12 Juli 2010 17:50
Auf alle Arten deformiert: Achilles-Leser Matthias hat am Strand Schreckliches erlebt (Foto: Photobucket.com)
Achilles-Leser Matthias plagt ein schlechtes Gewissen: Den ganzen WM-Sommer lag er nur faul auf dem Sofa herum. Jetzt will er wieder mit Sport loslegen – aber wie soll das bei der Hitze nur klappen?
Klar, es tut verdammt gut, abends einfach mal vor der Glotze zu hängen und anderen beim Sport zuzugucken; bei einem Kaltgetränk zu sehen, wie Jogis Jungs am anderen Ende der Welt schuften, anstatt selber auf der Trainingsrunde durch die nächste Grünanalge zu schwitzen. Aber nach vier Wochen auf dem Sofa lässt sich irgendwann einfach nicht mehr ignorieren, dass das Fan-Trikot inzwischen mächtig über der Wampe spannt.
Aber wie, bitteschön, kann ein vernunftbegabter Mensch bei Temperaturen jenseits der 1000 Grad ein anständiges Sportprogramm absolvieren?
Vorgestern Abend zum Beispiel, es war so gegen 22 Uhr, habe ich mich auf ein kleines Läufchen gewagt, wirklich nichts Wildes, im leichten Trab 3, 4 Kilometer den Kanal runter. Komisch nur, dass ich mir schon nach 300 Metern nicht mehr sicher war, ob ich daheim den Herd ausgeschaltet hatte. Und als ich dann wieder oben in der Küche stand, kam natürlich dieser wichtige Anruf. Immer diese Zufälle. Egal, immerhin konnte ich später „Anschwitzen“ im Trainingstagebuch notieren.
Am nächsten Morgen plagte mich trotzdem das schlechte Gewissen. Vor dem großen Spiegel im Bad gelang es mir kaum noch, den Bauch einzuziehen. Auf den Schreck musste ich erstmal was essen, was kleines wenigstens. Am Frühstückstisch schnibbelte ich den Gouda in besonders dünne Scheiben, außerdem verkniff ich mir den Sahnemeerettich, zumindest bei der zweiten Schinkenstulle. Ich hatte einen Plan gefasst: Den Sommer über würde ich mich aufs Schwimmen verlegen, drei Mal die Woche an den nächsten See fahren und dort eine halbe Stunde die Fische erschrecken.
Eine halbe Stunde später war ich tatsächlich schon am Strandbad angekommen und nach kurzem Check meiner Umgebung erstmal beruhigt: Ich war ganz bestimmt nicht der Unförmigste an diesem Strand. Auf den Badetüchern um mich herum lümmelten schwammige Leiber, auf alle erdenkliche Arten deformiert: hängende Hinterbacken, schlabbernde Schenkel, bollernde Bierbrüste. Seltsam nur, dass niemand im Wasser planschte. In der Gewissheit, mich auf der Attraktivitäts-Skala in der oberen Hälfte zu befinden, machte ich mich mit Siegerbrust auf in Richtung See. Doch ich sollte nicht weit kommen. Der Sand unter meinen Füßen war heiß wie ein Waffeleisen, unter Schmerzensschreien hüpfte ich zurück zum Handtuch. Es roch nach verbranntem Fleisch. Jetzt wusste ich wenigstens, warum sich die Walrösser um mich herum nicht von der Stelle rührten.
Ich bruzzelte noch ein, zwei Stunden in der Sonne, ehe ich mir an der Strandbar ein Bier genehmigte. Reine Vernunftsmaßnahme, Bier soll ja für den Mineralstoff-Haushalt ganz ausgezeichnet sein. Am Abend notierte ich mir „Eingewöhnungstraining Schwimmen“ ins Tagebuch. Die Füße waren auch wieder ganz gut verheilt, wenn ich auf den Fersen lief, schaffte ich es schon recht flott vom Sofa zum Kühlschrank.
Ob ich noch mal beim Schwimmen war? Natürlich nicht. Und wie es mit dem Sport in diesem Sommer weitergeht? Keine Ahnung. Zur Not schwitze ich mein Übergewicht halt vor der Glotze raus. Bald ist nämlich wieder Bundesliga.

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