13 Januar 2012 16:25
Was hat ein kiffender Reporter beim Marathon zu suchen? Warum braucht ein Olympiasieger mehr als acht Stunden für 42 Kilometer? Wieso "kauft die Fingerkuppe mit?" Die Bücher des Monats geben Anwort.
Hunter S. Thompson: "Der Fluch des Lono", Heyne, 240 Seiten, 12,99€Wichtigster Satz: "Wir werden uns wie menschliche Torpedos aus den Startblöcken katapultieren und den Charakter dieser Laufsportart total verändern."
Was steht drin: Reporterlegende Hunter S. Thompson reist nach Hawaii, um für die "Running", "eines der obskursten Magazine in der Geschichte des Verlagswesens", über den Honolulu-Marathon zu berichten. Thompsons Plan, den "Fitnessnazis" davonzulaufen, geht nicht auf – denn der Autor widmet sich vor Ort lieber dem reichhaltigen Rauschmittelangebot. Die Sportreportage wird so zum durchgedrehten Trip durchs Urlaubsparadies, alles flimmert so schön bunt. Tipp: Am besten im Delirium nach dem Intervalltraining lesen – verstärkt die Wirkung.
Wer hat's geschrieben: Die Bücher von Hunter S. Thompson gehören zur Grundausstattung jeder Kiffer-WG. Der Amerikaner, Jahrgang 1937, arbeitete als Sportjournalist und erfand als Reporter den so genannten Gonzo-Journalismus, der Reales mit Fiktivem vermischt. Sein bekanntestes Buch ist "Fear and Loathing in Las Vegas" (verfilmt mit Johnny Depp). Thompson nahm sich 2005 das Leben.
Wer braucht's? Kiffer; Hipster; Surfer; Läufer, die nicht nur von Ackerschachtelhalm high werden
Michael Groß: "Siegen kann jeder – jeden Tag die richtigen Fragen stellen“, 299 Seiten, Ecowin, 21,90 €Wichtigster Satz: "Niemand macht sich auf den Weg, ohne zu wissen: Wohin?“
Was steht drin? Michael Groß, der Schwimm-Profi, absolviert einen Marathon. Der "Albatros“ ist ein eher träger Läufer. Er braucht 8:22 Stunden. Es ist dennoch eine bemerkenswerte Leistung, denn: Er legt die knapp 42 Kilometer schwimmend zurück. Auf einer 50 Meter-Bahn. Direkt nach dem kräftezehrenden Selbsterfahrungstrip hat sein Trainer eine Idee. Groß soll nicht aufhören, sondern noch mal 100 Meter schwimmen und zwar so schnell er kann. Der Profi überwindet sich, will sehen, was möglich ist. Er schwimmt die 100 Meter in 54,8 Sekunden, schneller als sein Bahnendurchschnitt von 1:12 Minuten. Was diese kleine Episode zeigt? Man muss sich überwinden, um zu siegen. Selbst wenn man nur gegen sich selbst antritt. Der Autor Michael Groß hat keine sensationell neuen Thesen parat, auch liest sich das Buch bisweilen so wie jedes x-beliebiges Ratgeber-Buch. Aber immer dann, wenn Groß Geschichten aus seiner aktiven Sportlerlaufbahn einstreut, wird es interessant.
Wer hat’s geschrieben? Michael Groß, Jahrgang 1964, ist dreifacher Olympiasieger, fünffacher Schwimm-Weltmeister. Der "Albatros“ hat parallel zu seiner Sportkarriere Germanistik, Politik- und Medienwissenschaften studiert und 1994 promoviert. Heute ist er Inhaber einer Beratungsgesellschaft für Kommunikation.
Wer braucht’s? Profi-Sportler kurz vor oder kurz nach dem Rücktritt; Zweifler und Zauderer; Läufer, die Orientierung brauchen.
Marion Grillparzer, Susanne Wendel: Der Feelgood Faktor: Der 5. Sinn: Die Weisheit des Körpers nutzen, 288 Seiten, Südwest Verlag, 19,99€Wichtigster Satz: "Auch wenn man ein unglücklicher, pessimistischer, stest unzufriedener, ständig kränkelnder Mensch ist: Man kann alles ändern."
Was steht drin: Wer "Der Feelgood Faktor" aufschlägt, greift erstmal zur Lesebrille – so viel Themen werden im Inhaltsverzeichnis in winziger Schrift aufgeführt: "Gedankenlesen und die Sprache des Körpers", "Der Wunsch nach ein bisschen mehr anfassen", "Die Fingerkuppe kauft mit" oder "Der Kosmos, meine Schwiegermutter und ich". Klingt, als hätten sich Titanic-Redakteure eine Esoterik-Fibel ausgedacht. Das Buch verspricht, eine "Gebrauchsanleitung für den Körper" zu sein; und wen das viele Rosa im Layout und die dümmlichen Überschriften nicht abschreckt, der findet tätsächlich reichlich nützliches Wissen, lesenswerte Experteninterviews und kleine Experimente zum Selber-Ausprobieren. Ein üppiges Frauenmagazin im Buchformat.
Wer hat's geschrieben: Marion Grillparzer, Jahrgang 1961, ist Ernährungswissenschaftlerin und Journalistin (u.a. Stern, Elle, Bunte). Susanne Wendel, Jahrgang 1972, bezeichnet ihr Verlag als "Deutschlands spritzigste Gesundheitsexpertin". Soll wohl ein Kompliment sein.
Wer braucht's: Brigitte-Abonnentinnen; Frauen, die bevorzugt Rosa tragen; Walkerinnen
Siegbert Tempelhof, Marcus Gnad, Daniel Weiss: "Das neue Knietraining“, 80 Seiten, Gräfe und Unzer, 9,99€Wichtigster Satz: "Im Alter von 30 Jahren sind schon bei 50 Prozent Aufbraucherscheinungen des Kniegelenks festzustellen.“
Was steht drin? Die Autoren erklären, wie das Kniegelenk funktioniert, was es für Belastungen auszuhalten hat, was ihm schadet. Es gibt einen Belastungstest und eine Reihe von Trainingsübungen. Die Autoren schreiben verständlich, knapp und informativ. Das Taschenbuch eignet sich hervorragend für das kurze Knietraining zwischendurch. Es gibt sogar Anleitungen, wie man seine Knie im Bus, am Schreibtisch oder in der Warteschlange stärken kann. Ordentlicher, kompakter Ratgeber.
Wer hat’s geschrieben? Siegbert Tempelhof und Marcus Gnad sind Fachärzte für Orthopädie. Sie arbeiten in leitender Position im Centrum für Komplementärmedizin (CfK) in München. Daniel Weiss ist Physiotherapeut und Heilpraktiker in eigener Praxis in Königsbrunn bei Augsburg und München.
Wer braucht’s? Läufer mit Knieproblemen oder Arthrose; Sportler ab 30.

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