16 Juni 2010 02:00
Die toten Sportler von Detroit schocken die Läuferwelt. Doch die "Todesursache Marathon" ist keine Seltenheit: Immer wieder sterben selbst trainierte Läufer. Ein Sportmediziner erklärt, woran man erkennt, ob man gefährdet ist.
Achim-Achilles.de: Herr Professor Bloch, am Sonntag sind beim Detroit-
Marathon drei Läufer ums Leben gekommen. Die Temperaturen lagen um den Gefrierpunkt. Die Rennärztin schließt Unterkühlung als Todesursache
nicht aus. Lag es am Wetter?
Professor Dr. Wilhelm Bloch: Nein, die Temperatur spielt keine Rolle. Erst
ab minus zehn Grad wird es gesundheitlich problematisch, zumindest für
die Lunge.
Achim-Achilles.de: Die Läufer waren 26, 36 und 65 Jahre alt. Können
Sie daraus eine Erklärung für die Todesfälle ableiten?
Bloch: Es ist sehr schwierig, etwas dazu zu sagen. Bei den beiden
jungen Läufern könnten zum Beispiel unerlaubte Stimulanzien zur
Leistungssteigerung eine Rolle gespielt haben. Aber das ist eine sehr
vage Vermutung.
Achim-Achilles.de: Wie erklären Sie sich dann die drei Todesfälle?
Bloch: Todesfälle bei Marathons sind sind ja nichts Neues. Allerdings
sind gleich drei Tote eine statistische Seltenheit. Mögliche Gründe
für den Zusammenbruch könnten kardiale oder kardial-muskuläre Probleme
sein.
Achim-Achilles.de: Und das heißt?
Bloch: Die Läufer könnten einen Herzklappenfehler gehabt haben oder
eine Herzrhythmusstörung. Bei dem 65-Jährigen könnten auch die
Herzkranzgefäße versagt haben.
Achim-Achilles.de: Also war es vermutlich ein Herzinfarkt?
Bloch: Das könnte eine mögliche Ursache sein. Besonders für den
älteren Läufer. Aber auch die jüngeren könnten bei einer möglichen
Veranlagung einen Herzinfarkt erlitten haben. Solche medizinischen
Probleme sind tückisch: Sie müssen bei einem Belastungs-EKG nicht
einmal auffallen.
Achim-Achilles.de: Wie schützt man sich davor, bei einem Lauf zu
sterben?
Bloch: Letztlich ist es nicht zu verhindern. Störungen am Herz sind
nicht immer mit einem Langzeit-EKG oder Belastungs-EKG zu erkennen. Ein plötzlicher Herztod unter schwerer Belastung geschieht häufiger. Um Fehler am Herzen sicher zu diagnostizieren, sind sehr aufwendige und exorbitant teure Untersuchungen nötig. Das macht in der Regel keiner.
Achim-Achilles.de: Gibt es Warnzeichen, die der Körper sendet?
Bloch: Manchmal bemerken die Patienten einen "Stolperer" oder ein
Ziehen in der Brust. Das ist aber auch kein sicheres Zeichen. Man kann
sich seine Familiengeschichte anschauen, um eventuelle Veranlagungen
zu erkennen. Wenn man genetisch gesehen gefährdet ist, sollte man vorsichtig sein und bei Anzeichen einer Herzschädigung das
Laufen in höheren Belastungsbereichen lieber sein lassen.
Professor Dr. Wilhelm Bloch ist Leiter der Abteilung Molekulare und Zelluläre Sportmedizin des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln.
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