28 Juli 2011 11:16
Was tun, wenn der Partner seine Räder mit ins Schlafzimmer schleppt? Achilles-Bloggerin Littlewhitepony hat ein Interview mit Claudia geführt, deren Mann ein leidenschaftlicher Triathlet ist – das Ergebnis ist eine Gebrauchsanleitung für manische Ausdauersportler.
Claudia, du hast einen Triathleten mit Ironman-Ambitionen zum Mann. Siehst du ihn überhaupt noch?
Claudia: Selten. Das Leben eines Triathleten besteht aus Arbeiten, Trainieren, Essen und Schlafen. Aber Jörn und ich haben eine gute Regelung gefunden: Samstags mache ich um 16 Uhr Feierabend und wir haben Zeit für uns. Während der Woche begleite ich ihn manchmal zu Trainingseinheiten. Nach der Arbeit ist es recht entspannend, im Whirlpool vor sich hin zu blubbern, während die Eisenmänner ihr Trainingspensum absolvieren.
Kannst du die Leidenschaft deines Mannes nachvollziehen? Machst du auch Ausdauersport?
Ich und Ausdauersport? Nein, ich bin eine sportliche Niete. Meine Talente liegen woanders. Trotzdem kann ich Jörns Leidenschaft gut nachvollziehen. Denn der Non-Stopp-Dreikampf hat mich von Anfang an fasziniert. Es ist die Mischung aus Ausdauer, Motivation und innerer Stärke, die diesen Sport so besonders macht. Ich bezeichne mich gerne als "Passiv-Triathletin“, denn ich bin bei so gut wie jedem Wettkampf dabei. Oft bin ich Neoprenanzug-Zumacher, menschliches Schließfach, Zwischenzeitengeberin, Wasserträgerin und Teamfotografin. Natürlich frage ich mich manchmal, wenn Sonntags um 4 Uhr der Wecker klingelt, wofür ich das alles mache ...
Wie füttert man eigentlich einen Eisenmann-Anwärter? Der frisst dir doch bestimmt die Haare vom Kopf?
Oh ja, da geht 'ne Menge rein! In den trainingsintensiven Monaten – also elf Monate im Jahr – müssen wir unser Haushaltsbudget immer aufstocken. Die Vorratskammer ist ein Pasta-Paradies und neben den unzähligen Pappkartons mit Penne, Fussilli, Spaghetti, Bavette ist noch ein extra Fach für diverse Gels, Energieriegel und eine Jumbodose Maltodextrin.
Das ist alles? Hört sich doch recht vernünftig an.
Nein, der Süßigkeiten- und Kekskonsum in unserem Haus ist unglaublich. Jörn wird auch liebevoll "Cookie-Killer“ genannt. Er hat die Gene eines Trüffelschweins geerbt. Kaum habe ich mir eine leckere Packung Kekse gekauft, geht bei Jörn der Keksalarm los. Und schon sind ist sie wieder weg – egal wie gut ich sie verstecke. Solange das nur zu Hause passiert, kann ich damit leben. Aber mittlerweile verschwindet auch bei ihm im Büro alles, was süß und nicht versteckt ist. Sein Kollege lädt ihn deswegen jetzt mittags regelmäßig in einen nahegelegenen Pasta-Tempel ein. Neulich waren wir beim Brunch und da fragte der Kellner ob er die Schüssel mit der Nachspeise nicht lieber direkt zu Jörn auf den Tisch stellen soll. Peinlich.
Was rätst du anderen Triathleten-Opfern?
Die Welt des Triathleten verstehen lernen. Denn der "Homo-Triathleticus“ ist ein seltsamer Zeitgenosse. Er trainiert viel, macht aber nur wenige Wettkämpfe und stellt seine Mitmenschen zuweilen auf harte Geduldsproben. So sollte zum Beispiel seine Partnerin akzeptieren, dass er Sonntags sehr früh aufsteht, um sechs Stunden auf dem Rad zu sitzen und anschließend noch einen "10er“ zum lockeren Auslaufen hinten dranhängt. Und ebenfalls aufgeschlossen sollte sie der Tatsache gegenüberstehen, dass in einem Triathlonhaushalt zehn Sätze Laufräder, sechs Kompletträder, 30 Paar Laufschuhe und vier Neoprenanzüge eine Daseinsberechtigung haben. Seine Räder schlafen mitunter ebenfalls im Schlafzimmer und haben Namen wie “Prinzessin” oder “Sexy Lady”.
Was macht den „Homo-Triathleticus” sonst noch aus?
In Gesellschaft von Gleichgesinnten ist er äußerst redselig und führt gerne tiefgreifende Gespräche über Schwimmzeiten, Radsplitts oder Ausscheidungsrennen. Mag da kommen, was oder wer will. Wie neulich auf der Hochzeitsfeier eines Vereinskameraden: Nach dem Essen vesammelten sich die Triathleten um einen Stehtisch. Ein weiterer Gast, ein Fußballer, lief hilflos um sie herum und versuchte, in den "Inner Circle“ vorzudringen. Er hatte keine Chance. Tja, so ist das eben; Triathlon ist nicht nur Hobby, Triathlon ist eine Lebenseinstellung. Und wenn man das verstanden hat, ist alles gut.

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