23 Juni 2010 02:00
Tausende Freizeitläufer trainieren derzeit für das absolute Highlight der Saison: den Berlin-Marathon. Die Lauftrainer von jk running stehen ihnen ab sofort mit Tipps und Tricks zur Seite. Jeden Dienstag in dieser Kolumne.
Von Piet Könnicke
Vor einigen Jahren habe ich ein paar Mal meinen Urlaub auf Formentera verbracht. Eine kleine Insel südlich von Ibiza, gerade mal 23 Kilometer breit und knapp 20 Kilometer lang. Also eine perfekte Größe, um bei einem längeren Lauf die halbe Insel kennenzulernen. Einer der wenigen Orte der Insel heißt Es Pujols, wo es auch einen kleinen Stadtstrand gibt. Dort joggte jeden Nachmittag ein älterer Herr: barfuß, nackter Oberkörper, die Haut tiefbraun und ledern. Er hatte lange weißgraue Haare und sah ein bisschen aus wie Jesus. Wahrscheinlich hieß er Pedro, Manolo oder Juan. Mit beeindruckendem Gleichmut lief er den kleinen Strand hoch und runter – 200 Meter hin, 200 Meter zurück. Eine gute Stunde lang.
Formentera – diesen Namen habe ich unter den vielen Urlaubszielen noch nicht gelesen, die uns die Läufer von JK RUNNING derzeit ins Klemmbrett schreiben: "Ich bin dann mal weg." Masuren, Süd-Frankreich, Rügen, Amerika, Mallorca, Balaton. Marathonvorbereitungszeit ist meist auch Urlaubszeit. Wer am 20. September in Berlin laufen will, ist jetzt in der Hauptbelastungsphase: Die Umfänge sind hoch, das Tempo schnell und die Sorge groß, im Urlaub an Form zu verlieren oder nicht genug zu trainieren.
Da hilft ein Plan – und ich meine hier ausnahmsweise keinen ausgetüfftelten Trainingskalender, sondern präventive Maßnahmen gegen Ehezwist, schlechtes Gewissen, üble Laune und Missmut im Urlaubsparadies. Wer rechtzeitig vor Reisestart mit seinem Partner klärt, dass drei Trainingseinheiten in der Woche in die Urlaubsaktivitäten zu integrieren sind, erspart sich unnütze Debatten am Strand. Ein guter Plan ist auch, früh am Morgen zu laufen: Man steht hinterher tatendurstig und mit innerer Zufriedenheit am Frühstücksbuffet, hat tagsüber nicht den Druck, noch laufen zu müssen. Und man probiert beim Essen und Trinken auch mal die Spezialitäten vor Ort, ohne ständig Rücksicht auf das noch anstehende Training zu nehmen.
"Entschleunigen" ist ja so ein neumodisches Wort, mit dem man ankündigt, dass man mal ein paar Tage frei macht. Trainingsmethodisch macht "entschleunigen" im Urlaub durchaus Sinn. Denn zum einen ist Tempotraining im Feriendomizil nicht immer machbar, denn wer hat schon 400 Meter feinste Kunststoffbahn um den Bungalow gebucht. Zum anderen ist es vor allem wichtig, eine gute Ausdauer zu behalten. Denn die ist Grundlage für einen guten Marathon. Also: Lieber entspannt und locker "Luft tanken", als verkrampft auf irgendeiner halbwegs geraden Piste Tempo machen. Und wenn man je nach Gefühl ein paar flottere Minuten in den Dauerlauf einbaut, ist man gut im Geschäft.
Sonnenlotion, Skartkarten, Garmin – zum Reisegepäck von heute gehört für viele Läufer auch ein Navigationsgerät. Dabei ist Urlaub doch eine gute Gelegenheit, sich auch mal vom Bordcomputer zu befreien und das Laufen die natürliche Sache sein zu lassen, die es ist. Man bekommt wieder ein Gefühl für sich. Und man lernt abzuschätzen, wie lange es braucht, bis zu der kleinen Bucht zu laufen, die man am Vortag von weitem gesehen hat. Oder in die nächste Ortschaft, oder zur kleinen Hütte auf dem Berg dort drüben. Ein klein wenig den Manolo machen – einfach nur laufen.
Früher war Piet Könnicke selbst erfolgreicher Läufer, unter anderem mit einer Halbmarathon-Bestzeit von 63:40 Minuten. Heute ist er als freiberuflicher Autor sowie als Lauftrainer bei jk running tätig. Er betreut Läufer vom ersten Schritt bis zu den lang ersehnten 42 Kilometern. Dabei geht es weniger um Zeiten als um die ganz persönliche Genugtuung des Läufers.
Unsere Nationalmannschaft läuft in Südafrika einmal durch Deutschland

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