19 Oktober 2011 00:00
Wieso wachsen Sportlern neben Muskeln auch Brüste? Warum geht's der Welt besser, wenn wir weniger essen? Wie sähe der Laufsport ohne Kathrine Switzer aus? Und wie wird aus einem Domsingknaben ein knallharter Ironman? Die Antworten stehen in unseren Buchtipps des Monats.

Wichtigster Satz: "Ich habe Kraftsport betrieben und gedopt – und ich habe teuer dafür bezahlt."
Was steht drin? Die Geschichte von Jörg Börjesson klingt wie aus einem schlechten Hollywoodfilm. Der kleine Jörg hat Asthma, scheitert beim Fußball und Judo, ehe er den Kraftsport für sich entdeckt. Er trainiert wie ein Besessener, stemmt 220 Kilo, nimmt dubiose Tabletten. Mit 25 spritzt ihm das Blut aus der Nase. Ihm wachsen Brüste. Dann kommt der Schnitt – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Börjesson, der aussieht wie John Travolta, begibt sich unters Messer. Zwei Kameratemans filmen seine Brust-OP. 400 Gramm nehmen sie ihm ab. Das Ergebnis von jahrelangem Doping.
Wer hat's geschrieben? Jörg Börjesson, Jahrgang 1965, war erst Bodybuilder, dann Doper und ist jetzt Anti-Doping-Aktivist. Er leitet die Website doping-frei.de und spricht regelmäßig in Schulen und in den Medien über seine Erfahrungen. Seine Botschaft: Nicht nur bei den Profis wird gedopt.
Wer braucht's? Alle, die besessen schneller, kräftiger, ausdauernder werden wollen und vor Pillen und Arzneimitteln nicht zurückschrecken.

Wichtigster Satz: "Wie wir uns ernähren, wie wir unseren Lebensstil gestalten und für welche Art von Landwirtschaft wir eintreten, ist neben den Ursachen und Folgen des Klimawandels die zentrale Frage der Menschheit."
Was steht drin? Wie bekommt man sieben Milliarden Menschen satt? Indem Nahrungsmittel mit Kunstdünger, Pestiziden und Gentechnik produziert werden, sagt die Industrie. Eine grobe Fehlannahme, sagt Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein und erklärt in "Food Crash", warum moderne Agrar-Technologie sogar zu noch mehr Hunger auf der Welt führt. Was das Buch so lesenswert macht: Der Autor erklärt ein kompliziertes wie emotionales Thema lebendig und anschaulich, er wird im Ton nie besserwisserisch oder moralinsauer. Es geht um Wissen, nicht um schlechtes Gewissen. So gesteht der Autor dem Leser (ergo dem Konsumenten) durchaus zu, dass es komplex ist, die ökologischen, sozialen und politischen Zusammenhänge zu erfassen, die die Art, wie wir uns ernähren, bestimmen. Entsprechend schwierig ist es, im Supermarkt stets die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Die Faustregel, die sich aus "Food Crash" ableitet: im Zweifel Bio kaufen.
Wer hat's geschrieben? Felix zu Löwenstein ist international angesehener Fachmann für Ökolandbau. Der promovierte Agrarwissenschaftler arbeitete in der internationalen Entwicklungshilfe und betreibt seit vielen Jahren einen Öko-Hof in Südhessen.
Wer braucht's? Menschen, die immer noch guten Gewissens Billigwurst vom Discounter kaufen; Ilse Aigner.
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Wichtigster Satz: "Das Leben ist zum Mitmachen da, nicht zum Zuschauen."
Was steht drin? Wer Kathrine Switzer ist, muss man Läufern nicht erklären. Sie war die erste Frau, die einen Marathon lief, zu einer Zeit, als es Frauen noch verboten war, bei Wettbewerben zu laufen. Doch Kathrine Switzer ist mehr als nur eine Frau, die vor sich hin läuft. Sie hat den laufenden Frauen ein Gesicht und eine Stimme gegeben. Ihr Buch beschreibt den langen Weg, den sie zurückgelegt hat. Von der Frau, die beim Boston-Marathon mit Gewalt von der Rennstrecke geholt werden sollte, bis zu der Frau, die der olympischen Sportwelt 1984 den Frauenmarathon brachte. "A true american Story" von einer Läuferin, die auf allen Ebenen des Lebens einen langen Atem bewies.
Wer hat's geschrieben? Kathrine Switzer, im Übrigen in Deutschland geboren, ist nicht nur "Marathon Woman", weil sie die erste Frau war, die die 42,195 Kilometer bei einem Wettbewerb lief, sie hatte auch Talent: 1974 gewann sie den New York Marathon. Sie ist Journalistin, Autorin und Kommentatorin – für ihre TV-Moderationen wurde sie mit einem Emmy ausgezeichnet. In diesem Jahr lief sie – mit 64 Jahren – den Berlin-Marathon.
Wer braucht's? Alle, die Inspiration und Motivation suchen; Angsthasen; Männer, die eine Frau haben, die läuft;
Wichtigster Satz: "Ich war so auf den Sport fixiert, dass ich Gefühle unterdrückte, keine Trauer empfand und kurzzeitig aufkommende Wehmut mit Training erstickte."
Was steht drin? Claudius Pyrlik, früherer Weltklasse-Triathlet, schildert in seinem Buch minutiös seine Sportlerbiographie. Der Leser lernt Pyrlik als asthmakranken Schüler kennen, der für "Rocky" und van Damme schwärmt und über den Fußball zum Sport findet. Als junger Erwachsener ordnet Pyrlik dann nahezu alles dem Laufen, Schwimmen, Radfahren unter; Freundschaften leiden, Beziehungen gehen in die Brüche. Das artetet auf einigen Seiten des Buchs zum Seelen-Strip aus, der Autor verliert leider das Gespür, wie viel Privates dem Leser zuzumuten ist. Wer sich für Innenansichten aus der Triathlon-Szene interessiert, wird das etwas weitschweifige Buch trotz allem mit Interesse lesen.
Wer hat's geschrieben? Claudius Pyrlik begann nach dem Abitur mit Triathlon und betrieb den Sport 15 Jahre lang. Höhepunkt seiner Athleten-Karriere: drei Weltmeistertitel und Spitzenplatzierungen bei Ironman-Rennen.
Wer braucht's? Fans von Sportler-Biographien; Triathleten, die schon jedes Triathlon-Buch gelesen haben; Triathleten mit Beziehungsproblemen; Domsingknaben mit sportlichem Ehrgeiz.


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