Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
23 Juni 2010 02:00
Wenn das Läuferglück abflaut, hat sich womöglich Routine eingeschlichen. Mit der richtigen Balance zwischen Herausforderung und Lächeln gewinnen Sie Ihre Freude am Laufen zurück. Der Flow-Doc zeigt, wie es geht.
Was ist das größte Risiko, wenn Sie über das Anfängerstadium hinaus sind und regelmäßiges Laufen Teil Ihres Lebens geworden ist? Ich sehe es an Ihren Fragen und dem starken Interesse am Thema Motivation: Gerade Menschen, die es geschafft haben, ohne großen mentalen oder körperlichen Aufwand mehrfach pro Woche zu laufen, verlieren irgendwann die Lust daran. Sie suchen dann mehr oder weniger ratlos nach der verschwundenen Motivation.
Es ist ein in der Tat etwas vertrackter "Mechanismus", der uns immer wieder das langweilig werden lässt, was uns gerade noch Spaß gemacht hat. Ein genialer und zum Glück mit viel Ausdauer gesegneter Forscher, der ungarisch-amerikanische Psychologieprofessor Mihaly Csikszentmihalyi, hat herausgefunden warum das so ist. Ausführlicher ist das in seinem Buch: "Flow – Das Geheimnis des Glücks" und auch in dem von Hendrik Backerra und mir verfassten Buch: "Selbstmotivation – Flow – statt Stress oder Langeweile" beschrieben. Ich konzentriere mich hier nur auf einen Aspekt: Freude und Glück erleben wir besonders dann, wenn uns etwas gelingt, das wir als Herausforderung wahrnehmen. Und es gelingt uns, weil wir unsere Fähigkeiten entsprechend erweitert haben. Es gibt in uns ein Antriebssystem*, das uns mit intensiven Zufriedenheitsgefühlen belohnt. Wir müssen die Balance zwischen Herausforderung und den Fähigkeiten zu ihrer Bewältigung hinbekommen.
Diese Balance verlieren wir, wenn die Fähigkeiten durch ständige Übung und Hinzulernen wachsen, die Herausforderung aber in etwa die gleiche bleibt. Und umgekehrt: Wenn die Herausforderung zu groß ist und unsere Fähigkeiten sie zu bewältigen nicht ausreichen, produziert unser System durch Stress und Angstgefühle Unlust oder gar Schmerz.
In der folgenden Abbildustellung werden diese Zusammenhänge noch einmal verdeutlicht. Professor Csikszentmihalyi hat für die Momente, in denen wir das Gefühl haben, dass alles stimmig, großartig und toll ist, in denen wir uns eins mit uns selbst und der Welt fühlen und optimale Augenblicke erleben, Flow Erfahrugen genannt. Da die Teilnehmer an seinen Untersuchungen immer wieder von einem warmen, durchströmenden Gefühl, von einer Leichtigkeit, einem Fließen, im Englischen eben "flow" berichteten.
1. Die Fähigkeiten entsprechen der Herausforderung: Freude, Glück, FLOW
2. Bei wiederholter Bewältigung der gleichen Herausforderung: FLOW und Erweiterung der Fähigkeiten durch wiederholendes Lernen.
3. Bei der Bewältigung der gleichen Herausforderung stellt sich nun Routine ein, da die Fähigkeiten soweit zugenommen haben, dass die Balance zwischen Herausforderungen und Fähigkeiten nicht mehr gegeben ist: Langeweile als Folge der Unterforderung.
4. Nun wird eine wesentlich größere Herausforderung gesucht, die jetzt die Fähigkeiten übersteigt. Wiederum wird die Balance gestört: Fehlschlag, Stress und Frust, möglicherweise sogar Angst, diesmal durch Überforderung.
5. Eine neue, angemessene Herausforderung wird gesucht: erneut FLOW.
Wir haben offensichtlich ein sehr subtiles inneres Bewertungs- und Abstimmungssystem, das uns im wahrsten Sinne auf Trab hält. Wenn wir aufhören, uns im FLOW-Kanal aufwärts zu bewegen, also weder neue Herausforderungen suchen noch neue Lernanstrengungen auf uns nehmen, verlässt und das Glücksgefühl wieder. Diese Art des Glücks ist also eine vergängliche, aber immer wieder erneuerbare Erfahrung.
Nun zurück zu Ihrer verschwundenen Motivation beim Laufen: Das zuvor Beschriebene bedeutet also, dass es riskant ist, in dem gewohnten Maß einfach weiter zu machen, wenn Sie eine Zeit lang gelaufen sind und Routine aufkommt. "Glück", so Csikszentmihalyi, "ist eine Frage des Bewusstseins." Machen Sie sich klar, dass Sie die Lust am Laufen verlieren werden, wenn Sie sich nicht neue Herausforderungen suchen. Das kann, wie ja bereits in früheren Beiträgen deutlich gemacht, eine Veränderung der Laufstrecke, eine Erhöhung des Tempos, eine längere Laufzeit oder ähnliches sein. Es muss allerdings nicht unbedingt auf ein "Schneller, Höher, Weiter" hinauslaufen. Die Herausforderung kann auch darin bestehen, sich selbst, die Landschaft oder andere, die mitlaufen, bewusster wahrzunehmen.
Wenn ich mir die vielen Gesichter von Läufern in Erinnerung rufe, die mir begegnet sind, könnte eine besonders große Herausforderung möglicherweise darin bestehen, mit einem verschmitzten Lächeln um die Mundwinkel statt mit verzerrtem Gesicht zu laufen. Sie werden sich wundern: auch das ist möglich. Sieht man aber häufiger am Strand von Venice und weniger an der Alster.
Über eine ganz fantastische Herausforderung berichte ich Ihnen im Artikel "Gemeinsam zum Erfolg".
In diesem Sinne ein glückliches, gesundes und laufintensives Jahr 2009!
Ihr
Flow-Doc Gerhard Huhn
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* Wer es ganz genau wissen will, kann das bei Dietmar Hansch in „Erfolgsprinzip Persönlichkeit“ – eine Einführung in die Psychosynergetik – in seiner Wirkungsweise beschrieben sehen.
Die besten Tipps für ein motiviertes Lauftraining
Mach aus einem großen Ziel viele kleine

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