Achim Achilles empfiehlt:Keine Ausreden: Die besten Tipps, Tricks und Regeln für den sicheren Winterlauf. |
30 November 1999 02:00
Gerade bei Läufern ist er mal stark, mal schwach: der innere Antrieb. Motivationsexperte Gerhard Huhn verrät Strategien, wie man Lust am Laufen gewinnt.
Schon die sprachliche Herkunft des Wortes "Motivation" zeigt, wie eng das Wort mit dem Begriff "Bewegung" verwandt ist. Umgekehrt geht es bei der Bewegung immer auch um Motivation. Im Wort Motivation steckt das lateinische Wort "movere", zu deutsch: "bewegen". Für jede Aktivität, für alles, was uns aus der passiven Ruhelage heraus bewegt, brauchen wir einen Anlass, einen Beweggrund. Diese Beweggründe nennen wir Motive.
Ohne ein oder mehrere Motive würden wir nicht unsere Laufschuhe anziehen und losrennen. Und die zahllosen Fragen unserer Läufer zeigen: Diese Motive haben es in sich. Sie kommen und gehen, mal sind sie stark und mal schwach, mal erkennen wir sie deutlich, oft bleiben sie uns verborgen. Aber ohne sie passiert nichts. Es lohnt sich, den inneren Antriebskräften auf die Spur zu kommen. Und weil sie so vielfältig und geheimnisvoll sind, werden wir uns kontinuierlich und unter immer neuen Blickwinkeln an dieser Stelle mit dem großen Thema Motivation beschäftigen.
Sie werden sehen, nach ein paar Wochen oder Monaten werden Sie selbst zum Motivationsexperten. Und das Beste: Sie werden merken, dass Sie vieles, was wir hier in Bezug auf das Laufen besprechen, auf alle anderen Themen Ihres Lebens übertragen könnnen.
Zuerst treffen wir eine wichtige Unterscheidung. Die Wissenschaftler differenzieren zwischen der Antriebskraft, die uns durch Anregungen von außen motiviert und jener, die unabhängig von äußeren Einflüssen aus unserem Inneren wirkt. Sie bezeichnen diese Kräfte als:
Extrinsische Motivation: durch äußere Anreize wirkende Antriebskraft.
Intrinsische Motivation: durch innere Werte, Ziele und Anreize wie Freude und Spaß entstandene Antriebskraft.
Die Abgrenzung zwischen beiden Motivationsarten ist allerdings nicht scharf. Aber für unsere praktischen Zwecke kommt es im Moment nicht auf die akademischen Feinheiten an. Auf dem Weg zur persönlichen Meisterschaft darf man sich beider Motivations-Typen bedienen.
Für die Anfangsphase oder für Zwischentiefs, wenn Ihr eigener Antrieb verloren gegangen ist, sollten Sie zunächst auf Methoden der extrinsischen Motivation zurückgreifen. Das heißt, Sie schaffen von außen Anreize, mit denen Sie sich bei Erreichen eines Ziels (Beispiel: 10-km-Lauf in bestimmter Zeit) selbst belohnen. Damit es wirkt, sollten Sie sich schon etwas wirklich Attraktives aussuchen. Und damit es sich nicht mit dem üblichen Kinobesuch erschöpft, haben wir für Sie eine knusprige Belohnungsliste bereitgestellt. Lassen Sie sich anregen und erfinden Sie aber dann auch ganz persönlichen Belohnungen.
Dabei ist es wichtig, dass Sie sich nicht nur tolle Belohnungen ausdenken, sondern dass Sie diese auch zügig in die Tat umsetzen.
Aber Achtung: Die von außen wirkenden Motivations-Kicks sind für einen Dauereinsatz nicht geeignet. Sobald Sie merken, dass Ihnen das Laufen Spaß macht, sollten Sie auf extrinsische Belohnungen wieder verzichten.
Wenn Freude aufkommt, ist das ein deutliches Zeichen für das Aufkeimen Ihrer persönlichen, intrinsischen Motivation. Sie ist oft nur ein vages Gefühl, eine zarte Pflanze und will wahrgenommen, gehegt und gepflegt werden. Sie will kraftvoller in Erscheinung treten.
Sobald sich die intrinsische Motivation meldet, braucht man keine externen Belohnungen mehr. Im Gegenteil: Sobald das zarte Pflänzchen Ihrer persönlichen Motivation zu gedeihen beginnt, sollten Sie extrinsischen Belohnungen entsagen. Diese werden vom inneren System zunächst noch stärker wahrgenommen als die internen Kräfte. Wenn den inneren Antrieben nicht genügend Beachtung geschenkt wird, besteht die Gefahr, dass sie dann keine Wachstumstendenzen mehr entfalten und schnell wieder verkümmern.
Bei der intrinsischen Motivation heißt die Hauptmotivation: Lust. Lust zum Laufen, auch ohne das Schmankerl am Ende der Laufstrecke. Ein Beispiel: Sie laufen los, haben einen guten Tag und fühlen sich nach dem Laufen gut und energiegeladen. Daraus entwickelt sich die Lust, erneut zu laufen, um wieder dieses gute Gefühl zu bekommen. Die Lust ist unabhängig vom Ergebnis. Allein das Gelingen verstärkt das Lustgefühl und motiviert zum Weiterlaufen.
Reflektieren Sie Ihr Motivationsverhalten. Was motiviert Sie? Wie motivieren Sie sich? Laufen Sie wegen der in Aussicht stehenden Belohnung oder werden Sie von der Lust am Laufen angetrieben?
Und denken Sie daran, was uns Katharina von Siena (1347-1380) auf den Weg gegeben hat: „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern einzig und allein das Durchhalten.“ Mit der Frage, wie Sie die entsprechende Ausdauer entwickeln können, werden wir uns später beschäftigen. Schließlich werden wir neben der Motivation noch eine andere Kraft kennen lernen: unseren Willen.
Ihr
Gerhard Huhn

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