07 Februar 2011 00:00
En Garde! Joachim Braun fechtet seit seinem dritten Lebensjahr und hat bei Fechtpionier Emil Beck gelernt. Inzwischen ist er Landestrainer von Baden-Württemberg und erklärt, warum sogar Bundesliga-Fußballer bei ihm ihre Koordinationsfähigkeit schulen.
Herr Braun, warum sollten Athleten aus anderen Sportarten mal zum Florett oder Degen greifen?
Joachim Braun: Weil man einiges mitnehmen kann. Fechten schult: Konzentration, Körperbeherrschung, Koordination der oberen und untere Extremitäten und die Fechtstellung, die sehr speziell ist. Wir haben hier öfter Sportler aus anderen Disziplinen. Die Fußballer von der TSG Hoffenheim etwa waren mal zur Saisonvorbereitung hier – und waren überrascht, wie dynamisch Fechten ist.
Haben die Kicker denn Talent fürs Fechten gezeigt?
Diese Vollblut-Fußballer wollten unbedingt gewinnen, da ging's richtig zur Sache. Demba Ba war besonders erfolgreich, wer aber letztendlich gewonnen hat, weiß ich gar nicht mehr. Hinterher haben die Burschen hedenfalls richtig Muskelkater gehabt – hat Trainer Ralf Rangnick erzählt.
Für den Laien sieht Fechten gar nicht so anstrengend aus.
Fechten wird oft unterschätzt. Ein Laie kann kaum nachvollziehen, was effektiv geleistet wird: Man muss blitzschnell handeln und Strategien entwickeln. Das ist wie ein Schachspiel auf der Bahn. Und man vergisst oft, über wie viele Gefechte es geht – gerade bei größeren Turnieren. Da muss man fast den ganzen Tag lang seine Leistungen abrufen.
Trainiert Fechten den Kopf?
Der ist sehr entscheidend. Das wird uns immer bewusster: Wir arbeiten deswegen auch mit einem Mentalcoach zusammen. Es ist wichtig, dass die Fechter über eine ganze Saison hinweg hundertprozentig auf den Sport eingestellt sind. Man muss sich ständig in ein Gleichgewicht aus Anspannung-Entspannung bringen. Bei Wettkämpfen steht man ja manchmal bis zu zwölf Stunden unter Druck. Und wenn man sich die erfolgreichen Sportler ansieht, haben alle eins gemeinsam: den absoluten Siegerwillen.
Ist Fechten nur etwas für kluge Sportler?
Nun ja, einen gewissen Intellekt sollte man schon haben, um den Gegner lesen und interpretieren zu können. Zudem muss man auch selber strategisch vorgehen. Also: Ein Doofie darf man nicht sein (lacht).
Ist Fechten eigentlich gefährlich?
Nee, das ist ein Vorurteil. Verletzungen über die Waffe sind sehr sehr selten.
Interview: Frank Joung

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