16 Juni 2010 02:00
Marathon
Wer eine schnelle Marathonzeit laufen will, sollte ausnahmsweise auf kaltes Wetter hoffen. Forscher haben den Zusammenhang zwischen Temperatur und Weltrekordzeiten untersucht.
Hätte Haile Gebrselassie seinen Fabelweltrekord auch bei höheren Temperaturen als den am Sonntag gemessenen 12,9 Grad geschafft? Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Zeiten beim Berlin-Marathon? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Forscher der Freien Universität Berlin (FU) und Meteorologen vom Verein Berliner Wetterkarte. Ihr Ergebnis: Die Temperatur entscheidet tatsächlich über die Zielzeit. Niedrige Temperaturen kommen den Läufern dabei zugute.
Besonders deutlich zeigt sich diese Erkenntnis bei Läufern mit einer Zielzeit zwischen drei bis vier Stunden. Je wärmer es wird, desto eher sinkt für ambitionierte Hobbyläufer die Wahrscheinlichkeit, unter die Vier-Stunden-Marke zu kommen. Schnelle Marathonis, die locker unter drei Stunden laufen, macht wärmeres Wetter dagegen weniger aus.
Und Weltklasseläufer? Die Wissenschaftler untersuchten auch den Zusammenhang zwischen Wetter und Weltrekordzeiten. Ein Ergebnis: Die Temperatur hat auf die Zeiten der Spitzenläufer wie Haile Gebrselassie oder Irina Mikitenko sehr geringe Auswirkungen. Das heißt, je besser die Läufer sind, umso resistenter sind sie gegen hohe Temperaturen. Die Wissenschaftler konnten „aus den bisherigen wenigen Fällen keine signifikanten Zusammenhänge“ zwischen Rekordzeiten und Wetter ableiten. „Andere Faktoren wie die körperliche Leistungsfähigkeit schienen entscheidender zu sein“, sagt Meteorologe Dümmel. Die Wetterforscher gehen davon aus, dass Wettereinflüsse eine untergeordnete Rolle spielen, je höher die körperliche Leistungsfähigkeit ist. Dennoch könnte die Temperatur über Sekunden entscheiden, wenn Athleten Rekordzeiten laufen.
Zumindest ein Beispiel stützt die These der Wissenschaftler: 1999 lief die Kenianerin Tegla Loroupe mit 2:20:43 Stunden in Berlin Marathon-Weltrekord. Die Temperatur lag bei 16 Grad Celsius, die relative Luftfeuchtigkeit bei mehr als 90 Prozent. 2001 lagen die Temperaturen bei 13 Grad, die Luftfeuchte um 80 Prozent. Unter diesen kühleren Bedingungen stellte Naoko Takahashi den Weltrekord der Kenianerin ein.
Für die Studie hatten fünf Berliner Schülergruppen mit mobilen Messgeräten Wetterdaten beim Berlin-Marathon gesammelt: An fünf Streckenpunkten erfassten sie alle zehn Minuten Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die Windgeschwindigkeit. Ziel des seit 2007 laufenden Projekts ist es, mit den gewonnenen Erkenntnissen ein Warnsystem für Läufer zu entwickeln. Damit soll es den medizinischen Rettungskräften möglich sein, ihre Einsätze vor dem Wettkampf besser vorzubereiten. Regelmäßig müssen beim Berlin-Marathon Ärzte eingreifen, um Läufer medizinisch zu versorgen.
„Mit unseren Untersuchungen wollen wir Belastung und Gefährdung beim Marathon abschätzbarer machen“, sagt Meteorologe Thomas Dümmel von der FU Berlin. Auch andere Sportveranstaltungen wollen die Wissenschaftler in Zukunft auf Zusammenhänge zwischen Wetter und Leistung der Athleten untersuchen.
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