Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
23 Juni 2010 02:00
Hans-Hermann lief in Dubai seinen ersten Marathon. Bis Kilometer 28 lief es leicht und locker. Doch plötzlich kam der "böse Mann" und weit und breit gab es kein Taxi, das ihn hätte mitnehmen können.
Meinen ersten Halbmarathon lief ich in Delhi. Zuvor bin ich noch nie weiter als 21,097 Kilometer am Stück gelaufen. Davor lief ich Strecken bis maximal 10 Kilometer. Der Lauf war gut und entspannt, schließlich hatte ich mich ordentlich vorbereitet. Ein Freund fragte mich danach, ob als Steigerung jetzt der Dubai-Marathon angesagt wäre. Die Herausforderung schien mir doch etwas zu groß. Also lief ich einen zweiten, privat organisierten Halb-Marathon in Delhi. Auch diesen Lauf überstand ich locker.
So entschloss ich mich, beim Dubai-Halbmarathon am 11. Dezember 2009 zu starten. Und siehe da: auch dieser Lauf war einfach und entspannt, gut genug für einen fast 60-jährigen Mann, der bereits am Anfang seiner Laufkarriere stolz auf sich sein kann. Mit so viel "Lauferfahrung" in den Beinen sollte es für einen vollen Marathon reichen, so meine leicht verquere Einstellung. Und da ich beruflich oft in Dubai bin, entschied ich mich, den Marathon dort zu laufen.
Allerdings hätte ich beim Strecken-Check misstrauisch werden müssen. Es geht 21,1 km in die eine und 21,1 km in die andere Richtung. Die Strecke ist eben wie ein Brett, baum- und schattenfrei und auch sonst wenig abwechslungsreich. Die Temperaturen am Vormittag liegen um die 25 Grad.
22. Januar, 6:30 Uhr – Startschuss in Dubai. Wie ich es erwartet hatte, waren praktisch keine Einheimischen am Start. Araber laufen nicht, dafür aber jede Menge Lauftouristen aus Europa und Asien. 12.000 Läufer waren angekündigt, tatsächlich sind aber viel weniger an den Start gegangen. Den Marathon haben rund 1.400 Läufer gefinished.
Haile und seine Pacemaker durften 200 Meter vom Hauptfeld entfernt starten und wurden erst wieder gesehen, als sie auf ihrem Rückweg zum Ziel an den Normalläufern vorbeiflogen. Leider reichte es nicht für einen neuen Weltrekord – Haile hatte Rückenschmerzen.
Für mich lief alles perfekt – erstmal. Allen guten Ratschlägen folgend lief ich herzfrequenzgesteuert bei 134 Schlägen pro Minute einen gleichmäßigen 6:20-Minuten-Schritt. Am Wendepunkt angekommen sah ich den Rückweg nur noch als Formsache an und fragte mich im Stillen, wo nun eigentlich die Herausforderung bei einem Marathon liegt. Ich lief entspannt weiter, im sicheren Glauben, das Ziel ohne Probleme zu erreichen.
Ja, und dann kam bei km 28 der böse Mann. Er hatte keinen Hammer bei sich, dafür rostiges, stumpfes OP-Besteck. Das rammte er mir in die Waden und schnitt sie auseinander. Musste ich jetzt 14 km mit OP-Besteck in den Waden laufen? Eigentlich unmöglich. Wäre ein Taxi vorbeigekommen, ich wäre eingestiegen. Die Veranstalter hatten aber eine taxifreie Zone geschaffen, also hatte ich keine andere Wahl: Ich musste ins Ziel kommen – zu Fuß.
Und ja: Ich habe es geschafft. Aber ich fragte mich während der letzten Kilometer, ob ich mir eine solche Strapaze noch einmal antun würde. Eine Antwort habe ich noch nicht gefunden. Aber eines weiß ich jetzt schon: Ich werde mich völlig anders vorbereiten. Bevor ich 30 Kilometer nicht relativ locker laufen kann, werde ich mir keine 42 Kilometer zumuten. Und sicherlich würde ich mich für einen anderen Marathon entscheiden. Zweimal 21 Kilometer nur geradeaus laufen, ist nicht gerade spannend, abwechslungsreich schon gar nicht. Zumindest ist es eine mentale Herausforderung.
Auf den Dubai-Halbmarathon im Dezember freue ich mich heute schon. Die Strecke ist auch nicht gerade anspruchsvoll, verläuft aber entlang des Creeks, führt durch Basare und endet dann am Start/Ziel im wunderbaren "Dubai Golf&Yacht-Club" mit einem gemeinsamen Frühstück. Zu gewinnen gibt es nichts. Außer einer unglaublich bereichernden Gemeinschaftserfahrung.
Hans–Hermann Dube
Raus aus dem Gebüsch – und weiter!

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