23 Juni 2010 02:00
Wer sportlichen Erfolg erklären will, nennt fast immer diese beiden Begriffe: Motivation und Wille. Doch wie unterscheiden sie sich?
Der italienische Psychologe Roberto Assagioli hat (im Unterschied zu anderen Psychologen) stets zwischen Motivation und Willen unterschieden. "Aus der Motivation heraus lässt sich nicht alles regeln", lautet Assagiolis Grundidee. Wenn ein Mensch ein Ziel und gute Motive hat, kann er alles erreichen. Vorausgesetzt er entwickelt den entsprechenden Willen. Die Motivation ist der Startzünder. Zur Verwirklichung bedarf es aber des Willens. Spannend dabei: Viele sind durchaus motiviert zu laufen, aber sie bringen es einfach nicht zustande.
Nehmen wir einmal an, Motivation und Wille seien wie die zwei Seiten einer Medaille. Es ergeben sich zwei Fragen: Wie können wir beide Kräfte unterscheiden? Können oder müssen sie unabhängig voneinander entwickelt werden?
Wenn es um den Willen geht, verbindet man gewöhnlich etwas Strenges und Verbietendes damit, eine verurteilende Instanz, die meistens von außen aufgezwungen wird und andere Aspekte der menschlichen Natur unterdrückt. Die wahre Funktion des Willens besteht jedoch darin, alle Fähigkeiten und Energien des Menschen auf konstruktive Weise zu nutzen. Der Wille liegt in der Mitte der Persönlichkeit jedes Menschen und ist mit dem Kern seines Wesens – seines eigentlichen (authentischen) Selbst – verbunden.
Der Wille lässt sich am besten mit dem Steuermann eines Schiffes vergleichen. Er kennt den Kurs des Schiffes und verfolgt ihn trotz widriger Strömungen. Die Kraft, die der Steuermann für das Drehen des Steuerrades aufwendet, unterscheidet sich von der, die für die Fortbewegung des Schiffes erforderlich ist. Ganz gleich, ob die Antriebskraft des Schiffes von Maschinen, vom Wind, oder durch Rudern erzeugt wird.
So gesehen, hat der Wille wenig mit dem zu tun, was man sich unter diesem Unbehagen hervorrufenden Begriff vorstellt und was auf Missverständnissen beruht.
Egal, wovon wir träumen, der Wille ist der Koordinator, der sämtliche Informationen verarbeitet und dafür sorgen kann, dass wir uns fokussieren. Er nimmt unsere Vermutungen, Reaktionen, Gefühle und Träume ernst, führt sie zusammen und hilft uns, auf dem Weg zu bleiben, auf dem wir das Ziel erreichen können.
Wollen wir das Zusammenspiel beider Kraftquellen entschlüsseln, so sind die Ziele, Motive, Wünsche, Gefühle und Vorstellungen des Menschen seine Motivationskräfte, die ihn nach vorne bewegen. Der Wille ist dagegen die konstruktive, leitende und regulierende Kraft, die all dieses zu einer ganzheitlichen Verwirklichung des individuellen Wesens des betreffenden Menschen im handelnden Tun umsetzt.
Ihr Wille hilft einem dementsprechend weiter, wenn die Motivation mal schwächer wird oder man durch andere Motivationen abgelenkt sind. Ohne die ursprüngliche Motivation bleibt der Wille jedoch ungerichtet und daher kraftlos. Beide Kräfte bedingen einander und der, der sie meistert, meistert alle Schwierigkeiten.
Motivation und Wille erfordern daher auch unterschiedliche Herangehensweisen, wenn man sie verstärken will. Mit den Fragen der Motivation beschäftigen wir uns an anderer Stelle, wenn wir uns mit Zielen, Visualisierungen und den Fragen der intrinsischen wie extrinsischen Motivation beschäftigen. Nachfolgend beginnen wir mit einem Training des Willens. Auch auf dieses Thema werden wir in unseren Beiträgen immer wieder zurückkommen.
Die Tat des Willens besteht aus sechs aufeinander folgenden Phasen oder Stufen. Wenn Du Dich auf ein Ziel hinbewegst, leitest Du Deinen Willen durch die folgenden Etappen:
Wir werden auf diese Stufen Schritt für Schritt zurückkommen. Für heute wollen wir den Einstieg in dieses Thema mit einer kleinen Übung beenden:
Erkennen Sie den Wert des Willens. Wenn Ihnen erst einmal seine Bedeutung klar ist, werden Sie ein stärkeres Interesse an seiner Entwicklung und Stärkung haben.
1. Denken Sie an eine Begebenheit, in der die Willenskraft nicht stark genug war und Sie eine wichtige Chance verpasst haben. Notieren Sie diese hier:
2. Welche Folgen hatte dies für Sie?
3. Welche Folgen hatte es für andere?
4. Denken Sie an die nächste Gelegenheit, bei der es darauf ankommt, Willenskräfte einzusetzen: Welche Vorteile verschaffen Sie sich, wenn Sie Ihren Willen einsetzen?
5. Überlegen Sie drei sehr kleine Schritte, die Sie jetzt sofort (z.B. zur Vorbereitung Ihrer nächsten Laufanstrengung) in die Tat umsetzen:
z.B. den Laufpartner anrufen und Termin vereinbaren, Laufstrecke auswählen, Belohnung auswählen.
Nichts übertreiben, lassen Sie das zarte Pflänzchen Wille von selbst wachsen!
Warum Motivation nicht per Knopfdruck funktioniert

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