20 September 2011 00:00
Wie schnell kann ein Mensch einen Marathon laufen? Kann ich fit werden wie ein Elitesoldat – ganz ohne Geräte? Wie schaffe ich es, endlich meine guten Vorsätze auch mal umzusetzen? Und wie wird Laufen zu einer spirituellen Erfahrung? Unsere Bücher des Monats.
John Brenkus: „100 Meter in 8 Sekunden? Wie Wissenschaftler die Grenzen sportlicher Leistung vorhersagen“, 256 S., Riva-Verlag, 16,99 Euro.Wichtigster Satz: "Jedes Mal, wenn jemand behauptet, dass wir es nicht schneller, höher, weiter schaffen, kommt jemand anders daher, beweist uns das Gegenteil und lässt den Zweifler seine Narrheit bereuen.“
Was steht drin? In diesem Buch geht es um Rekorde. Aber nicht um sportliche Bestleistungen, die Menschen schon geschafft haben, sondern um Rekorde, die noch möglich sind – selbst, wenn sie womöglich nie erreicht werden. Es geht um das optimale Zusammenspiel aller leistungssteigernden Faktoren. Autor John Brenkus ist immer auf der Suche nach der absoluten Grenze und berichtet vom schnellstmöglichen Lauf, vom höchstmöglichen Basketball-Dunk, vom schwersten je zu stemmenden Gewicht. Er rechnet, kalkuliert, argumentiert – auf höchst unterhaltsame, überraschende und überzeugende Art. Er lehnt sich sogar soweit aus dem Fenster, dass er die schnellste Marathonzeit, die je gelaufen werden kann, sekundengenau angibt: So viel sei verraten: Sie liegt unter zwei Stunden.
Wer hat’s geschrieben? John Brenkus ist das, was man einen sympathischen Verrückten nennt. Der Amerikaner macht in seiner preisgekrönten TV-Show "Sport Science“ Wissenschaft anschaulich. In aufwendigen Experimenten untersucht er Geschicklichkeit, Kraft und Schnelligkeit von Amerikas bekanntesten Profisportlern und filmt sie in Super-Zeitlupe. Heraus kommt eine Art Knoff-Hoff-Show 2.0.
Wer braucht’s? Sportinteressierte Nerds; Sportler, die wissen wollen, wo ihre Grenzen sind.
Mark Lauren/Joshua Clark: „Fit ohne Geräte – Trainieren mit dem eigenen Körper", 203 S., Riva-Verlag, 16.99 Euro.Wichtigster Satz: "Seit zehn Jahren bringe ich durch Training mit dem eigenen Körpergewicht die schlanksten, stärksten und selbstbewusstesten Menschen der Zivilisation hervor.“
Was steht drin? Auf dem Buchcover sehen wir einen durchtrainierten, halbnackten Mann, der im Freien – und offensichtlich auch noch im Regen – Liegestütze macht und dabei einen Urschrei ausstößt. Spätestens da denken die meisten: Das ist nichts für mich. Doch auch wenn das Buch nach militärischem Drill aussieht, ja förmlich riecht, und nicht gerade durch gewagtes Layout besticht, hat es doch eine gewisse Anziehungskraft. Hat Buchautor Mark Lauren seinen Adoniskörper wirklich ganz ohne Geräte erschaffen? In schnörkellosen Kapiteln kommt Lauren schnell zum Wesentlichen: Das Dach brennt, Rumänisches Kreuzheben, König der Trottel – so heißen die einfachen Kraftübungen. Man braucht fast nichts außer seinem eigenen Körper – naja gut, ein bisschen Motivation. Aber dafür schaut man einfach öfter mal aufs Cover. Hooya!
Wer hat’s geschrieben? Angeblich war Mark Lauren mit 13 ein dürres, schüchternes Kind. Ob es stimmt oder nicht: Lauren macht heute keinen schüchternen Eindruck mehr – er bereitet Elitesoldaten auf Ihren Einsatz vor. Thaiboxer, Triathlet, Trainer – der Kerl macht einem auf mehreren Ebenen Angst. Ach ja, Lauren hält auch immer noch den Tauchrekord seiner Spezialeinheit: 133 Meter – ohne einmal zu atmen. Bitte nicht nachmachen.
