23 Juni 2010 02:00
Joggen mit dem iPhone, Sinn oder Unsinn? Carla aus dem Achilles-Team hat's ausprobiert und ging mit sprechendem Armband auf die Trainingsrunde.
"Teste mal GPS-Anwendungen fürs iPhone", trägt mir der Chef auf. Alles klar, bloß nicht anmerken lassen, dass ich keine Ahnung habe, wie und woher ich so eine Applikation kriege. Geschweige denn, dass ich nicht weiß, wie ich das Gerät beim Laufen transportieren soll (in der Hand vollschwitzen?) und dass ich außerdem seit zweieinhalb Monaten nicht mehr gelaufen bin (Bänderriss).
Dann aber finde ich tatsächlich eine passende Anwendung, den RunKeeper, lade sie aufs Gerät und befinde sie nach einer Proberunde auf dem Rad für gut. Bei eBay gibts dann auch noch einen Armgurt für mein Statussymbol, und als dann eines Tages der Dauerregen nachlässt, habe ich endgültig keine Ausreden mehr: Also Gurt umgeschnallt und raus. Nun, das Ding ist wohl eher für Männer- oder Gewichtheberinnenarme konstruiert, jedenfalls sitzt es arg rutschig am Oberarm. Ich schlüpfe in die Jacke, trotz 16 Grad, doch sonst hält das Armband gar nicht. Ich stecke das iPhone rein. Jetzt ist es etwas mühselig durch die Schutzhülle zu bedienen. Egal, auf geht’s.
Ja, es ist mir peinlich als Langsamläufer mit so einer Angeber-Ausrüstung am Arm durch die Wilmersdorfer Straße zu laufen. Ich bin Richtung Lietzensee unterwegs, als mich eine freundliche Dame anquatscht: "You completed five minutes!" Oh, ich habe vergessen den Ton abzustellen. Ist zwar peinlich, aber im Laufen am iPhone rumzufrickeln, ist mir zu riskant. Nicht, dass ich am Ende aus Versehen die Stopp-Taste drücke. Plötzlich macht es "Ping". Diesmal ist es jedoch das E-Mail-Programm. Wer mit dem Diensttelefon joggt, kann beim Training gleich checken, wie viele Anfragen für den Boss eingehen …
Für mein Läufchen habe ich mir eine Dreiviertelstunde vorgenommen, mit vier, fünf mäßigen Steigungen und Dauerlauftempo, so befiehlt es der Trainingsplan. Und die fiese Treppe am See geht durchaus als mittlere Steigung durch, finde ich.
In der Jacke wird mir schnell warm, vielleicht schwitze ich so noch ein, zwei Kalorien mehr aus. Zwischendurch die Arme auszuschlackern ist unmöglich, mir würde sonst das Band abfallen. Egal. Ich stelle fest, dass ich die freundliche Frauenstimme aus dem Apparat sogar als motivierend empfinde. "You completed 45 minutes", höre ich kurz vor Ankunft zuhause.
Im Treppenhaus drücke ich auf Stopp, die Stimme tönt, dass ich 7,09 km in 49,20 Minuten zurückgelegt habe. Zum Glück ist kein Nachbar in Sicht. Nun ja, Bestzeiten werden überbewertet. Außerdem waren auch einige rote Ampeln im Spiel, also ist die Zeit schon okay. Nicht umsonst habe ich mich am Vortag für meinen jk-Trainingsplan von Biber auf Hamster zurückgestuft.
Jetzt will ich gleich am Computer die Leistungskurve checken. Vor Aufregung vergesse ich glatt die halbe Minute Alibi-Dehnen. Mit Wasserflasche aufs Bett, Beine hoch. Die Kurve geht ohne erkennbare Systematik auf und ab. Ich sollte wohl an meinem Tempoverlauf arbeite. Vielleicht liegt's aber auch an den Ampelpausen. Eine Karte der gelaufenen Strecke kann ich mir nicht anzeigen lassen, da ich im Haus keinen GPS-Empfang habe. Mache ich morgen auf dem Büro-Rechner. Und wo ich das iPhone eh gerade zur Hand habe, checke ich noch fix die Mails …
Fazit: Die GPS-Anwendung (RunKeeper) funktioniert einwandfrei und ist auch für Technikidioten wie mich leicht runterlad- und bedienbar. Zum Armband von "cool bananas": Weiß jemand, ob so was auch in Dünnarm-Ausmaßen angeboten wird?

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