18. Juni 2010
Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno verrät auf Achim-Achilles.de, warum er manchmal langsamer unterwegs ist als ein Hobbyläufer.
Achim-Achilles.de: Herr Frodeno, herzlichen Glückwunsch zum Olympiasieg. Hat die Goldmedaille Ihr Leben verändert?
Jan Frodeno: Danke erstmal. Es ist natürlich plötzlich einiges mehr los um meine Person. Ich komme kaum noch dazu, einfach so auf der Couch zu liegen. Oder Sport zu treiben.
Achim-Achilles.de: Sie sind seit Olympia gar nicht mehr gelaufen?
Frodeno: Ich konnte nur zwei, drei Mal kurz Joggen gehen. Meine Beine schreien schon nach mehr. Wenn ich hoffentlich bald wieder Zeit finde, versuche ich mich ein bisschen in Bewegung zu halten, mit Beachvolleyball, einer Runde Squash oder Mountainbike fahren. Aber es geht doch nichts über einen Waldlauf.
Achim-Achilles.de: Geht so nicht Ihre Kondition flöten?
Frodeno: Es fühlt sich schon nicht so prickelnd an, wenn man nach einer Pause wieder einen Fuß vor den anderen setzt. Aber das gehört dazu, das braucht der Körper auch, um Sehnen und Bänder zu regenerieren. Die Muskulatur muss sich erholen, sonst könnte ich bei den großen Belastungen in ein paar Jahren keinen Schritt mehr gehen. Die Pause ist also eine sehr wichtige Phase.
Achim-Achilles.de: Zeigen Sie mir mal Ihre Goldmedaille?
Frodeno: Klar.
Achim-Achilles.de: Sie haben die Medaille in der Hosentasche?
Frodeno: Ja, immer am Mann. Damit ich weiß, dass sie auch wirklich da ist. Manchmal liegt sie auch nachts neben dem Bett.
Achim-Achilles.de: Wie viel Talent und wie viel Wille steckt in dieser Medaille?
Frodeno: Vielleicht 40 Prozent Talent und 60 Wille. Der Wille ist absolut entscheidend, ohne den geht’s nicht. Die großen Talente – und von denen gibt es viele – schaffen den Sprung oft nicht, weil es vom Kopf und der Willenskraft nicht reicht.
Achim-Achilles.de: Woran erkennt man ein Triathlon-Talent?
Frodeno: Das ist völlig unterschiedlich, es gibt viele Formen des Talents. Das wichtigste beim Triathlon ist wahrscheinlich die Belastbarkeit, dass heißt, das man verletzungsfrei ein hohes Pensum schaffen kann.
Achim-Achilles.de: Sie galten vor den Spielen nicht gerade als absoluter Top-Favorit. Hatten Sie überhaupt Medaillenhoffnungen?
Frodeno: Mit Sicherheit. Wenn man nicht an sich selber glaubt, tut's keiner. Und so einen Wettkampf gewinnt man dann auch nicht. Ich hatte ein festes Ziel vor Augen, dass ich aber nicht hinausposaunen wollte. Es ist einfach so: Wenn ich bei 2 Grad und Regen zum Training gehe, dann kann ich mir selbst nicht sagen, ich tue das für den zehnten Platz.
Achim-Achilles.de: Was spielt sich während eines Rennens im Kopf ab?
Frodeno: Ganz viel. Die Gedanken reichen von der Angst, dass man es doch nicht schafft, bis zum Übermut, wenn man voller Energie voraus rennt – und sich eigentlich bremsen müsste, weil es taktisch schlauer ist. In einer Studie stand mal: Jeder, der mehr als 400 Meter läuft, durchlebt aktive Gedanken. Man ist dann nicht mehr in der Lage, sich darauf zu konzentrieren, gedankenfrei zu sein. All das, was mir während eines Wettkampfs durch den Kopf schwirrt, versuche ich durch Selbstgespräche zu regeln.
Achim-Achilles.de: Muss man bisschen verrückt sein, um den Olympia-Triathlon zu gewinnen?
Frodeno: Auf jeden Fall. Als Triathlet muss man 'ne Meise haben. Man muss absolut dafür leben und bereit sein, alles andere hinten anzustellen.
Achim-Achilles.de: Auf was verzichten Sie?
Frodeno: Das Feiern bleibt natürlich auf der Strecke. Außerdem koche ich für mein Leben gerne, italienisch oder Fleisch vom Grill. Da muss ich schon gewaltige Abstriche machen, um auf mein Wettkampfgewicht zu kommen.
