03 Juni 2011 09:44
Studien

Röntgenbilder von Sportlern mit Herz-Anomaliem (Foto: Universität Tübingen)
Wenn Sportler bei einer Laufveranstaltung tot zusammenbrechen, gerät die Szene regelmäßig in Aufruhr. Wie gefährlich ist unser Sport, fragen viele Läufer dann. Wissenschaftler der Uni Tübingen sind dieser Frage nachgegangen.
Brechen Sportler im Wettkampf tot zusammen, lautet die Diagnose zumeist auf plötzlichen Herztod. Zu den häufigsten Ursachen hierfür zählen die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) oder eine verschleppte Herzmuskelentzündung (Myokarditis).
Eine sichere Methode, um diese Hauptrisiken frühzeitig zu identifizieren, ist die Magnetresonanztomografie (MRT). Das fanden Radiologen der Universitätsklinik Tübingen heraus, die 51 Leistungssportler und 25 weitere Probanden mit diesem Schnittbildverfahren untersucht haben.
Der Sportler selbst merkt nichts
Die häufigste Ursache für den tödlichen Zusammenbruch bei jungen Sportlern ist die HCM. "Das Wachstum des Herzmuskels ist ein physiologischer Anpassungsvorgang an intensivierte Trainingsleistungen“, sagt Studienleiterin Dr. Stefanie Mangold. Gefährlich wird es, wenn es zu einer asymmetrischen Verdickung der Scheidewand von linker und rechter Herzkammer kommt. "Hierdurch kann es zu einer Hemmung des Blutflusses aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader kommen, was bei hoher körperlicher Belastung unter Umständen tödliche Folgen haben kann“, sagt Mangold.
Das unregelmäßige Wachstum des Herzmuskels sei dabei nicht das Resultat falschen Trainings, sondern bereits genetisch bedingt. Das Gefährliche: Der Sportler selbst merkt zunächst nichts von diesem ungleichmäßigen Muskelwachstum. Auch im Ultraschall und
EKG lässt sich die HCM nicht immer eindeutig nachweisen. "Eine sichere Diagnosestellung ist häufig erst durch die Magnetresonanztomografie möglich“, sagt Stefanie Mangold.
Oft fängt es mit einer Erkältung an
Sportler jeden Leistungsniveaus sollten aber auch auf die Signale ihres Körpers achten. Profis und ambitionierte Amateure neigen dazu, sich nach einer langwierigen Erkältung nicht ausreichend zu schonen, sondern zu rasch das Training wieder aufzunehmen. Das kann gefährlich werden, wenn hinter einer scheinbar harmlosen Grippe eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) lauert.
Unter körperlicher Belastung kann diese in den meisten Fällen durch Viren ausgelöste Entzündung zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen. "Auch eine Myokarditis ist mitunter schwer mit EKG oder Echokardiographie alleine zu diagnostizieren“, sagt PD Dr. Kramer. In der MRT erkennen Experten allerdings narbige Veränderungen des Herzmuskels, in der akuten Phase der Entzündung auch die für die Myokarditis typischen Wasssereinlagerungen am Herzmuskelgewebe.
Sollte sich also jeder Sportler regelmäßig einer MRT unterziehen? "Die regelmäßige Anwendung der MRT ist sicher übertrieben“, sagt Dr. Urich Kramer. „Engagierte Amateursportler tut allerdings gut daran, im Rahmen eines Check-ups auch über eine MRT-Untersuchung des Herzens nachzudenken."
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