22 Juni 2010 02:00
Den Marathon in Hamburg muss Leser Wieland noch abbrechen – es läuft einfach zu flüssig. Kurz darauf beweist er Kampfgeist und Wagemut. Sein Lohn: Finish beim Supermarathon in Eisenach und ein magischer Moment.
Ich bin Achim-Achilles-Jünger und JK-Runner, der sich dieses Jahr mal wieder über den Rennsteig getraut hat. Dabei war das Ganze gar nicht geplant. Beim Hamburg-Marathon hatte mich ab km 15 der „flotte Otto“ mehrfach überholt. Bei km 26 brach ich ab. Natürlich war ich verärgert.Ich hatte so gut trainiert, wie seit 20 Jahren nicht mehr.
Meine Familie hatte mir ein komplett freies Wochenende geschenkt. Nun gut, dachte ich mir: Such Dir mal irgendwo ein schönes Läufchen und dann holst du Hamburg nach. An jenem freien Sonnabend im Mai sollte der Rennsteiglauf steigen. Eine alte Liebe von mir. Hier habe ich 1986 mein Marathondebüt gegeben. Insgesamt habe ich siebenmal die unterschiedlichsten Distanzen absolviert: Halbmarathon, Marathon, 55 km und 65 km. Den Supermarathon über 72,7 km bin ich noch nie gelaufen.
Freitagvormittag stand mein Entschluss fest: Laufsachen, Isomatte und Schlafsack in den Rucksack gepackt und ab in den Zug nach Eisenach. Dort meldete ich mich für den Supermarathon an. Dann ging es zur Nudelparty, die natürlich in Thüringen eine Kloßparty war. Herrlich! Schlafen konnte ich in einem zum Gemeinschaftsquartier umfunktionierten Gymnasium. Da standen an jeder Tafel Willkommensgrüße, abends wurden Schlummertrunke verkauft und es gab ab 3:30 Uhr Frühstück.
Ab 5 Uhr füllte sich langsam der Marktplatz von Eisenach. Dass ich hier stand, war eigentlich absolut unvernünftig. Ich hatte mich nicht speziell auf diesen langen Kanten vorbereitet, meinen Frühjahrsmarathon habe ich nicht zu Ende gebracht und viele 30 km-Läufe standen auch nicht in meinem Trainingstagebuch. Eines war mir jedoch sicher: Selbstvertrauen. Selbstvertrauen durch das gute, kontinuierliche JK-Training. Und ich hatte ungeheure Lust auf diesen herrlichen Landschaftslauf. Um 6:00 Uhr ging es los.
Vor uns lagen 73 km mit insgesamt 2500 Höhenmetern (1500 Meter bergauf, 1000 Meter bergab). Zwei Ziele hatte ich mir gesteckt: Die Marathondistanz vernünftig absolvieren und das Ziel in Schmiedefeld vor Zielschluss um 18 Uhr erreichen. Für den Marathon brauchte ich fünf Stunden. Klingt nicht gerade hitverdächtig. Aber wenn man bedenkt, dass wir die ersten 7,5 km nur bergan liefen sind und manch andere markige Steigung bewältigten, konnte ich sehr zufrieden sein. Spätestens da spürte ich: Die restlichen 30 km kann ich auch schaffen.
Ich fing an, den Lauf zu genießen. Die herrliche Natur, die unheimliche Stille eines Landschaftslaufes und diese äußerst liebevoll betreuten Verpflegungsstellen mit dem köstlichen Haferschleim – „Elektrolyte unplugged“. Auch wenn die Gehpausen zunahmen, ein Spaziergang war es mitnichten. Ich erreichte mein zweites Ziel: Um 16:39 Uhr, also nach 10:39 Stunden, kam ich in Schmiedefeld an.
Hier erlebte ich noch einen magischen Moment. Jeder Supermarathoni wurde persönlich vom Stadionsprecher mit Namen und Vereinsnamen begrüßt. Ich wurde als Wieland Brohm von „Jott Kah Running“ willkommen geheißen. In dem Augenblick durchzuckte es den Stadionsprecher und er korrigierte sich nahezu frenetisch: „Dschää Kee Ranning“. Wundervoll!! Da fiel auch bei mir die gesamte emotionale Anspannung ab. Ich hatte soeben den längsten Lauf meines Lebens geschafft: 73 km!
Erstes Fazit: Obwohl ich schon 30 Marathons und längere Läufe absolviert habe, war dies einer meiner emotionalsten.
Zweites Fazit: Natürlich war ich unvernünftig. Aber durch das kontinuierliche JK-Training hatte ich Selbstvertrauen und danach keinen – wirklich keinen – Muskelkater.
Drittes Fazit: An jenem Sonnabend im Mai lag für mich das schönste Ziel der Welt in Schmiedefeld.
Also Achim, trau Dich ruhig an den langen Kanten. Ich kann Dich vielleicht mental bei dem einen oder anderen Wochenendlauf in Berlin aufbauen.
Tschüss!
Wieland
Laufen in San Francisco: "Bay to Breakers 2010"
Rennsteiglauf: Wiedersehen macht Freude

|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
|
Läuferberichte |
Hinweis: Diese Website verwendet Facebook-Plugins – sind Sie bei Facebook eingeloggt, werden Daten an Facebook übertragen. Mehr Infos dazu gibt es hier.