18 Juni 2010 02:00
Er ist der Star der österreichischen Laufszene: Günther Weidlinger läuft in Frankfurt seinen zweiten Marathon. Im Interview schildert der 31-Jährige sein Training und gibt Tipps für Hobbyläufer.
Herr Weidlinger, im April debütierten Sie in Wien über die Marathondistanz in 2:12:39 Stunden und verpassten den Landesrekord von Gerhard Hartmann aus dem Jahr 1986 nur um 17 Sekunden. Welche Zielzeit streben Sie in Frankfurt an?
Günther Weidlinger: Ich will einfach einen soliden Marathon laufen und hoffe auf eine gute Gruppe, die rund 3:08 Minuten pro Kilometer anpeilt. Dann werde ich während dem Rennen weitersehen.
Sie sind auf den Mittel- und Langstrecken in Besitz fast aller österreichischen Rekorde. Unter anderen auf den Bahndistanzen 1500 Meter (3:34,69 Minuten), 3000 Meter Hindernis (8:10,83), 5000 Meter (13:13,44) und 10.000 Meter (27:36,46). Der Kilometerumfang im Training für einen Marathon ist aber wesentlich höher. Wie groß war für Sie die Umstellung von der Bahn auf die Straße?
Weidlinger: Ich habe bereits im Jahr 2008, als ich 10.000 Meter gelaufen bin, die Kilometerzahl erhöht und auch schon zu der Zeit als Hindernisläufer gab es Wochen mit knapp unter 200 Kilometer und Ausdauerläufe über 32 Kilometer. Klar, die Umstellung auf den Marathon hat eine nochmalige Steigerung der Wochenkilometer bis auf 225 Kilometer mit sich gebracht und auch die langen Läufe haben sich verlängert und sind mehr geworden. Da ich immer schon der Ausdauertyp war, ist mir das nicht schwer gefallen. Ich liebe die langen Läufe, vor allem wenn mich mein Vater auf dem Rad begleitet und mir bei den harten Einheiten das Tempo vorgibt.
Kämpferisch, immer am Limit, ungeheuer akribisch, 100 Prozent professionell – als welchen Lauftyp würden Sie sich charakterisieren?
Weidlinger: Ich denke die genannten Attribute stimmen alle bei mir. Außerdem würde ich mich als ausdauernd und zielstrebig beschreiben.
Was sind für Sie optimale Marathon-Bedingungen?
Weidlinger: Viele Zuschauer, eine schöne, flache, schnelle Strecke, super Wegbegleiter, kein Wind und circa 12 Grad.
Welche Tipps können Sie als Profi den vielen tausend Hobby- und Freizeitläufern für den Frankfurt-Marathon geben – etwa bei der Regeneration nach einem harten Training?
Weidlinger: Das Thema Regeneration ist ein ganz Wichtiges. Die meisten Hobbyläufer haben ja gerade mal Zeit fürs Training, aber keine Zeit mehr für die richtige Regeneration. Ich liebe es, mich direkt nach harten Einheiten ins Eiswasser zu stellen, um so die Beine zu regenerieren. Am Abend setze ich mich gerne in die Infrarotsauna. Massagen sind natürlich auch eine gute Sache und sollten regelmäßig eingeplant werden.
Haben Sie auch einen Ratschlag für das richtige Trinken während des Wettkampfs?
Weidlinger: Ich habe beim Wien-Marathon den Fehler gemacht und nur wenig getrunken, da mir bereits zwei Monate vor dem Wien-Marathon ein Leistenbruch diagnostiziert wurde. Dadurch hatte ich große Probleme, wenn ich mich beim Trinken während dem Laufen verschluckt habe und husten musste. Ich wollte daher nichts riskieren und habe wahrscheinlich etwas zu wenig Flüssigkeit zu mir genommen. Ich beginne, egal welches Wetter herrscht, bereits bei Kilometer fünf mit der Flüssigkeitsaufnahme und werde mindestens alle fünf Kilometer trinken. Bei etwas höheren Temperaturen werde ich, wenn möglich, auch dazwischen noch Flüssigkeit aufnehmen. Wichtig ist auch, die Flüssigkeitsaufnahme während dem Laufen zu trainieren und das richtige Getränk zu finden.
© Commerzbank Frankfurt Marathon
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