01 Juli 2010 02:00
Timo Bracht startet am Samstag zum berühmtesten Triathlon der Welt, dem Ironman auf Hawaii. Der 33-Jährige spricht über sein Training, die Socken von Triathleten und Nöte auf dem Dixie-Klo.
Achim-Achilles.de: Hallo Herr Bracht, wie ist das Wetter auf Hawaii?
Timo Bracht: Die Bedingungen sind ziemlich spektakulär. Ich bin an der Flanke eines fast 3000 Meter hohen Vulkans untergebracht. Morgens ist sehr schönes Wetter. Wenn die Sonne draußen ist, knallt's richtig. Gegen Mittag hängen Wolken am Vulkan, dann wird es schwül. Außerdem gibt es auf der anderen Seite der Insel noch einen aktiven Vulkan, der ist immer mit dunklen Wolken verhangen.
Achim-Achilles.de: Welches Wetter erhoffen Sie sich für den Wettkampf am Samstag?
Bracht: Auf Hawaii gibt es den so genannten Mumuku-Wind, einen Fallwind, der weit draußen in der Lava-Wüste ziemlich hart zuschlägt. Das sind so starke Böen, dass man manchmal nahe dran ist, das Rad hinzuschmeißen, weil man nicht mehr vorwärts kommt. Ich hätte allerdings nichts dagegen, dass es auf dem Rad richtig heftig wird, dann wird schon früh viel Konkurrenz aussortiert. Das Rennen auf Hawaii ist so hart wie kein anderes, aber ich bin sehr gut vorbereitet.
Achim-Achilles.de: Sie sind seit dem 1. Oktober auf der Insel. Warum sind Sie schon so früh angereist?
Bracht: Früh ist gut – vergangenes Jahr war ich 14 Tage eher da. Hauptgrund ist nicht nur die Gewöhnung an das Klima, sondern der Zeitunterschied von zwölf Stunden. Der Körper braucht ein bisschen, um das zu verkraften. Die Deutschen reisen übrigens immer am frühsten an, die haben das Geld und die nötige Freizeit dazu.
Achim-Achilles.de: Wie sieht Ihr Trainingsplan aus?
Bracht: Gerade bin ich in der so genannten Taperphase, das bedeutet Form-Zuspitzung. Da wird das Training runter gefahren, man bewegt sich nur noch leicht. Auf meinem Plan für die Woche vor dem Wettkampf stehen 300 km Rad fahren, 12 km Schwimmen und 60 km Laufen. Das ist etwa die Hälfte von dem, was ich normalerweise trainiere. Jetzt arbeitet vor allem der Kopf hart. Es ist wie vor einer Klausur: das Warten auf den großen Moment.
Achim-Achilles.de: Im vergangenen Jahr wurden Sie 15. Wie gehen Sie das Rennen dieses Jahr an?
Bracht: Ich werde es auf jeden Fall sehr offensiv angehen. Das heißt, dass ich bis zum Ende konzentriert bleibe und mich nicht durch die Rahmenbedingungen oder bestimmte Rennkonstellationen durcheinander bringen lasse. Triathlon ist eine Einzelsportart – das gilt auf Hawaii um so mehr. Die Strecke ist in manchen Teilen für Zuschauer gesperrt, deshalb ist man während des Rennens sehr alleine und mit sich selbst beschäftigt. Mein Ziel ist es, trotzdem positiv gestimmt zu bleiben.
Achim-Achilles.de: Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno sagt, dass er während des Wettkampfs Selbstgespräche führt.
Bracht: Wenn ein Rennen richtig gut läuft, sage ich mir oft: Sei ruhig und laufe. Interessant wird es, wenn ich Probleme bekomme, zum Beispiel wenn ich zu langsam bin. Dann kann das Selbstgespräch schnell kippen: Hast Du doch nicht alles richtig gemacht? Bist Du doch nicht so gut, wie Du denkst? Hälst Du das Tempo doch nicht? In solchen Fragen darf man sich dann nicht verheddern, sondern muss versuchen, ruhig zu bleiben, positiv zu denken.
Achim-Achilles.de: Wie schaffen Sie das?
Bracht: Ich rufe mir positive Erlebnisse aus der Vergangenheit ins Gedächtnis, Rennen, in denen ich sehr stark war. Das wichtigste beim Ironman ist, nicht die Hoffnung zu verlieren. Wenn du keine Hoffnung mehr hast, wird es dunkel. Am Ende zählt dann oft nur noch, ins Ziel zu kommen – egal wie.
Achim-Achilles.de: Manche schaffen es nur auf allen Vieren.
Bracht: Das Problem auf Hawaii: Durch die extreme Hitze hast du einen unheimlichen Flüssigkeitsverlust, dir droht, nicht mehr Herr deiner Sinne zu sein. Beim Rennen vergangenes Jahr ist mir folgendes passiert: Ich musste auf die Toilette, bin aufs Dixie-Klo am Straßenrand gegangen, habe mich hingesetzt. Und beim Aufstehen ist mir komplett schwindlig geworden. Gott sei dank war das Klo so eng, dass ich gar nicht anders konnte als stehen zu bleiben. Erst als ich mich mit Eiswasser wieder runtergekühlt hatte, konnte ich weiterlaufen.

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