15 November 2011 12:28
Wie ist Reiner Calmund bloß zu seinen Pfunden gekommen? Warum läuft jemand 100 Meilen im Himalaya? Wie setze ich psychologische Phänomene für mich ein? Und welches Smartphone oder Pulsuhr hilft mir für mein Training? Unsere Buchtipps des Monats November geben Antwort.
Wichtigster Satz: „Ich mag alles – nur keinen Hunger.“
Was steht drin? Das Buch beginnt mit einem Paukenschlag: Reiner Calmund war mal dünn. Als Kind wurde er angeblich sogar zu Kur geschickt, wo er mit Aufbaukost Marke „Matschepampe“ gemästet wurde. Die Kur-Mitarbeiter müssen die schlechtesten Köche der Welt gewesen sein – denn: Es misslang. Nur der eigene Antrieb zu mehr Kilos half Calmund über die schwere Zeit. Sein Geheimrezept: Süßigkeiten. Später wechselte er zu Fleisch.
Pfundskerl Calli erzählt in seinem Buch Anekdoten, Witze und Geschichtchen darüber, wie er zu seinen Körper-Polstern gekommen ist – wenn man so will eine wahre Erfolgsstory. Das ist amüsant, kurzweilig und ja, natürlich auch etwas selbstverliebt. Die Botschaft: Calli mag Essen, Fußball – und am liebsten Essen UND Fußball. Außerdem sagt er selten nein – weder zu Tiramisu, Nackensteak oder konzentrierter Rinderkraftbrühe. „Große Portionen nehme ich sportlich, aber bei Innereien gehe ich laufen.“ So eitel Iron Calli seine Witzeleien unters Volk bringt, so angenehm ist im Gegenzug sein selbstironischer Blick auf seine Körpermitte. Ob er im Wok den Eiskanal runtersaust oder mit Joey Kelly Dreirad fährt – der Mann hält was aus. Selbst jede Diät.
Wer hat’s geschrieben? Reiner Calmund, Jahrgang 1948, arbeitete fast 30 Jahre lang als Manager des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen. Dabei fiel er nicht nur dadurch auf, dass er immer die besten brasilianischen Fußballer einkaufte, sondern vor allem durch seine „Schnauze, so groß wie ein Garagentor“ (O-Ton Calmund). Er gab den „Big Boss“ bei RTL, nahm 30 Kilo mit Joey Kelly ab und ließ sich von Stefan Raab zur Wok-WM überreden.
Wer braucht’s? Ob dick oder dünn: Das Buch macht gute Laune. Aber leider auch: Hunger.
Wichtigster Satz: "Mir liegt es am Herzen, aufzuzeigen, dass der extreme Ausdauersport als Metapher und Erfolgsmodell herangezogen werden kann, von dem man für andere Lebensbereiche lernen und profitieren kann."
Was steht drin? Norman Bücher ist weder Profisportler noch sonderlich talentiert. Trotzdem hat er einige der brutalsten Ultrarennen der Welt beendet; in Wüsten, auf Bergen oder im Dschungel. In seinem Buch schildert er, wie er über Jahre seinen Willen schulte und mit welchem Tricks er brenzlige Situationen meistert. Bücher richtet sich ausdrücklich nicht nur an Sportler, sondern auch an Menschen, die im Berufs- und Alltagsleben mentale Hilfestellungen benötigen.
Wer hat's geschrieben? Norman Bücher – lange Haare, Kinnbart, Kopftuch – lief mit 22 Jahren seinen ersten Marathon. Bald suchte er sich größere Laufabenteuer, etwa den 100-Meilen-Lauf im Himalaya oder den Jungle Marathon durch den wilden Amazonas. Als Motivationsexperte ist Bücher ein gefragter Vortragsredner.
Wer braucht's? Sportler, denen ein Marathon zu kurz geworden ist; Sportler, die den inneren Schweinehund endgültig an die Kette legen wollen.
Wichtigster Satz: „Wer weiß, wie er selbst und andere Menschen funktionieren, gewinnt Kontrolle über seinen Alltag – jedenfalls teilweise.“
Was steht drin? Dr. Kitz und Dr. Tusch sind wahre Profi-Psychologen. Sie schaffen es tatsächlich dem Leser gute Ratschläge zu erteilen, ohne besserwisserisch zu klingen. Sie erklären psychologische Theorien sehr anschaulich, schnörkellos und praxisnah. Und sie informieren, ohne zu langweilen – im Gegenteil: Das Buch ist hervorragend geschrieben, so unterhaltsam, kurzweilig und gewitzt, dass man ständig Schmunzeln muss. Warum sollten wir schöne Dinge öfter mal unterbrechen? Wie gestalte ich Sex interessanter? Und warum brauchen wir Konflikte wie die Luft zum Atmen? Die beiden Docs finden Antworten, die nicht enttäuschen – immer mit einem lebensnahen Tipp für den eigenen Alltag.
Wer hat’s geschrieben? Dr. Kitz und Dr. Tusch sind tatsächlich studierte Psychologen. Die beiden haben den Spiegel-Bestseller „Das Frustjobkillerbuch – Warum es egal ist, für wen Sie arbeiten“ geschrieben. Volker Kitz hat zudem noch Jura studiert. Er arbeitet als Anwalt und Coach und lebt in München. Manuel Tusch ist Lehrbeauftragter an mehreren Unis und hat sich auf Coaching. Mediation, Supervisio und Gesprächstherapie spezialisiert.
Wer braucht’s? Küchen-Psychologen, Grübler, Verzetteler und Prokrastinierer (Leute mit „Aufschieberitis“)
Wichtigster Satz: "Heute können Sie sich via Internet, App oder PC-Programm digitale Coaches per Klick oder Touch-Geste nach Hause holen – oder wo auch immer Sie trainieren wollen."
Was steht drin? Wer sich die Mühe sparen will, tagelang im Web nach dem passenden Online-Trainingsportal zu suchen, dem hilft dieses Buch. Denn ob man nun schlanker oder schneller werden will, sein Training dokumentieren oder einfach nur ein bisschen Spaß haben will, "iSport" kennt die passende App, Website oder Pulsuhr. Auch Achim-Achilles.de und seine Partnerseite GPSies.com werden in diesem praktischen Guide durch die digitalen Fitness-Angebote empfohlen. Einziger Nachteil: Fast täglich bringt das Internet ein neues Online-Tool heraus – da ist ein Buch naturgemäß rasch veraltet.
Wer hat's geschrieben? Cyrus A. Rahman arbeitet als Personal Trainer in Hamburg und ist Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes Personal Training. Manfred Schwarz ist Buchautor, Trainer im Bereichen Kommunikation und Führungskräfteentwickling und Herausgeber des Digital Lifeguides.
Wer braucht's? Technik-Poser; Zahlen-Freaks; Internet-Ausdrucker


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