20 Dezember 2010 00:00
Panisch blicken Läufer Weihnachten entgegen, um danach festzustellen, dass ihnen das Feiern gar nicht gut getan hat. Weil Laufen Fehlanzeige war. Doch Laufcoach Piet Könnicke hat ein maßgeschneidertes Trainingsprogramm fürs Fest.
Es gibt zwei Möglichkeiten: Dieses Jahr endet in der gleichen Fress- und Stresskur wie immer, oder Sie erleben ein seeliges Weihnachten wie es früher einmal war, als es noch Modelleisenbahnen gab, statt Playstations und selbst gestrickte Mützen, statt Hightech-Schlüpfer.
Wohnung putzen, den vergessenen Soßenbinder kaufen, doch noch den Parfümshop plündern – es gibt massig Gründe und Gelegenheiten, den 24. Dezember mit Stress und mieser Laune zu füllen. Oder auch nicht.
Empfehlung Nr 1:
Am frühen Nachmittag einen ganz entspannten Lauf machen. Das befreit vom vormittäglichen Gehetze und erfüllt einen mit einer inneren, christlichen Ruhe, die sogar bei einer missglückten Bescherung anhält.
Empfehlung Nr 2:
Ein 3- bis 5-km-Test am frühen Morgen. Etwas warmlaufen, ein paar Dehnübungen und zwei, drei lockere Steigerung und ab geht’s wie Santa Claus' Schlitten. Das ist zum einem eine Super-Vorbelastung für den Silvesterlauf eine Woche später, für den Sie sich ja angemeldet haben. Zum anderen macht es Sie gegen alle anderen Herausforderungen, die der Tag noch bringen mag, resistent, da Sie bereits selbst und freiwillig an die Grenze gegangen sind.
Die ganze Verwandtschaft naht. Der prollige Schwager, der lethargische Schwiegervater, die besserwisserische Schwiegermutter. Die ganze Bande eben.
Empfehlung Nr 1:
Sie gehen vor Ankunft der Sippschaft, am besten am frühen Morgen, 30 bis 45 Minuten locker Joggen. Sie können dabei auch gleich die neuen Laufklammotten testen, mit denen sie am Vorabend beschert worden sind. Oder sie ziehen trotzig die alten Sachen an, freuen sich über das vertraute Gefühl und ärgern sich nicht mehr, dass Ihnen nicht einmal ein einziger Wunsch von Achims Geschenkeliste“ erfüllt wurde. Die Bewegung wird Sie mit so viel Sauerstoff versorgen, dass Sie später in jeder Situation einen klaren Kopf behalten werden.
Empfehlung Nr 2:
In der festen Absicht, ein Verdauungsläufchens hinterher zu schieben, haben Sie den Festtagsbraten ohne schlechtes Gewissen genießen können. Und während die anderen nachträglich Gans oder Ente in Jägermeister, Kümmerling oder Ouzo ertränken, schnüren sie am frühen Nachmittag ihre Laufschuhe und drehen 'ne schöne Runde um den Block. 30 bis 60 Minuten. Je nachdem, wie Ihr Gemütszustand ist, wählen Sie die Gangart: Wer bei leicht gereizter Verfassung lieber etwas schneller rennt, kann ruhig 20 bis 25 Minuten leicht Gas geben. Oder tief und gleichmäßig atmen und mit feiner Gelassenheit und gutem Gefühl an den Kaffeetisch zurückkehren und entspannt warten, was der Tag noch so bringt.
Ganz gleich, ob Sie heute auf die weihnachtliche Ochsentour zu den lieben Verwandten müssen, oder sich die Familie bei Ihnen eingenistet hat: Vertrauen Sie der Therapie des Vortages und ändern Sie gegebenenfalls nur die Zutaten. Hat Ihnen das lockere Läufchen gefallen und gut getan, wiederholen Sie es. Spüren Sie etwas mehr Lust, Verlangen oder gar Notwendigkeit, fordern Sie sich mehr. Das kann auf einer etwas profilierten Runde sein, auf der Sie im lockeren Tempo unterwegs sind und an den Anstiegen bewusst etwas mehr Engagement zeigen. Das können auch leichte Temposteigerungen sein, die Sie in den an sich lockeren Dauerlauf einbauen: Hin und wieder eine schnellere Minute wirkt Wunder. Beide Einheiten müssen nicht unhöflich lang sein – 30 bis 60 Minuten sind auch heute ein gutes Maß, dass Sie sich gönnen sollten.
Selbstredend haben all diese Empfehlungen einen Verbrennungseffekt: Kalorien, die zum Fest wie der Tannenbaum gehören, werden schnell entsorgt, der Appetit wird etwas reguliert und mit dem Bewusstsein, gerade etwas Gutes und Gesundes getan zu haben, hat man sich für den nächsten Menügang ein Stück Freiheit erobert. Natürlich kann man das Fest mit einem dezenter geschnürten Laufpaket verbringen – aber gänzlich ohne Laufbewegung zu bleiben, wäre der erste Schritt zum Walken.
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