18 Juni 2010 02:00
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| Sind Laufschuhe wirklich schädlich? |
| Teil 2: Verlasse Dich nicht nur auf die Schuhe |
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Eine amerikanische Studie wühlt die Seelen der Freizeitläufer auf: Neuartige Joggingschuhe schaden den Gelenken, heißt es. Müssen wir nun barfuß durch die Grünanlagen zuckeln? Achim-Achilles.de hat Experten befragt und gibt Antworten.
Von Wendelin Hübner und Bahador Saberi
Joggingschuhe sind der Fetisch des Freizeitläufers. Sie kosten oft mehr als 100 Euro und haben allerhand bunte, komplexe Zusatzelemente, die schick aussehen und Schutz vor gefährlichen Belastungen verheißen. Ein Versprechen, das moderne Laufschuhe aber gar nicht einlösen, wie eine Aufsehen erregende Studie aus Amerika nun behauptet: Die Schuhe belasten die Gelenke demnach sogar stärker als Barfußlaufen. Ein Forscherteam der University of Virginia hatte 68 Sportler aufs Laufband geschickt, barfuß und in so genannten Stabilschuhen mit einer stützenden Mittelsohle. Ergebnis: An Hüft-, Knie- und Fußgelenken traten höhere Belastungen auf, wenn die Läufer Schuhe trugen. Eine Erkenntnis, über die Abebe Bikila wohl nur müde lächelt. Der äthiopische Marathonläufer gewann 1960 in Rom Olympia-Gold – barfuß.
Was aber ist von der Studie zu halten? Sind neuartige Schuhe wirklich so schädlich? Und welche Schlüsse sollten Läufer aus den Ergebnissen ziehen? Achim-Achilles.de hat bei Medizinern, Trainern, Schuhhändlern und Herstellern nachgefragt.
Die Laufschuhindustrie zeigt sich von den Forschungsergebnissen nicht überrascht. „Das Thema ist nicht neu“, sagt Stefan Moosleitner vom amerikanischen Laufschuhhersteller Newton Running. „Auch den Trend zum 'natural running' und Barfußlaufen gibt es bereits seit einigen Jahren.“ So hört man es auch von Adidas. Und Reinhold Sussmann, Chefentwickler bei Puma, sagt: „Grundsätzlich stimmen wir der Studie zu: Es ist nicht richtig, dass Dämpfung vor Verletzungen schützt.“ Je weicher ein Schuh gedämpft ist, desto instabiler wird er, sagt Sussmann. Dadurch steigt das Verletzungsrisiko. Dass umgekehrt harte Schuhe Verletzungen auslösen, könne nicht nachgewiesen werden.
Kritiker gängiger Schuhmodelle sagen, dass massive Dämpfungssysteme dazu verleiten, über die Ferse zu laufen. Dadurch wird der Fuß vor der Körperachse aufgesetzt, die Vorwärtsbewegung abgebremst und die Gelenke werden stärker belastet. Beim natürlichen Laufen auf dem Mittel-/Vorfuß setzt der Fuß dagegen näher an der Körperachse auf, was zu einem „runderen" Bewegungsablauf führt. Das aktiviert das natürliche Dämpfungssystem des Körpers: die Muskulatur.
Die Hersteller rüsten aber seit Jahren um die Wette auf und bringen in kurzen Abständen Modelle in die Regale, die sich in ihrer Kissenhaftigkeit geradezu überbieten. Längst nicht jede Innovation sei sinnvoll; die Nachfrage bestimme aber das Angebot, glaubt Dr. Matthias Marquardt, Spezialist für Bewegungsanalyse: „Der Kunde will lieber mehr Technologie als weniger.“ Der Schuh als Statussymbol: Was dem Sportwagen der Spoiler am Heck, ist dem Schuh das Polster in der Sohle. Außerdem würden Laufschuhe von den Herstellern als orthopädisches Instrument vermarktet. Dadurch erwarteten die Läufer von ihren Schuhen zu viel – nach dem Motto: Wenn es im Oberschenkel zwickt, liegt es an den Sohlen, nicht am falschen Training. „Das Wunschdenken der Käufer ist: Der Schuh nimmt mir das Training ab“, sagt Marquardt.
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