23 Juni 2010 02:00
Laufen ist wie ein Zahnarztbesuch, findet Achilles-Leser Patrick: Beides dauert lange, tut weh, und am Schluss ist man froh, wenn es vorbei ist. Ein Manifest wider den Genusslauf.
Es gibt, glaube ich, zwei Sorten von Menschen: Die einen laufen gerne, und die anderen hassen es. Ich gehöre zur zweiten. Schon in der Schule war ich immer der Letzte, wenn wir laufen mussten. Meistens bin ich einfach nur gegangen. Mein Sportlehrer, der mit allem, nur nicht mit unsportlichen Schülern umgehen konnte, war mein schlimmster Albtraum.
30 Jahre später war es mein Arzt, der mich davon überzeugte, doch endlich das Trauma Trauma sein zu lassen. Er empfahl mir, gegen meine bedenklichen Leber- und Fettwerte doch besser zu laufen, als Pillen einzuschmeißen.
Seitdem laufe ich also, obwohl ich es hasse. Aus reinen Kosten-Nutzen-ich-will-älter-als-45-werden-Überlegungen. Doch davon abgesehen finde ich es einfach nur: scheiße. Nie habe ich Lust dazu, und immer kostet es Überwindung. Meistens tut mir dabei und oder danach etwas weh. Und alle 300 Meter überholt mich irgend ein Geriatrietrupp, der beim Laufen auch noch quatschen kann, während ich kurz vorm Anschlag jaulend Sauerstoff in mich reinsauge und mein Kopf zu platzen droht. Den Experten sage ich nur: 7er Schnitt – und trotzdem total kaputt.
Runner's High klingt für mich so plausibel wie "Zahnschmerzen-Liebhaber": Möglicherweise gibt es sowas ja, aber wenn, dann nicht oft. Wobei ich sowieso keinen Unterschied sehe zwischen Karies und Jogging: Beides dauert lange, tut weh, und am Schluss ist man froh, wenn es vorbei ist.
Nur: Beim Zahnarzt darf ich sitzen, eine nette Helferin hält mir Händchen, und ich schwitze nur ein bisschen. Dann fängt der Doc an, von seiner Marathonvorbereitung zu erzählen. "Hnng" sagt man. Und wünscht sich, er möge sich beim Bohren verletzen. Oder besser noch beim Training. Dann kann ich ihn überholen. Irgendwo im Wald. Ohne Lust, aber mit Schadenfreude. Wenn ich nicht zu müde bin, werde ich ihm helfen.
Er wird wohl auf jemand anderen warten müssen.

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