Achim-Achilles.de: Auf dem Tisch vor uns steht eine leckere Schokoladentorte. Greifen Sie zu!
Frodeno: Werde ich gleich, sicherlich.
Achim-Achilles.de: Ach, das dürfen Sie?
Frodeno: Ja, jetzt geht das. Jetzt ist die Saison aber auch vorbei.
Achim-Achilles.de: Und dann geht auch schon mal ein Bier?
Frodeno: Klar, das sieht man mir vielleicht auch an. Ich koste es gerade aus, dass ich auch mal abends weggehen kann.
Achim-Achilles.de: Wie sieht ihr wöchentliches Trainingspensum aus?
Frodeno: Ich trainiere zwischen 30 und 45 Stunden pro Woche, jeden Tag jede Disziplin mindestens ein Mal. Hinzu kommt Kraft- und Rumpftraining. Wegen meiner Größe (1,94 m, die Redaktion) ist es besonders wichtig, dass ich einen stabilen Muskelapparat habe. Früher bin ich bei Waldläufen häufig umgeknickt, inzwischen bin ich weniger verletzungsanfällig.
Achim-Achilles.de: Sie schwimmen 1,5 km, fahren 40 km Rad und laufen 10 km. Welche Disziplin gefällt Ihnen am besten?
Frodeno: Der Triathlon wird eindeutig im Laufen entschieden – und das macht mir auch am meisten Spaß. Rad fahren liebe ich im Training: den Pass rauf und möglichst schnell auf der anderen Seite wieder runter.
Achim-Achilles.de: Hört sich alles ganz locker und leicht an. Aber mal ehrlich, so ein Triathlon ist doch eine Mordsquälerei.
Frodeno: Schon. Aber die Leichtigkeit ist ja das Schöne, was man anstrebt und was sich erst nach vielen harten Trainingseinheiten einstellt. Zwischendurch ist es natürlich viel Quälerei und ich habe manchmal einfach keinen Bock.
Achim-Achilles.de: Was machen Sie dann?
Frodeno: Nun, manchmal zögere ich das Training heraus, dann gehe ich erst um neun Uhr abends trainieren. Meistens kommt die Lust dann wieder.
Achim-Achilles.de: Sind sie süchtig nach Sport?
Frodeno: Ja. Ohne Sport fühle ich mich nicht wohl, es fehlt etwas und ich spüre eine innere Unruhe. Sport ist einfach ein Teil meines Lebens.
Achim-Achilles.de: Wo tut's Ihnen nach einem Triathlon weh?
Frodeno: Natürlich sind erstmal die Waden vollkommen verhärtet. Normalerweise ist auch im Nacken durch die Anspannung alles bisschen verkatert. Aber das sind normale Muskelschmerzen, die einfach dazu gehören.
Achim-Achilles.de: Was machen sie zur Entspannung?
Frodeno: Die beste Regeneration ist ein lockeres Training. Ich laufe dann deutlich langsamer als es sich ein Hobbyläufer trauen würde. Ich laufe im Training den Kilometer manchmal in 2:35 Minuten, manchmal brauche ich aber auch über 6 Minuten.
Achim-Achilles.de: Juckt Sie das nicht, wenn dann alle Freizeitjogger an Ihnen vorbeiziehen?
Frodeno: Da stehe ich absolut drüber.
Achim-Achilles.de: Wie sieht es bei Ihnen zu Hause aus? Basteln Sie an ihrer Ausrüstung herum?
Frodeno: Bei mir sieht es ein bisschen unordentlich aus, ich habe extrem viel Material rumliegen, Schuhe, Räder, Neopren-Anzüge. Das Basteln überlasse ich aber lieber den Profis.
Achim-Achilles.de: Wann machen Sie den Ironman?
Frodeno: Ganz bestimmt nie. Sich stundenlang durch die Gegend zu bewegen, ist nicht meine Welt. Ich liebe die Dynamik am Triathlon, das aggressive Rennverhalten, das macht mir einfach Spaß.
Größe: 194cm
Gewicht: 75kg
Körperfett %: 5%
Ruhepuls: 36
Maximalpuls: 205
Absolute Herzgröße: 1210ml
Armspannweite: 198,2cm
Schulterbreite: 42,8cm
Olympiasieger Jan Frodeno trainiert Talente
Olympiasieger Jan Frodeno: Patriot in Neopren

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