21 Juni 2010 02:00
Alexander Ferrauti, Professor für Trainings-Wissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum, untersuchte das Zusammenspiel von Musik und Leistung.
Achim-Achilles.de: Professor Ferrauti, wie wirkt Musik hören während des Laufens?
Alexander Ferrauti: Das körperliche Empfinden für Belastung verringert sich. Hierdurch steigt die Ermüdungswiderstandsfähigkeit und die Belastungsverträglichkeit. Zwar funktionieren Stoffwechsel und Herz-Kreislaufsystem mit oder ohne Musik unverändert, aber die Erschöpfung wird durch Musik vom Körper besser toleriert.
Achim-Achilles.de: Wie sind Sie auf die Ergebnisse gekommen?
Ferrauti: Durch eine Studie mit Sportstudenten. Die Probanden sollten bis zur völligen Erschöpfung laufen. Dieser Punkt ist bei maximaler Power in der Regel nach rund 30 Minuten erreicht. Die Läufer haben wir in zwei Gruppen geteilt. Die weniger gut Trainierten erreichten mit Musik einen höheren Leistungsausbau. Bei den besser Trainierten fiel die Leistungssteigerung etwas geringer aus. Insgesamt betrug die Belastungsdauer mit Musik rund 6:30 Minuten länger als ohne Musik.
Achim-Achilles.de: Die Körperfunktionen bleiben trotz Musik dieselben – die Leistung steigt. Wie kann das passieren?
Ferrauti: Durch akustische Reize werden die körpereigenen Ermüdungssignale überdeckt. Belastungssymptome, wie zum Beispiel eine verstärkte Atmung, werden über das Gehör nicht mehr wahrgenommen. Kombiniert mit der emotional stimulierenden Wirkung von Klängen und Rhythmen, kommen zusätzliche Motivationsfaktoren ins Spiel. Das ist natürlich ein stark subjektiv empfundener Vorgang.
Achim-Achilles.de: Ist es denn gefährlich, seinen Körper über das normale Maß auszupowern?
Ferrauti: Für einen gesunden Läufer überwiegen möglicherweise die Vorteile mit Musik zu laufen. Bei kardialen Vorschädigungen (Herzstörungen, d. Red.) können sich die verdeckten natürlichen Ermüdungssignale selbstverständlich fatal auswirken. Grundsätzlich sollte sowieso jeder Freizeitsportler regelmäßig einen ärztlichen Gesundheits-Check absolvieren.
Achim-Achilles.de: Wie wichtig ist die Lautstärke?
Ferrauti: In erster Linie geht es um den Laufspaß und um Motivation, die mit Musik gesteigert wird. Wenn sich durch Spaß auch die Leistung verbessert, ist das prima. Die Lautstärke sollte dabei nicht brüllend sein und die Musik nicht zu hart. Dauerhaft laute oder zu harte Musik wirken ab einer gewissen Belastungsdauer eher störend.
Achim-Achilles.de: Beeinflusst der Musikrhythmus das Laufverhalten?
Ferrauti: Bei geringer Rhythmusänderung stellt sich der rhythmusbegabte Läufer tatsächlich darauf ein. Bei größeren rhythmischen Veränderungen von einem Lied zum nächsten, wird dies jedoch im Normallfall ignoriert, da ansonsten der Bewegungsablauf zu starken Einbußen unterliegt.
Lauft Ihr lieber mit Musik oder ohne? Was sind Eure absoluten Motivationssongs?

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