19 August 2011 00:00
Wie lange brauche ich, um für den Triathlon zu trainieren? Was ist "Psychophische Regulation"? Und was ist so faszinierend an einsamen Mehrtages-Joggingtouren? Antworten findet man in den Büchern des Monats.

Wichtigster Satz: „Um das Unmögliche möglich zu machen (die Welt umsegeln, eine Meile unter vier Minuten laufen, zum Mond fliegen), muss man das Populäre ignorieren.“
Was steht drin? Weniger Fett, mehr Muskeln, besserer Sex, schneller Rennen – Timothy Ferriss erhebt mit „Der 4-Stunden-Körper“ den Anspruch, den universellen Ratgeber für gesundes, aktives, glückliches Leben vorgelegt zu haben. Das ziegelsteindicke Buch ist ausgiebig und teilweise pikant illustriert („Der 15-Minuten-Orgasmus der Frau“). Die Kapitel werden außerdem durch Listen, Übungstipps und Trainingspläne aufgelockert, so dass sich das Buch prima als Nachschlagewerk für fast alle Themen rund um den Körper eignet.
Wer hat’s geschrieben? Der Amerikaner Timothy Ferriss, Jahrgang 1977, gründete nach seinem Abschluss an der Princeton-University 2001 sein erstes Unternehmen und verkaufte Sportlernahrung. Auf einer Weltreise merkte er, dass er seine Firma nebenbei in vier Wochenstunden führen kann – über seine Erfahrungen schrieb er den Bestseller „Die 4-Stunden-Woche“, der ihn vor allem unter Managern berühmt machte. Heute posiert er auf Pressefotos gerne mal mit Sixpack.
Wer braucht’s? Ungeduldige Zeitgenossen, Manager, Freunde erotischer Zeichnungen

Wichtigster Satz: „Alles, was Menschen in ihrem Leben tun oder auch unterlassen, geht vorher in irgendeiner Weise durch ihren Kopf – das gilt auch für sportliche Betätigungen.“
Was steht drin? Der Autor versucht, 100 Begriffe im Sport zu definieren: wissenschaftlich fundiert und trotzdem für die Allgemeinheit verständlich. Der Leser erfährt, was unter „Psychophysische Regulation“ zu verstehen ist, aber auch was eine „Krise“ im Sport bedeutet. Für Laien ist etwas schwer nachvollziehbar, nach welchen Kriterien der Autor die Prinzipienliste zusammengestellt hat. Auch würde man bei dem ein oder anderen Thema gerne noch mehr erfahren als die bloße Begriffserklärung. Aber genau dafür ist das Buch da: Es ist als Nachschlagewerk gedacht und zum Einstieg in die Sportpsychologie geeignet. Außerdem kann man beim nächsten Lauftreff dozentenhaft auftreten und mit Fachwissen angeben.
Wer hat's geschrieben? Thomas Meyer ist ausgebildeter Bademeister, Masseur, Sportlehrer, Therapeut, Sportwissenschaftler und ehemaliger Leistungssportler im Wasserspringen. Er hat im Themenfeld Sportpsychologie promoviert, lebt und arbeitet in Karlsruhe.
Wer braucht’s? Hobbypsychologen, Laien-Mediziner, Läufer mit Mentalproblemen, leistungsorientierte Sportler, Trainer

Wichtigster Satz: „Wer gesund ist, wer genug Disziplin mitbringt und wessen familiäre und berufliche Lebensumstände des Zeitaufwand eines vorbereitenden Trainings erlauben, der kann bei einem Ironman-Triathlon das Ziel erreichen.“
Was steht drin? Dirk wiegt 100 Kilo, Thomas raucht Kette, Martin ist Gelegenheitsläufer, Anna-Sophias größte sportliche Leistung ist eine Runde um die Alster – acht Monate später sind die vier fit für den Iroman Lanzarote. Mathias Müller, selbst mehrfacher Ironman, macht dieses kleine Sportwunder möglich. Begleitet von einem Fernsehteam bringt er den Triathlon-Novizen das Wichtigste bei über Schwimmen, Laufen und Radfahren. Dank seines Buches kann mit den Sportmuffel bei ihrer Verwandlung zu Superathleten mitfiebern – und selbst eine Menge Handfestes über den Triathlon lernen. Denn der Erfahrungsbericht wird ergänzt durch eine Reihe von illustrierten Expertenbeiträgen zu Training, Ausrüstung und Ernährung.
Wer hat’s geschrieben? Mathias Müller lebt als Journalist, Autor und Übersetzer in Hamburg. Seit 1991 ist er aktiver Triathlet, drei Mal finishte er den Ironman auf Hawaii. Mit dem "Mythos Ironman Hawaii" setzte sich Müller auch schon in seinem Buch „17 Stunden Ruhm“ auseinander.
Wer braucht’s? Ironman-Anwärter, Läufer mit Motivationsproblemen, ehrgeizige Sporteinsteiger
Raimund Teismann: „Auf die Füße, fertig, los!“ – Faszination Joggingtouren, 178 Seiten, Ontour-Verlag, 11,90 Euro.Wichtigster Satz: „Das Lauftempo tendiert mal wieder gegen null, aber immerhin sind es Laufbewegungen, wenn auch eher zeitlupenhaft.“
Was steht drin? Raimund Teismann unternimmt Mehrtages-Joggingtouren. Er joggt, trabt und läuft – es sei aber kein Extremsport, schreibt der Autor. Vielmehr diene das Ganze zur „Gedankenmüllbeseitigung“, zum Leeren der Festplatte. Seine Touren führen ihn nach Straßburg, Trier, Flandern oder Luxemburg. 40 bis 85 Kilometer am Tag: nur laufen, essen, ausruhen, schlafen und – im wahrsten Sine des Wortes: beiläufig reisen. Acht Erlebnisberichte gibt Teismann in seinem Buch zum Besten. Die Texte sind sehr sachlich, nüchtern, fast protokollhaft, die Fotos sind schwarz-weiß und sehr klein. Dennoch ist das Buch durchaus lesenswert: Teismann gibt nützliche und handfeste (Reise-)Tipps, vermeidet Besserwisserei und schreibt wohltuend uneitel.
Wer hat’s geschrieben? Raimund Teismann, Jahrgang 1944, aus Gütersloh, hat in Lateinamerika und im Rheinland gelebt. Der ehemalige Berufschullehrer liebt das Laufen, Reisen und Schreiben.
Wer braucht’s? Reisende Läufer, laufende Reisende. Alle, die mal eine neue Laufstrecke nötig haben.


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