Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
23 Juni 2010 02:00
Marathon
Marathonis in London: die Lunge voll, die Beine gestählt (Foto: Copyright onEdition 2008©)
Tausende Freizeitläufer trainieren derzeit für das absolute Highlight der Saison: den Berlin-Marathon. Die Lauftrainer von jk running stehen ihnen mit Tipps und Tricks zur Seite. Jeden Dienstag in dieser Kolumne.
Von Piet Könnicke
Trainingstagebucheintrag, vergangenen Sonntag: "Ging eigentlich ganz gut. Aber die letzten drei Kilometer waren dann doch schwer. Kann mir nicht vorstellen, dass ich das noch 12 Kilometer weiter geschafft hätte."
Die Vorstellungskraft des angehenden Marathonläufers, in vier Wochen 42 Kilometer am Stück zu laufen, stößt dieser Tage mitunter an ihre Grenzen. Eher kann man sich vorstellen, irgendwann mal zum Mond zu fliegen, "Sexiest Man Alive" zu werden oder Stand-by-Fahrer bei Ferrari, da Schumi ja nun endgültig weg ist. Aber Marathon? Vor allem Läufer, die zum ersten Mal die "große Runde" laufen wollen oder noch nicht so viel Erfahrung haben, fragen sich, wie das gehen soll. Sie laufen derzeit bis zu 30 Kilometer, machen 10 mal 1000 Meter, trainieren fast jeden Tag – doch 42 Kilometer erscheinen irgendwie illusorisch.
Die Antwort liegt genau in dieser Aufzählung: Durch die Summe der gegenwärtigen Trainingseinheiten ist man natürlich müde und erschöpft. Da kostet es mitunter schon Überwindung, zur nächsten Einheit anzutreten, obwohl man sich alles andere als fit und bereit fühlt. Man empfindet einen generalisierten Ganzkörperschmerz und wenn der Kopf nicht wiederholt "Ja" sagen würde, könnte man die Beine laut "Nein" schreien hören. Während einer Marathon-Vorbereitung ist es eine der interessantesten Selbsterfahrungen, wie man sich trotz Müdigkeit und Erschöpfung überwinden und immer wieder mobilisieren kann. Nach einigen Minuten, manchmal dauert es auch länger, ist man drin im gewohnten Rhythmus. Es läuft, man rollt, die Lunge macht ihren Job, die Muskeln fühlen sich zunehmend geölt und geschmiert an. Manchmal bleibt eine Einheit aber auch von Anfang bis Ende eine zähe Angelegenheit – auch das gehört dazu. Dann heißt es, nicht lange drüber nachdenken und Kilometer runterspulen.
Durch das hohe Pensum der vergangenen Wochen ist man in einem sehr guten Fitnesszustand und hat das Vermögen, sich schnell und gut zu erholen. Schon nach einer Entlastungswoche oder auch nur zwei, drei Tagen Ruhe oder reduzierten Trainings läuft es besser. Aus dieser Erfahrung und Erkenntnis gilt es, die Zuversicht zu gewinnen, dass die 42 Kilometer zu schaffen sind. Und es ist ja schon Land in Sicht: Berlin rückt näher, der August ist fast zu Ende – die Trainingsumfänge werden bald nicht mehr zu hoch sein, das Ausrufezeichen wird häufiger hinter Entlastung und Regeneration stehen. Unsere Lungen sind voll, die Beine gestählt.
Der Plan sieht 20 Kilometer vor, an deren Ende wir sagen: Ich hätte noch ewig laufen können. Ganz so weit muss es ja gar nicht sein, 42 Kilometer reichen. Und die schaffen wir, weil wir am 20. September ausgeruht sind, weil wir in den Tagen zuvor nicht 10 x 1000 Meter und auch keine 25 Kilometer gelaufen sind. Weil wir Adrenalin und Endorphine als Treibstoff haben, uns Tausende an der Strecke anfeuern und weil wir durchs Brandenburger Tor wollen. Und weil wir uns eine sehr schöne kenianische Weisheit als Schlusswort dieser Kolumne in Erinnerung rufen: "The training is hard, the marathon is easy!"
Früher war Piet Könnicke selbst erfolgreicher Läufer, unter anderem mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 63:40 Minuten. Heute ist er als freiberuflicher Autor sowie als Lauftrainer bei jk running tätig. Er betreut Läufer vom ersten Schritt bis zu den lang ersehnten 42 Kilometern. Dabei geht es weniger um Zeiten als um die ganz persönliche Genugtuung des Läufers.
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