01 April 2011 08:11
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| Hundertjähriger Marathonläufer: Phänomen Fauja Singh |
| 100.000 Dollar für den Altersrekord im Marathon? |
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Happy Birthday, Fauja Singh! Der Popstar unter den Senioren im Marathonsport wird am 1. April 100 Jahre alt. Alternsforscherin und Marathonläuferin Petra Wochnik erklärt, warum der gebürtige Inder bis ins hohe Alter zu Höchstleistungen fähig ist.
Kein Aprilscherz: Am 1. April 1911, vor genau 100 Jahren, wurde die Läufer-Legende Fauja Singh im indischen Punjab geboren. Ein Jubiläum, auf das Laufsport-Fans schon lange gewartet haben. Denn jetzt wäre für Fauja Singh die Zeit reif, sich für alle Ewigkeiten in die Bestenliste des Marathons einzutragen: Als erster Läufer der Weltgeschichte, der mit 100 Jahren einen Marathonwettkampf erfolgreich absolviert hat.
Den Geschwindigkeitsrekord in der Altersklasse M90 hat Fauja Singh schon mehr als sieben Jahren in der Tasche. Am 26. September 2003 lief er in Toronto im Alter von 92 Jahren mit 5:40:04 Stunden den Marathonweltrekord in der – bisher – höchsten Altersklasse. Insgesamt sieben Marathons ist Fauja Singh bisher gelaufen, den letzten mit 93 Jahren in London.
Centenarians nennt die Alternsforschung die Hundertjährigen. Was zeichnet eigentlich die Menschen aus, die diese magische Schwelle überschritten haben? Was macht einen Fauja Singh so einzigartig in der Welt des Ausdauersports? Wissenschaftler sagen, dass sich Unterschiede in den Lebensspannen zu einem Viertel aus der genetischen Veranlagung ergeben. Eine Erklärung, die auf Ausnahmeläufer Fauja Singh aber wohl kaum zutrifft.
Am 1. April 1911 wird Fauja Singh im indischen Punjab als Sohn eines Bauern geboren. Nach einer sportlichen Jugend folgen Jahre harter Arbeit als Farmer und Familienvater von sechs Kindern. Als seine Frau stirbt, zieht er zu seinem jüngsten Sohn nach London. Aus Langeweile und Einsamkeit fängt er im Alter von 80 Jahren wieder mit dem Laufen an. Der praktizierende Sikh ist gemeinsam mit David Beckham Werbeikone für Adidas, Fackelläufer bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und Botschafter für die Olympischen Spiele 2012 in London.In seiner Familie seien alle im Alter zwischen 60 und 70 gestorben, auch seine zwei Brüder und zwei Schwestern, erinnert sich der Methusalem des Marathonlaufs. Lediglich der Großvater väterlicherseits habe ein Alter von 102 erreicht. Auch was die soziale Lage angeht, waren die Grundvoraussetzungen für ein langes Leben eher schlecht; Bildung, Beruf und Schichtzugehörigkeit gelten als Indikatoren für ein langes oder eben auch ein eher kurzes Leben. Fauja Singh hat keine formale Schulausbildung genossen und musste als Kleinbauer im nordindischen Punjab unter schwierigsten Bedingungen sich und seine Familie mit sechs Kindern durchbringen. Fauja Singh zog zwar später nach London um – doch auch als langjähriger Witwer, noch dazu in einem fremden Land dessen Sprache man nicht spricht, stehen die Chancen für ein hohes Alter statistisch gesehen eher schlecht.
Was kann das Geheimnis also sein? Hier kommen die so genannten Verhaltens- und Lebensstilfaktoren ins Spiel. Fauja Singh raucht nicht und trinkt keinen Alkohol. Er ist Vegetarier, verzichtet auf Eier und Fisch, Reis mag er aus persönlichen Gründen nicht. Durch seinen geringen Kalorienkonsum von durchschnittlich unter 1000 am Tag einerseits und dem Energieverlust durch das ausdauernde Laufen, lebt er quasi auf Dauer-Diät, auch wenn er dieses nicht so empfindet. Sein Fettanteil beläuft sich auf gerade mal neun Prozent. Mit einem Gewicht von 52 Kilo bei einer Größe von 1,73 Metern erreicht er einen Body Mass Index (BMI) von nur 17,43. Damit folgt er Erkenntnissen der Wissenschaft, die bei Tierversuchen nachweisen konnte, dass eine dauerhaft reduzierte Kalorienzufuhr zu einem längeren Leben führt. Der Nachweis beim Menschen für diese Theorie steht allerdings noch aus.
"Change your lifestyle" ist auch die Devise von Fauja Singhs langjährigem Trainer Harmander Singh. Der Pionier für das Langstrecken-Training mit Hochaltrigen setzt auf die Erhöhung von Schrittfrequenz und -länge, auf die optimale Synchronisation von Armen und Beinen sowie die Entwicklung eines effizienten Laufstiles unter Ausnutzung kinetischer Energie. Innerhalb von zehn Wochen habe er Fauja Singh vom November 1999 bis zum April 2000 von 20 Kilometer auf die 42 Kilometer Marathondistanz gebracht, erzählt er. Was sicherlich am Trainingsplan lag, aber auch an der Ausnahmeerscheinung des damals bereits 89 Jahre alten Sportlers. Denn der steckt biologisch im Körper eines jüngeren Mannes. Bei einem Knochendichtetest im letzten Jahr zeigte er laut seinem Trainer Werte, die für einen 40-Jährigen normal sind.
Teil 2: 100.000 Dollar für den Altersrekord im Marathon?
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