Wer braucht’s? Bodybuilder, Läufer, die keine Lust mehr auf Stabis haben, Möchtegern-Soldaten.
Chip Heath/Dan Heath: "Switch – Veränderungen wagen und dadurch gewinnen! Scherz-Verlag", 384 S., 18,95 EuroWichtigster Satz: "Um Veränderungen herbeizuführen, müssen Sie die entscheidenden Schritte festlegen."
Was steht drin? Warum fällt es so schwer, den Trainingsplan endlich mal einzuhalten, gesünder zu essen oder umweltbewusster zu leben? Der rationale Teil unseres Gehirns weiß, dass die Veränderung gut ist; doch der emotionale Teil signalisiert, dass die Veränderung anstrengend wird und mag es lieber wie es ist. Das Buch "Switch" will zeigen, wie beide Teile zusammenarbeiten. So schreiben die Autoren, dass übermäßiges Analysieren eines Problems oft dazu führt, dass der Versuch, sich zu ändern, scheitert. Vielmehr sei es befriedigender, positive Ausnahmen im Verhalten zu identifizieren und kleine, schnelle Lösungen zu finden. Das klingt erstmal nach einem banalen Rezept, wird aber durch eine Reihe von Beispielen vor allem aus der Wirtschaft, belegt. Und auch, wer über seine persönliche Situation nachdenkt, wird in dem Text einige Wahrheiten aufspüren. Genau das macht das Buch, das in den USA ein Bestseller war, zu einer anregenden Lektüre – auch wenn einem manches aus anderen Lebenshilfebüchern oder Managerfibeln bekannt vorkommen mag.
Wer hat’s geschrieben? Die Brüder Chip und Dan Heath sind in Amerika bekannt als Autoren und Berater (Nike, Microsoft). Chip ist Professor in Standford, Dan arbeitet als Unternehmensberater.
Wer braucht’s? Faule Läufer; Läufer mit Eheproblemen; Läufer, die den Weg zum Kühlschrank besser kennen als den Weg zum Park.
Dr. Warren A. Kay: "Meditieren in Laufschuhen – Laufen spirituell erfahren“, Lüchow-Verlag, S. 157, 16,95 Euro.Wichtigster Satz: "Durch den Schmerz laufen – das mag für den Wettkämpfer zutreffen, aber diejenigen, die aus Freude laufen, können dankbar für ihre Existenz sein und Körper, Seele und Geist feiern.
Was steht drin? Laufen ist nicht nur irgendeine Fortbewegungsart, es kann ein Weg sein, zu sich selbst zu finden. Das meint jedenfalls der Autor – und er geht noch weiter. Warren A. Kay, selbst passionierter Läufer, empfiehlt in seinem Buch die tägliche Laufrunde zu einer spirituellen Praktik zu machen. Er zeigt Möglichkeiten, wie man "meditativ läuft“ oder beim Laufen betet. "Keine andere Aktivität hilft uns so stark, uns so frei zu fühlen, wie das Laufen.“ Bei Themen, bei denen es um höhere Mächte geht, ist eine gewisse Grundskepsis nie falsch, aber der Autor will zum Glück nicht missionieren. Er liebt das Laufen und nutzt es zur Ausbalancierung des eigenen Harmoniehaushalts. Seine Botschaft: Laufen kann selig machen.Wer hat’s geschrieben? Dr. Warren A. Kay ist Dekan für religiöse und theologische Studien am Merrimack-College, USA. Er coacht Laufteams und lehrt spirituelles Laufen.
Wer braucht’s? Freizeitläufer auf der Suche nach göttlichem Beistand; orientierungslose Langstreckenläufer; Pfarrer, die außer Form sind.


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