Wald, der kühle Wind erfrischt.
Bald beginnt es zu dämmern. Die dröhnende Autobahn, dampfende Rösser. Ich umlaufe das letzte Mal die Wendemarke im Wald und kann immer noch das gleichmäßige Tempo halten. Jetzt ist es mir völlig egal, wie lange ich für die 21 Kilometer brauche. Den Rhythmus des Laufs zu fühlen, ist Gewinn genug.
Die Häuser des Ortes grüßen mit Lichterketten und Fensterbeleuchtung. Jetzt noch die Durchgangsstraße überqueren. Danke Feuerwehrleute, dass ihr solange ausgehalten habt, um diese Straße für uns zu sichern. Jetzt muss es doch gleich in die Seitenstraße gehen? Doch ein freundlicher Mensch verhindert, dass ich abbiege. Also gut, dann die nächste Seitenstraße. Aber da ist gar nichts mehr. Ich habe mich verlaufen. Also zurück und noch weiter gerade aus. Dann entdecke ich eines der Kilometerschilder. Noch 600 Meter bis zum Ziel. Beleuchteter Zieleinlauf. Und da wartet mein Mann mit seiner Umarmung, ist das schön. Ich bin glücklich über diesen wunderbaren Lauf – und, kaum zu glauben, auch noch Erste in meiner Altersklasse. Na, gut, wir waren in dieser Klasse nur zu zweit

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