01 Juli 2010 02:00
Eine amerikanische Studie behauptet: Neuartige Joggingschuhe schaden den Gelenken. Hat die Laufschuhindustrie jahrelang an den Bedürfnissen der Läufer vorbei produziert? Achim-Achilles.de hat Hersteller um Stellungnahme gebeten.
Harald Steindor, Mizuno:
"Die Tatsache, dass wir gegenüber dem Barfußlauf gewisse Nachteile in Kauf nehmen müssen, ist überhaupt nicht neu und fließt seit vielen Jahren in den Sportschuhbau ein. Der Bewegungsablauf ist schlicht ein anderer, wenn barfuß gelaufen wird. Also ist es nicht in jedem Fall der Sportschuh, der hier als Verursacher möglicher (Über-) Belastungen zu sehen ist, sondern sind es viele Aspekte der "Zivilisation": fehlendes Training/Bewegung; der Umstand, dass grundsätzlich Schuhwerk, oft mit enormer Sprengung, im Alltagsleben verwendet wird; dass Laufen nicht mehr automatisch zum täglichen Bewegungsablauf gehört, etc. Meistens sind es aber die zu hohen Intensitäten des sporadischen oder auch regelmäßigen Trainings, die Verletzungen hervorrufen und damit sind die Verursacherprinzipien wo anders zu suchen. Ganz sicher ist der Verzicht auf Schuhwerk unter besonderen Trainingsbedingungen (Rasen/gereinigte Untergründe/vorsichtiges Eingewöhnen) empfehlenswert, aber er würde in den meisten Fällen mehr Schaden zufügen als nutzen. Jedes moderne Trainingsprogramm zielt heute auch auf die Ausbildung gesunder Fußmuskulatur, meist über barfüßiges Training. Dem können wir nur zustimmen."
Reinhold Sussmann, Puma:
"Die Ergebnisse der durchgeführten Studie sind bereits bekannt und enthalten damit keine neuen Informationen. Wir stimmen der grundsätzlichen Aussage der Studie aber zu: Es stimmt nicht, dass die Dämpfung vor Verletzungen schützt. Je stärker die Dämpfung bei einem Schuh ausfällt, desto instabiler wird der Schuh. Bis heute konnten Verletzungen, die aufgrund zu geringer Dämpfung ausgelöst wurden, nicht nachgewiesen werden. Ein aufgrund der Dämpfung sehr weicher Schuh kann jedoch zu Instabilität führen und damit Verletzungen auslösen. Bei Puma ist das Problem bereits seit Jahren bekannt. Puma-Laufschuhe zeichnen sich deshalb durch weniger weiche Dämpfungselemente aus. In der Produktentwicklung werden laufend die neuen Ergebnisse berücksichtigt. Zum Beispiel bieten wir in der neuen Puma Frühjahr/Sommer 2010 Running-Kollektion den 'Puma Complete Concinnity" an, der mittlerweile ohne Stützfunktion auskommt und damit dem Neutral-Laufschuhsegment zugeordnet wird."
Stefan Moosleitner, Newton Running:
"Das Thema ist ja nun nicht ganz neu und auch den Trend zum 'natural running' und Barfußlaufen gibt es bereits seit einigen Jahren.
Die Studienergebnisse sind also keineswegs überraschend. Durch die massiven Dämpfungssysteme im Fersenbereich werden Läufer dazu erzogen, über die Ferse zu laufen, was das Aufsetzen vor der Körperachse, das Abbremsen der Vorwärtsbewegung und in Konsequenz die stärkere Belastung der Gelenke bedingt. Beim natürlichen Laufen auf dem Mittel-/Vorfuß setzt der Fuß näher an der Körperachse auf, was zu einem "runderen" Bewegungsablauf führt, bei dem das natürliche Dämpfungssystem unseres Körpers, unsere Muskulatur, aktiviert wird.
Wir sind nicht der Meinung, dass man bei den gängigen Laufschuhmodellen unbedingt von "modernen" Laufschuhen sprechen sollte. Denn grundlegend hat sich ja hier in den letzten 25 Jahren wenig verändert. Barfußlaufen mag nun auf natürlichem Untergrund, etwa einer Wiese, auf Sand oder auch –wie in der Studie – auf dem Laufband durchaus erquicklich sein. Auf asphaltierten Straßen ist dies jedoch weniger ratsam. Deshalb hat Newton Gründer Danny Abshire bereits vor ca. 15 Jahren begonnen, die den Newton-Schuhen zugrunde liegende Technologie zu entwickeln: das Action/Reaction Dämpfungssystem für den Mittel-/Vorfußbereich, das natürliches Laufen unterstützt und auch auf unnatürlichem Untergrund praktikabel macht. Durch das Laufen über den vorderen Bereich des Fußes sinken auch die Anforderungen an Führungs- und Stabilitätssysteme, was unsere Schuhe komfortabler und vor allem leichter macht."
Oliver Brüggen, Adidas:
"Das Barfusslaufen ist seit jeher die natürlichste Bewegungsform. Ein guter Laufschuh sollte deshalb immer die individuellen Voraussetzungen, den Körperbau und den Laufstil jedes Läufers optimal unterstützen. Grundsätzlich ist ein Schuh erst dann gut, wenn er auch zu dem Läufer passt. Zum einen zu seinen Laufgewohnheiten, zum anderen aber auch zu seiner Laufart, den jeweiligen Untergrund- und Wetterbedingungen. Für Adidas ist es sehr wichtig, gewisse Aspekte des Barfusslaufens bei der Laufschuhentwicklung zu berücksichtigen. Produktexperten entwickeln daher seit mehreren Jahrzehnten immer wieder neue Technologien, die die natürlichen Bewegungsabläufe bestmöglich unterstützen. Technologien wie ForMotion und Torsion erlauben beispielsweise ein natürlicheres Abrollen und reduzieren durch ein optimales Aufsetzen die auftretenden Aufprall- und Scherkräfte."
Ralf Schön, Asics:
"Wir denken, dass Messungen auf dem Laufband die Bewegung beim Laufen auf festem Untergrund nicht exakt simulieren können. Dieser Ansicht ist auch Dr. Stephan Odenwald von der Technischen Universität Chemnitz. Die Laufschuh-Konstruktion bei Asics beruht auf biomechanischen Prinzipien. Unsere Schuhe sind so konzipiert, dass Reaktionskräfte und Belastungen beim Laufen bestmöglich reduziert werden.
Simon Bartold, Asics International Research Consultant, ist der Auffassung, dass die der Studie zugrunde liegenden biomechanischen Werte mehr als 20 Jahre alt sind. Hier ist die Entwicklung inzwischen fortgeschritten und man kann mit präziseren Modellen arbeiten.
Freiheit für die Füße war schon immer das übergeordnete Konstruktionsmerkmal von Asics-Laufschuhen. Bereits Anfang der 80er-Jahre wurden unsere Laufschuhe nach dem biomechanischen Prinzip gefertigt. Dämpfung und Stabilität sind wichtige Kriterien zur Verletzungsprophylaxe. Allerdings kommt es darauf an, die richtige Dosierung für jedes Läuferprofil zu finden. Asics verfolgt dieses Ziel mit adaptiver Technologie für Frauen und Männer. Die Sprengung, die den Unterschied zwischen Barfußlaufen und Laufen ausmacht, versuchen wir, so gering wie möglich zu halten. Wir sind gespannt, wie die Studie in wissenschaftlichen Fachkreisen diskutiert und beurteilt wird."
11 Ratschläge für den Laufschuhkauf

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