30 Juni 2010 02:00
Mona ist sauer: Weil Achim unbedingt zum Crosslauf muss, ist der Sonntag schon wieder futsch. Ein Mann, der immer erst an sich denkt. Doch Mona weiß schon, wie sie sich rächt.
Statt gemeinsamem Sonntagsspaziergang, wie es bei meinen Eltern üblich war, trennen sich unsere Wege am Wochenende mal wieder. Achim muss unbedingt zum Crosslauf. „Du Mona, das ist der älteste Berliner Lauf überhaupt. Da muss ich unbedingt hin. Diesmal kann ich mich nicht rausreden.“ Weg ist er, und ich bin sauer. Warum eigentlich? Weil er hinterher auch nicht zu gebrauchen ist. Warum erzähle ich ihm auch, dass mich unser Briefträger gefragt hat, ob er mitläuft.
Super, wieder ein harmonischer Sonntag im Kreise der Familie, der sich allerdings auf mich und eine dreijährige Nervensäge beschränkt, da sich Achim und der große Sohn verdrückt haben. Wäre es nach Achim gegangen, müsste der arme Karl jetzt durch die Kälte mitlaufen.
Dabei läuft Karl nur mit, weil ihn Achim danach für eine Stunde an den Computer lässt. Ist Korruption in der Familie eigentlich strafbar? „Aus dem Jungen wird noch mal ein richtiger Läufer. Sollen wir ihn nicht auf einem Sportinternat anmelden?“, jubiliert mein Gatte während Karl sich hinter seinem Rücken an die Kehle fasst und seine Erhängung simuliert. Blöde Vaterträume. Nur gut, dass sich die Träume der Eltern nur selten erfüllen. Achim wäre dann Bankangestellter geworden und ich würde mein Leben auf einem Bauernhof fristen. Na ja, jetzt ist es auch nicht besser, als Alleinerziehende Mutter, die mit einem Läufermann geschlagen ist.
Ich starre auf die Regentropfen am Fenster und wünsche ihm die Pest an den Hals. Schön, dass mein Achim immer erst an sich denkt.
Schon drei Stunden später kommt er humpelnd nach Hause. „Mein Knöchel,“ röchelt er und fällt samt Eisbeutel aufs Sofa. „Der verdammte Waldweg war voller Wurzeln. Und ich bin in ein Wildschweinloch getreten.“
Er ächzt. „Es zwingt Dich niemand, bei diesem Unsinn mitzumachen,“ zische ich, während ich den Druckverband noch etwas fester zurre.
Das Wochenende ist gelaufen. Nächsten Samstag, das ist klar, gehe ich crossen, aber auf einem Shopping-Parcour und mit Achims Portemonnaie in der Tasche.

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