23 Juni 2010 02:00
Delphine sind sehr intelligent – wie man inzwischen weiß. Ihre Trainer jedoch sind noch intelligenter. Der Motivationsexperte erklärt, wie Läufer deren Wissen nutzen.
Schaut man Delphinen zu, wie sie ihre Kunststücke vollführen, sieht das ganz leicht und spielerisch aus. Daraus den Schluss zu ziehen, es sei auch einfach, Delphine zu trainieren, ist allerdings ein großer Irrtum. Es ist ein langer und schwieriger Weg, den ein Trainer mit seinen Delphinen hinter sich hat, wenn er sie das erste Mal dem Publikum vorstellt. Warum?
Delphine haben eine außerordentlich hohe Intelligenz. Nach allem, was wir beobachten, ohne in sie hineinschauen und sie befragen zu können, sind sie motiviert, all die kunstvollen Figuren zu lernen und zu präsentieren. Ein Delphin-Trainer braucht eine kleine Pfeife mit kaum hörbaren Signalen – das ist die eine Hälfte seines Instrumentariums. Die zweite Hälfte ist ein Eimer mit Fischen. Die Delphine strengen sich an, weil sie wissen, dass sie mit extra Portionen Fisch belohnt werden. Soweit wird das nichts Neues für Sie sein. Was ist nun aber das Geheimnis der Delphin-Trainer?
Besonders erfolgreiche Delphin-Trainer achten sehr drauf, dass die Belohnungsfische von unterschiedlicher Größe und Art sind. Wenn sie nämlich ihren Delphinen immer die gleichen Fische anbieten, lässt deren Elan beim Training rasch nach. Sie sind so intelligent, dass sie ihren Trainer herausfordern: Lass Dir was einfallen, dann springe ich wieder höher, weiter und drehe mich auch noch im Flug mehrfach um die eigene Achse. Sie wollen für besondere Leistungen auch besonders belohnt werden. Delphine lassen sich nicht nur trainieren, sie verstehen es auch ganz geschickt, ihren Trainer zu trainieren (und falls Sie eine Katze besitzen, wissen Sie, worüber ich schreibe). Wenn sich der Trainer nicht ständig etwas Geschicktes einfallen lässt, seine Delphine bei Laune zu halten, schwimmen sie einfach weg.
Der Trainer, der das versteht, gewinnt die Kooperation seiner Tiere durch unterschiedliche Grade an Belohnungen. Nun ist aber auch der Trainer nicht dumm. Wenn er sich geradlinig auf diese Eskalation einließe, müsste er nämlich immer größere und teurere Fische kaufen und das Ganze hätte rasch ein Ende.
Der Trainer überlistet seine Delphine indem er sie überrascht. Mal gibt es einen besonders leckeren Fisch für eine besondere Leistung, mal aber auch nur den normalen kleinen Fisch. Manchmal gibt es über längere Zeit hinweg nur kleine Fische, dann mal wieder zwei oder drei saftige Brocken nacheinander. Die Delphine wissen nie genau, wann es was gibt. So strengen sie sich kontinuierlich an, um sich möglichst alle Optionen zu wahren.
Macht Sinn – oder? Was heißt das aber für Sie und Ihren Bezug zum Laufen? Ich hatte in einem früheren Beitrag darauf hingewiesen, dass wir Menschen zwei Antriebssysteme haben. Das erste Antriebssystem können wir durch Belohnungen ("Fische") in Gang setzen (extrinsisch), das zweite ist unser inneres Belohnungssystem (intrinsisch).
In der Anfangsphase oder nach Trainings-/Laufpausen sind die "extrinischen", also die von außen kommenden Belohnungen, über die sich unser erstes Antriebssystem freut, wirkungsvoller. Anregungen zu dieser Art von Belohnungen finden Sie zum Download in unserer Belohnungsliste. Anfängern empfehle ich, für die ersten vier bis fünf kleineren Zwischenziele, die Sie sich setzen, knusprige Belohnungen auszudenken. Mit diesen können Sie sich nach Erreichen bestimmter Zeiten oder Laufdistanzen dann selbst belohnen.
Für die Fortgeschrittenen unter Ihnen, die ja auch immer mal wieder in Motivationslöcher geraten, folgender Tipp: Machen Sie es wie ein Delphin-Trainer. Überraschen Sie sich. Denken Sie sich sieben bis zehn gute Belohnungen unterschiedlichen Stärkegrades und Aufwandes aus. Schreiben Sie diese auf kleine Zettel, rollen Sie diese Zettel zusammen wie ein Los. Kleben Sie sie zu oder machen Sie ein Gummiband um das Los. Dann setzen Sie sich fünf abgestufte Teilziele für die nächsten vier bis acht Wochen. Jedesmal, wenn Sie ein Teilziel geschafft haben, dürfen Sie ein Los ziehen und sich mit dem “Gewinn” des Loses belohnen. Ein raffinierter Weg, die eigene Trägheit zu überwinden. Und lassen Sie Ihrer Fantasie so richtig freien Lauf, wenn Sie sich Ihre Belohnungen ausdenken. Sie sind ja schließlich kein Delphin, der sich mit einem Fisch aus dem Wasser locken lässt.
Viel Spaß beim Belohnen wünscht Ihnen
Ihr Flow Doc Gerhard Huhn
P.S: Für die Mutigen unter Ihnen: Lassen Sie die Belohnung von Ihrem Partner, Ihrer Partnerin, einem guten Freund, einer guten Freundin ausdenken. Wird noch spannender – das verspreche ich Ihnen!
Die wichtigsten Begriffe zum Thema Motivation

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