23 Juni 2010 02:00
Mission Achillessehne: Achim-Achilles-Fan Jens wagt sich nach einer Verletzungspause aufs Laufband. Aus der Belastungsprobe entwickelt sich ein Kampf Mensch gegen Maschine.
Nach drei Wochen Verletzungspause sollte es endlich soweit sein: Die erste echte Belastungsprobe für die Achillessehne. Nach tagelangem Grübeln hatte ich den idealen Test ausbaldowert: Erst ein bisschen Krafttraining im Sportcenter meines Vertrauens, dann 1 km Traben auf dem Laufband.
Gesagt getan, ab ins Studio und in die Ecke mit den Laufbändern. In unzähligen Hotels habe ich schon Laufbänder programmiert, oft mit mäßigem Erfolg. Aber diesmal bin ich guten Mutes. Ich drücke auf dem Display herum, erst die Dauer, dann die Distanz, dann die Geschwindigkeit, 10 km/h. Ich starte. Nichts rührt sich. „Error“ erscheint auf der Anzeige. Gott sei Dank geht keine Alarmsirene an. Ich probiere es nochmal mit der „Start“-Taste, wieder „Error“. Adrenalin steigt. Dritter Versuch, gleiches Resultat. Ein Typ grinst vom Ergometer zum mir herüber. Gewaltfantasien keimen auf.
Aber es gibt Wichtigeres, als sich abzureagieren, meine Sehne muss getestet werden. Ich probiere das andere Laufbandmodell, das im Studio steht. Wieder wird alles programmiert, diesmal will die Maschine auch noch mein Gewicht wissen, sehr indiskret. Es stehen vier Programme zur Verfügung, ich entscheide mich für "manuell", selbst ist der ambitionierte Läufer. Ich drücke Start, das Band läuft an.
Alle Sensoren im Körper sind gen Achillessehne gerichtet, bereit jede Kleinigkeit zu bemerken und zu entschlüsseln. Doch was ist das? Das Band erreicht nur 6,5 km/h. Ich hatte aber 10 km/h eingegeben. Alles Herumdrücken auf den Knöpfen hilft nichts, ich muss stoppen. Peinlich. Ich spüre die Blicke aller Anwesenden. Noch zwei weitere Versuche, doch das Band rattert immer wieder nur bis zur Maximalgeschwindigkeit von 6,5 km/h. Auch ein Programmwechsel auf "Zufall" hilft nicht. Kein Trainer weit und breit, der helfen könnte. Aber mein Stolz hätte es sowieso nicht zugelassen, dass ich frage.
Ich blicke um mich, auf der Suche nach einer Trennscheibe, mit der ich dieses Mistgerät in 1000 Einzelteile fräse kann. Aber Mission Achillessehne zwingt mich zur Ruhe. Nun trickse ich das Drecksding einfach aus! Ich stelle die maximale Geschwindigkeit auf 15 km/h ein, mal sehen was passiert.
Die Maschine gehorcht blöderweise und erreicht eine Geschwindigkeit von 15 km/h. Ich werde fast abgeworfen. Panik. Nun bloß nicht den Notstopp drücken, das wäre zu peinlich. Ich kämpfe mich wieder in die Reichweite der Knöpfe und reguliere mit „Das-ist-alles-so-gewollt“-Mine die Geschwindigkeit runter auf 9,5 km/h. Puh! Während ich endlich den Testkilometer laufe, denke ich an all die Filmchen mit fiesen Laufbandunfällen, die man im Internet so finden kann. Aber was am Ende zählt: Die Sehne hat gehalten.

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